Sechs Kastanienbäume wurden gestern Vormittag abgesägt. Die Kinder der Plaßschule nebenan setzen sich schon länger in unterschiedlichen Projekten für die Umwelt und vielfältigen Baumbestand ein. - © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Sechs Kastanienbäume wurden gestern Vormittag abgesägt. Die Kinder der Plaßschule nebenan setzen sich schon länger in unterschiedlichen Projekten für die Umwelt und vielfältigen Baumbestand ein. | © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

Schildesche Aufregung um gefällte Bäume

Kranke Kastanien müssen weichen / Grundstück wird Kinderspielfläche

VON HEIDI HAGEN-PEKDEMIR

Schildesche. Ein Gärtner mit Kettensäge brachte gestern eine Gruppe Eltern rund um die Plaßstraße auf den Plan. Der Mann hatte den Auftrag, sechs Kastanien auf dem Grundstück des früheren Gemeindezentrums Steinsiek zu fällen. Was die Eltern nicht wussten: Auf der Fläche sollen später Kinder spielen.

Böses schwante den Männern und Frauen, darunter auch Eltern von Plaßschülern. "Unsere Jungen und Mädchen haben Teile des Regenwalds gekauft. Und nun müssen sie hier erleben, wie die Bäume einfach so entfernt werden", beklagt sich eine Mutter. Die Kinder seien bei diesem Anblick in Tränen ausgebrochen.

Die Frau witterte eine Verschwörung. Schon vor zwei Jahren habe es Baupläne für das betreffende Grundstück gegeben. Tatsächlich ist dieses Vorhaben bereits 2012 in einer Bürgerversammlung vorgestellt worden. Damals war von einer dreigeschossigen Bauweise die Rede.

Die besorgte Mutter, die ungenannt bleiben möchte, folgerte: Wenn kurz vor dem 1. März, an diesem Tag tritt das Fällverbot in Kraft, Bäume abgesägt werden, dann kann es bis zum Baubeginn nicht mehr lange dauern. Und weil nun alles ganz plötzlich geschehe und zudem "klammheimlich", müsse man sich auf das Schlimmste gefasst machen. Statt dreigeschossige würden wohl vier- und mehrgeschossige Häuser gebaut.

Information

Das Grundstück

  • Bis 2009 stand auf dem Gelände zwischen Plaßstraße und der Plaßschule das Gemeindehaus am Steinsiek.
  • Sechs Mehrfamilienhäuser mit 50 Wohnungen sollten auf dem Grundstück entstehen.
  • Das sieht ein Plan vor, der 2012 den Bürgern in der Gesamtschule vorgestellt wurde.
  • Bezirksbürgermeister Detlef Knabe betonte damals, die Planung werde bis zwei Jahre dauern.
  • Bewohner befürchteten, die eingeschossige Plaßschule könne wegen der massiven Gebäude im Schatten liegen.
  • Das Land gehört dem evangelischen Kirchenkreis.

Um höheres Verkehrsaufkommen in der Tempo-30-Zone sorgte sich bereits Jochen Bardelmeier. Dass er zu spät von der Baumfällaktion erfuhr, bedauert er. "Ich hätte mich an einen Baum gekettet", wettert der Vater von vier Kindern. Diese schöne Grünfläche würde nun den Jungen und Mädchen nicht mehr zum Spielen zur Verfügung stehen.

Doch genau das ist gewollt. Mark Brüning, Bauberater und Projektleiter im Kirchenkreis, war gestern persönlich in Schildesche. In der Plaßschule und auf der Straße klärte er die empörten Eltern über den Plan auf.

Der Kindergarten am Balgenstück muss erweitert werden. Für die Umbauphase suchte der Kirchenkreis ein vorübergehendes Quartier, für zwei Gruppen mit 48 Kindern. Aufnahme finden die Jungen und Mädchen in der Pfarrdienstwohnung der Stiftsgemeinde. Der pensionierte Pfarrer Hans-Friedrich Alfringhaus stellt die Räume zur Verfügung.

Als Spielfläche soll das angrenzende Grundstück mit den Kastanienbäumen genutzt werden. Doch die waren laut Brüning mit Pilz befallen, stellten daher ein Sicherheitsrisiko dar und mussten noch vor dem 1. März gefällt werden.

Mit der geplanten Bebauung habe das alles nichts zu tun, beteuert Brüning. "Da ist noch gar nichts beschlossen."

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