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Hans-J. Bannier gab im Arboretum Minister Johannes Remmel einen Prinz Albrecht zum Probieren. Das ungespritzte Obst sieht nicht immer so glatt aus, soll aber gesünder sein. - © FOTO: SARAH JONEK
Hans-J. Bannier gab im Arboretum Minister Johannes Remmel einen Prinz Albrecht zum Probieren. Das ungespritzte Obst sieht nicht immer so glatt aus, soll aber gesünder sein. | © FOTO: SARAH JONEK

BIELEFELD Ungeschminkte Äpfel

Minister auf Naturerbe-Tour im Obst-Arboretum Olderdissen

VON JOACHIM UTHMANN
01.09.2012 | Stand 31.08.2012, 20:42 Uhr

Bielefeld. Da läuft selbst dem Umweltminister das Herz über, wie er sagt: Das Obst-Arboretum in Olderdissen mit 508 seltenen, ungespritzten Apfelsorten fasziniert Johannes Remmel am Freitag bei seinem Besuch auf der Naturerbe-Tour durch NRW. Er würdigt das landesweit einmalige Projekt und seinen Initiator Hans-J. Bannier, der es seit 1995 betreibt und damit bundesweit Beachtung findet.

"Es gibt keinen herrlicheren Duft, als wenn ein Apfel für die Mosterei frisch zerschlagen wird", schwelgt der Minister: "Geradezu paradiesisch und aphrodisierend." Der Grüne hat selbst mit Obstwiesen angefangen und sagt, er sei traurig, dass er es nicht intensiv weiter machen konnte. So wie Bannier.

Der hatte Freitag zum Apfeltag eingeladen, um seine "ungeschminkten" Kostbarkeiten zu zeigen und für ihren Anbau zu werben. Mit dem Minister waren zur Begrüßung mehr als 50 Politiker, Verwaltungsvertreter, Naturschützer, Gärtner, Imker und Interessierte gekommen.

Bannier ist in seinem Element und zeigt mit dem Edelborsdorfer nicht nur die älteste Apfelsorte Deutschlands. Ihn treibt – und dabei unterstützt ihn der Minister inhaltlich – die Rückbesinnung auf die alten, robusten und widerstandsfähigen Obstsorten. "Die Vielfalt ist verloren gegangen", bedauert der Apfel-Experte. Früher gab es noch rund tausend Sorten, heute in den Läden weniger als 20 und die stammten nur noch von fünf Elternsorten ab.

Und der Preis für "makellose" Früchte, die die Verbraucher wünschten, sei: "Sie kommen nicht mehr ohne Pflanzenschutzmittel aus." Bannier fragt sich, "warum der Obstanbau auf Sorten setzt, die so krankheitsanfällig sind. Man hat das Gefühl, die chemische Industrie hat einen Vertrag mit den Obstbauern." Das Arboretum soll die "genetische Bandbreite" wieder vergrößern und Vielfalt schaffen. Denn: "Andere alte Sorten strotzen vor Gesundheit", sagt Bannier. Und diese Sorten hat er im Arboretum und einem zweiten Garten bei Brand’s Busch.

Hinzu kommen mittlerweile auch Kirschen, Pflaumen, Aprikosen, Pfirsiche und Birnen. Er hat mit Züchtungen begonnen und strebt eine Ausweitung auf rund 670 Sorten an. Bei Bannier ist viel Idealismus dabei: "Viel verdienen kann man damit nicht", sagt er, auch wenn er in guten Jahren bis zu zehn Tonnen Obst an Naturkostläden und als Most verkaufen kann.

Was ihm fehle, sei Sicherheit, um mehr investieren zu können. Doch die Stadt, die das Gelände für zehn Jahre verpachtet hat, gebe keine langfristigen Garantien. Die Politiker wollten andere Optionen für das Gelände offen halten. Bei dem Treffen Freitag versuchte Bannier, Verständnis zu wecken. Das findet er bei Fachleuten und Verbrauchern auf dem Apfeltag – und beim Minister, der hofft, dass andere Banniers Vorbild folgen.

Allerdings fiel die Apfel-Ernte dies Jahr miserabel aus. "Gerade mal zehn Prozent des Üblichen", klagt Bannier. Die Kälte zur Blütezeit habe sein Obst am Nordhang hart getroffen. Auch Natur schützt vor Wetter nicht.