Mittelpunkt: Die Martin-Niemöller-Gesamtschule steht zwar unter Denkmalschutz, soll aber abgerissen werden. Oben links befindet sich die Straße An der Reegt. - © Detlef Wittig
Mittelpunkt: Die Martin-Niemöller-Gesamtschule steht zwar unter Denkmalschutz, soll aber abgerissen werden. Oben links befindet sich die Straße An der Reegt. | © Detlef Wittig

Schildesche Entscheidung für Martin-Niemöller-Gesamtschule ist gefallen

Sondersitzung: Rat, Bezirksvertretung, Stadtentwicklungsausschuss und Immobilienservicebetrieb stimmen für die Verwaltungsvorlage, die ein Gebäude an der Westerfeldstraße und eins am Altstandort vorsieht

Sylvia Tetmeyer

Schildesche. Viel ist in den vergangenen Monaten diskutiert worden, nun haben sich die Politiker mit großer Mehrheit auf einen Kompromissvorschlag geeinigt. Der Neubau der Martin-Niemöller-Gesamtschule soll auf zwei Grundstücken realisiert werden, am jetzigen Standort an der Apfelstraße sowie an der Westerfeldstraße. Das hat der Rat am Abend beschlossen. Zuvor gab es eine Sondersitzung, an der die Mitglieder der Bezirksvertretung Schildesche (BZV), des Stadtentwicklungsausschusses und des Betriebsausschusses Immobilienservicebetrieb (ISB) teilnahmen. Der Antrag der SPD-Fraktion Schildesche, den Neubau auf dem Gelände des Alt-Standorts zu realisieren, wurde von der BZV mit sechs zu fünf Stimmen abgelehnt. "Wir wünschen uns, dass der größte Teil der Schule auf dem Altgrundstück realisiert wird", begründete Susanne Kleinekathöfer (SPD), auch wenn es Gründe gebe, die dagegen sprechen. So sei es für Schüler nicht zumutbar, der Lärmbelästigung der Baustelle über einen langen Zeitraum ausgesetzt zu sein. Die Verwaltungsvorlage, sieht deshalb einen Teilneubau an der Westerfeldstraße vor, in den dann ein Großteil der Schule umziehen könnte. »Die Gesamtschule ist etwas ganz Besonderes« "Die Gesamtschule ist etwas ganz Besonderes", erklärte Bernd Vollmer (Linke), warum er für den Erhalt des Altstandorts sei. Mit viel Platz und Licht sei sie trotz ihrer Größe "hervorragend" ins Umfeld integriert. An der viel befahrenen Westerfeldstraße solle nun ein vierstöckiges Gebäude entstehen. Kinder und Jugendliche seien Lärm und Luftverschmutzung ausgesetzt. Vollmer kritisierte, dass es keine seriöse Kostenschätzung gebe und keine Bemühungen zum Erhalt des Gebäudes. Sowohl Linke als auch BfB lehnten die Verwaltungsvorlage ab. Kritik übte auch der stellvertretende Bezirksbürgermeister Georg-Martin Sauer (Grüne). Die Lösung sei zwar nicht überzeugend, aber ein Kompromiss, "mit dem man leben kann". Die Bezirksvertretung sei jedoch in ihrer Meinungsbildung "massiv behindert" worden. "Es gab keine Informationen von der Verwaltung." Dies zeuge von einem "fragwürdigen Demokratieverständnis". Jens Julkowski-Keppler (Grüne) erinnerte daran, dass es um eines der größten Bauvorhaben in Bielefeld gehe. "Ich halte es für vermessen, wenn wir uns jetzt mit Vergangenheitsbewältigung beschäftigen", so der Ratsfraktionschef der Grünen. Selten sei über ein Bauprojekt so viel geredet worden. Parteifreund Stephan Godejohann schlug in einem Zusatzantrag vor, eine sichere Wegeverbindung zwischen den beiden Standorten zu schaffen. »Fakten werden zurechtgebogen« Thomas Rüscher (BfB) glaubt, dass bei der favorisierten Variante "die Fakten zurechtgebogen werden". Der "größte Irrsinn" sei bei der Aufteilung auf zwei Standorte, "dass die Schüler im normalen Betrieb regelmäßig eine stark befahrene Straße überqueren müssen". Die Bürgergemeinschaft meint, dass es problemlos möglich sei, den Ersatzneubau auf dem Bestandsgrundstück zu realisieren. Wie seine Vorgänger bemängelte Rüscher, dass es keine Kostenschätzung gibt. Jan Maik Schlifter (FDP) sagte, dass der Kompromiss der ungünstigste für das pädagogische Konzept sei. Er erwarte, dass auch die "Sanierung im Bestand" noch einmal geprüft werde. "Uns fehlen an allen Ecken und Enden Schulräume. Es kann auch sein, dass die Bezirksregierung eine Verkleinerung um zwei Züge ablehnt", erklärt Schlifter.

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