Der Streit um die Teilbebauung dieses Platzes lockt nun erneut Rechtsextreme an. - © Christian Weische
Der Streit um die Teilbebauung dieses Platzes lockt nun erneut Rechtsextreme an. | © Christian Weische

Bielefeld Rechtsextremes Flugblatt ruft zum Protest gegen Marktplatzbebauung auf

Neonazis suchen ungefragt den Schulterschluss mit den Bebauungsgegnern in Schildesche. Zusammentreffen bei der Bezirksvertretung am 12. Mai

Jens Reichenbach
09.05.2016 | Stand 12.05.2016, 00:50 Uhr

Bielefeld. Im Streit um die geplante Teilbebauung des Marktplatzes an der Beckhausstraße ist ein weiteres Flugblatt in Schildesche aufgetaucht. In dem anonymen Flugblatt geht es vordergründig um den Protest an den geplanten Sozialwohnungen während der kommenden Bezirksvertretung (BZV) am Donnerstag, 12. Mai, ab 17 Uhr. Allerdings zeigen Schlagworte des Flugblattes wie "Überfremdung", "Asyl-Ghettos" und der in der rechtsextremen Szene gebräuchliche Begriff "Asylantenheim" sowie die angebliche Umwandlung "ethnisch homogener Völker in multikulturelle Mischgesellschaften", dass dieses Flugblatt aus extrem rechter Richtung kommen dürfte. Wie berichtet, hatten die Bebauungsgegner um Manfred Kuhlmann einen geplanten Protest am 1. Mai abgesagt, nachdem sich die Partei "Die Rechte" um den Neonazi Sascha Krolzig als Unterstützer des Protests eingeklinkt hatte. Nach der Absage der Infoveranstaltung - die Bebauungsgegner hatten bereits 5.000 Flugblätter verteilt -, reichten sie schriftlich zehn Fragen für die Bürgerfragestunde ein. Neonazi Krolzig will sich auch zu Wort melden Auch in dem nun aufgetauchten anonymen Flugblatt wird dazu aufgerufen, am Donnerstag um 17 Uhr bei der BZV-Bürgerfragestunde in der kleinen Mensa der Gesamtschule, Apfelstraße 210, zu erscheinen, um "unserem Bürgerwillen Ausdruck zu verleihen." Erneut scheinen Rechtsextreme zu versuchen, auf den Zug des Schildescher Bürgerprotestes aufzuspringen. Besonders mit Vertretern der Partei "Die Rechte" war zuletzt bei Bürgerveranstaltungen zu rechnen, die zum Thema Flüchtlingsunterbringung informieren sollten. Auch am 12. Mai will sich Krolzig wieder zu Wort melden. Nach Angaben von Karsten Wilke von der „Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in OWL" nutze Krolzig gezielt öffentliche Auftritte wie bei solchen Infoabenden, um „als politischer Akteur" sichtbar zu werden. Bebauungsgegner wollen Marktplatz als Festplatz erhalten Dabei verfolge Krolzig und seine Partei übergreifend die Strategie, „auf Ängste abzuheben, die tatsächlich existieren", sagt Wilke. Er präsentiere sich dabei konsensfähig und scheinbar sachkundig und suche so vermutlich auch den Schulterschluss in Schildesche. Seine rechtsextreme Gesinnung werde dabei nie offen deutlich, die trete erst am Stammtisch mit Gleichgesinnten zu Tage, so Wilke. Die Bebauungsgegner betonen hingegen ausdrücklich, den Marktplatz lediglich als Festplatz erhalten zu wollen. Man sei überparteilich und auch ansonsten nicht politisch engagiert, betonen die Mitglieder der Initiative "Marktplatz Schildesche". Überblick über die bisherigen Beiträge zum Thema.

realisiert durch evolver group