Hier werden die Tiere an der Universität Bielefeld versorgt. - © Andreas Fruecht
Hier werden die Tiere an der Universität Bielefeld versorgt. | © Andreas Fruecht

Bielefeld Zootierpfleger für Exoten an der Uni Bielefeld

104 verschiedene Tierarten müssen versorgt werden

Hanna Paßlick
22.01.2017 | Stand 22.01.2017, 15:17 Uhr

Bielefeld. An der Uni Bielefeld werden im Fachbereich Biodidaktik junge Zootierpfleger ausgebildet. Sie betreuen 104 verschiedene Tierarten, die im Wasser, in Terrarien oder draußen auf der Wiese leben. So schnell kann der NW-Fotograf an diesem Tag gar nicht gucken: Noch bevor er seine Kamera in Position gebracht hat, erspäht das Jemenchamäleon seine Beute. Das grüne Reptil guckt, zielt, und schleudert seine lange Zunge heraus. Die Grille, die der angehende Zootierpfleger Jasper Creuzmann dem Chamäleon hingehalten hat, ist blitzschnell verschwunden. Creuzmann und sein Ausbilder Claas Wegner lachen. Und der Fotograf braucht eine neue Chance. Seit etwa 20 Jahren werden Tierpfleger an der Uni Bielefeld im Bereich der Verhaltensforschung ausgebildet. Der Fachbereich Biodidaktik bietet die Ausbildung erst seit vier Jahren angeboten. Hier geht es weniger darum, dass Verhalten der Tiere zu studieren, als sich einfach um möglichst viele Arten zu kümmern und sie Kindern und Studenten näherzubringen. Einen Zoo im klassischen Sinne habe er nicht zu bieten, sagt Wegner. „Aber wird sind dabei, auszubauen." Dabei hat Wegner bereits kräftig ausgebaut: Bis heute konnten 104 verschiedene Tierarten in der Uni untergebracht werden. Die größten Bewohner sind kleine Minischweine, die draußen auf einer Wiese stehen. Die kleinsten gehören zur Kategorie der Insekten, und werden als Futter für Reptilien und Amphibien gehalten. Jasper Creuzmann hat seine Ausbildung zum Zootierpfleger im August begonnen. Nach dem Abitur wollte er etwas praktisches und spannendes machen. Weil er sich für Meeresbiologie interessierte, kam er auf die Ausbildung zum Tierpfleger. Von Paderborn aus nimmt er nun jeden Tag den Zug nach Bielefeld. Dass der Uni-Zoo kleiner und ungewöhnlicher als andere Zoos sei, stört den Auszubildenden nicht. Im Gegenteil: „Ich finde den Kontrast hier unglaublich spannend – zu wissen, ich füttere gerade exotische Tiere, und direkt über mir sitzen Studenten im Hörsaal und lernen." Wenn er nicht gerade füttert oder Gehege reinigt, hält sich der Azubi am liebsten in den Tiefen des Uni-Kellers auf. Dort gibt es eine Meeresraum, in dem Creuzmann regelmäßig die Wasserwerte der einzelnen Becken überprüft. Dort wohnen neben großen Krebsen, einem Hummer und Katzenhaien auch Creuzmanns Lieblingstiere: Die Seeanemonen. Sie sehen aus wie harmlose Unterwasserblumen, können sich aber fortbewegen und ernähren sich von kleinen Krebsen und Fischen. „Klar, sie sind schon sehr ruhig", sagt Creuzmann. Aber für diese Tiere müsse ein Beobachter sich Zeit nehmen. „Dann sind sie wirklich faszinierend." Weniger schön findet Creuzmann das Reinigen der Insekten-Käfige. Vor allem die Schaben würden viel Kot hinterlassen. „Eine echt fiese Arbeit" sei das, sagt der 19-Jährige und Claas Wegner schmunzelt belustigt. Er kann auch schon die zweite Sache benennen, die seinem Azubi nicht gefällt: Es ist das Sezieren toter Tiere. „Zur Ausbildung gehört auch die Anatomie", sagt der Biologe. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie ein Tier aufgebaut sei, komme es deshalb schon mal vor, dass zum Beispiel eine tote Maus seziert werde. Jasper Creuzmann schüttelt sich beim Gedanken daran. Er wolle schließlich Tierpfleger werden – deshalb kümmere er sich lieber um lebende Tiere.

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