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Stausee und Bypass: Als der Johannisbach 2009 neben den Obersee gelegt wurde, blieb der Damm am Oberlauf etwas niedriger, so dass er bei Hochwasser vom Bach überspült werden kann. Zugleich wurde dort eine Pumpe im Damm installiert, um auch bei Niedrigwasser die Möglichkeit für einen Zulauf in den See zu haben. - © Andreas Zobe
Stausee und Bypass: Als der Johannisbach 2009 neben den Obersee gelegt wurde, blieb der Damm am Oberlauf etwas niedriger, so dass er bei Hochwasser vom Bach überspült werden kann. Zugleich wurde dort eine Pumpe im Damm installiert, um auch bei Niedrigwasser die Möglichkeit für einen Zulauf in den See zu haben. | © Andreas Zobe

Bielefeld Kloake: In den Obersee fließt Schmutzwasser aus Jöllenbeck und Dornberg

Johannisbach: Bei Starkregen dient er als Überlauf für Schmutzwasserkanäle. Zugleich ist der Bach dann der Zufluss für den Stausee

Arno Ley
04.10.2016 | Stand 04.10.2016, 12:22 Uhr

Schildesche. Der Obersee wird nie ein Badegewässer werden. Selbst wenn die Enten, Gänse und Teichhühner samt allen ihren Fütterern von dort vertrieben würden, bliebe der Stausee in Teilen eine Kloake. Denn aufgefüllt wird er stets auch mit der Toilettenspülung aus Jöllenbeck und Dornberg. „So schlimm, wie es klingt, ist es nicht", sagt Hans-Werner Ohse, im Umweltamt zuständig für die Bäche und Teiche in Bielefeld. „Aber im Grundsatz ist die Aussage schon richtig." Im Regenwasser, das in den Obersee einströmt, sei verdünnt auch Schmutzwasser enthalten. In Jöllenbeck und Dornberg gibt es eine Mischwasserkanalisation. Das Schmutzwasser und das Regenwasser werden in den gleichen Rohren abgeleitet. Diese Leitungen haben Ventile, die bei Starkregen verhindern sollen, dass die Gullideckel hochgedrückt werden. „Das Wasser läuft dann in die Bäche über", erklärt Günter Reimann vom Umweltamt. Und von dort strömt es in den Obersee. Denn der bekommt automatisch Zufluss vom Johannisbach, wenn dieser kräftig anschwillt. „Natürlich gelangt so Schmutzwasser in die Bäche", bestätigt Ohse. „Das ist aber sehr verdünnt." Gelegentliche Toilettenpapierreste, Tampons und vor allem sogenanntes Hygienetücher, die sich sehr schwer auflösen, künden davon, das Exkremente im Bachwasser verdünnt wurden. „Badewasserqualität werden wir im Obersee wohl nie erreichen", bestätigt Ohse. Ist das Mischkanalsystem in Dornberg und Jöllenbeck, für das die Politiker sich vor Jahrzehnten entschieden haben, also eine Fehlinvestition? Darüber streiten die Experten. In Schildesche gibt es ein Trennsystem: Schmutz- und Regenwasserkanäle verlaufen nebeneinander. Der Hundekot, Reifenabrieb, Öltropfen von Autos und auch die Seifenlauge vom Autowaschen am Straßenrand (daher verboten) gelangen so ungeklärt in die Bäche. Denn der Regenwasserkanal mündet in Wohnbereichen im nächstgelegenen Bach. Dafür fließt das Schmutzwasser auch bei Starkregen zum Klärwerk, sagt Reimann. Das Wasser im Johannisbach ist dann eher sauber, wenn es kaum welches gibt, also kaum Regen fällt. Dann nämlich wird der Bach vor allem durch natürliche Quellen gespeist. Bei Hochwasser stammt der größere Anteil aus Regenwolken. Es enthält aber mehr oder weniger auch Schmutzwasser und Schwebstoffe, die nicht nur Schlammreste vom Bachlauf sind. Die Stadt hat inzwischen große Geldsummen investiert um den Überlauf auf möglichst wenige Fälle im Jahr zu beschränken. Im oberen Teil des Johannisbaches und seiner dortigen Zuflüsse gibt es in Bielefeld 26 sogenannte Regenüberläufe, Regenüberlaufbecken oder Kanalstauräume. „Es wird aber wohl niemals möglich sein, jeden Starkregenschauer aufzufangen", sagt Sergej Siemens vom Umweltbetrieb. Er gehört zu denjenigen, die das Kanalsystem überwachen. Regenüberläufe sind Stauwände, die den Mischwasserkanal vom Bachsystem trennen. Wenn zu viel Wasser in die Kanäle strömt, werden die Sperren überflutet. Kanalstauräume und Regenüberlaufbecken können eine gewisse Menge Wasser zeitweilig aufhalten. Sie können die Wirkung eines Starkregens im Mischwasserkanal einige Minuten verzögern. Je nach Dauer laufen auch sie dann irgendwann über in die Bäche.

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