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Bielefeld Die Hoffnung der Jane Goodall

Bürgerstiftung holt weltberühmte Forscherin nach Bielefeld

12.12.2013 , 01:24 Uhr
Jane Goodall hielt gestern in der Stadthalle einen Vortrag. Heute setzt sich die weltberühmte Britin auch für Umweltschutz ein. Die 79-Jährige steckt voller Kraft. - © FOTO: ANDREAS FRÜCHT
Jane Goodall hielt gestern in der Stadthalle einen Vortrag. Heute setzt sich die weltberühmte Britin auch für Umweltschutz ein. Die 79-Jährige steckt voller Kraft. | © FOTO: ANDREAS FRÜCHT

Bielefeld. Sie ist klein, zart, leise – und doch birgt Jane Goodall eine enorme Kraft in sich. Einer amerikanischen Untersuchung zufolge ist sie die bekannteste Wissenschaftlerin der Welt – nach Albert Einstein. Gestern hielt Jane Goodall in der Stadthalle einen ungewöhnlichen Vortrag.

Es ist der Bielefelder Bürgerstiftung zu verdanken, dass die 79 Jahre alte Britin nach Bielefeld kam. "Für uns ist es wie ein Traum, der in Erfüllung geht", sagt Stiftungsvorsitzende Anja Böllhoff. Sie ist eine Ikone der Verhaltensforschung, sie ist Umweltaktivistin und UN-Friedensbotschafterin und sie wurde in der ausverkauften Stadthalle empfangen wie ein Rockstar. "Geschichten und Musik ihrer Lebensreise" war der Abend überschrieben. Und so bot er schließlich das, was viele andere Formate versuchen: Informationen, Aufrufe, das eigene Verhalten zu reflektieren, um daraus die Kraft zu schöpfen, selbst etwas für das große Ganze zu tun. Ergänzt wurde Goodall von musikalischen Sequenzen. Wolfgang Netzer, der bereits die Filmmusik zu der Dokumentation "Jane’s Journey" schrieb, spielte mit dem Jazz-Klarinettisten Gabriele Mirabassi.

Information

Jane Goodall

Jane Goodall wurde 1934 in London geboren.

Sie wuchs auf dem Birkenhof in Bournemouth auf und lebt dort mit ihrer Schwester und deren Familie.

1960 wurde sie, die keine wissenschaftliche Ausbildung und keinen Studienabschluss hatte, in den tansanischen Dschungel nach Gombe geschickt, um dort Schimpansen zu beobachten.

27 Jahre lang betrieb sie dort Feldforschung.

1965 wurde sie mit einer Ausnahmegenehmigung an der Universität Cambridge promoviert. 1991 gründete sie "Roots and shoots"

Viel Raum nahm an diesem Abend die Darstellung ihres Projekts "Roots and shoots" ein. Der Name ist symbolhaft. "Wurzeln und Sprossen kommen aus einem kleinen Samenkorn", sagte sie im Pressegespräch mit der Neuen Westfälischen. Und während die Wurzeln der jungen Pflanze das Fundament geben, streben die Sprösslinge dem Licht zu und sprengen dabei sogar Mauern. "Unsere Hoffnung, die Hoffnung der Welt, liegt bei den Kindern." Viele folgen ihrem Aufruf. In diesem Jugendprojekt sind mittlerweile 10.000 Jugendliche in 120 Ländern engagiert.

Hervorgegangen ist das Projekt aus den Jane-Goodall-Instituten, die seit 1977 in 27 Ländern vertreten sind, seit 2010 auch in Deutschland. Hatten die Institute anfangs nur das Ziel, die Schimpansen in ihrem Forschungsgebiet Gombe-Nationalpark in Tansania zu schützen, liegen die Schwerpunkte heute auch in den Bereichen Umweltproblematik, Klimaveränderung und Verbesserung von Lebensbedingungen für die Menschen.

Faszinierend sind ihre Schilderungen ihrer Zeit in Gombe. Ein Schlüsselerlebnis war, als ein Schimpansenmann, sie hatte ihn David Greybeard genannt, eines Tages eine Frucht aus Goodalls Hand nahm, sie fallenließ und dafür zart und vorsichtig die Hand der Forscherin in seine nahm. Was ging da in ihr vor? "Gar nichts", sagte sie. "Ich habe den Augenblick gelebt und über nichts anderes nachgedacht. Es war ein magischer Moment." Gescholten wurde sie damals von den Wissenschaftlern. Man dürfe keine Namen vergeben, man müsse als Beobachter Distanz wahren. Goodall hat das nicht akzeptiert und damit die Verhaltensforschung teilweise revolutioniert.

Verdiente Anerkennung erhielt sie, als sie nachwies, dass wild lebende Schimpansen Werkzeuge nicht nur nutzen, sondern auch herstellen, zum Beispiel kleine Äste abrechen und entlauben, um damit in Termitenbauten herumzustochern. Aber sie beschrieb auch die dunkle Seite der Schimpansen – ihre Wut, ihre Aggression, ihren Kannibalismus. "Sie sind uns erschreckend ähnlich", sagt sie. Warum sie denn kein Feuer benutzen? Die Frage lässt sie aufhorchen. "Das hat mich noch niemand gefragt. Ich weiß es nicht. Sie kennen Feuer und in der Gefangenschaft zünden sie sich auch mit einem Streichholz eine Zigarette an. Aber in der freien Natur nutzen sie es nicht." Ein paar Geheimnisse bleiben. Als sie sich verabschiedete, standen sämtliche Zuschauer und applaudierten der Britin minutenlang.