Bei einer Treibjagd wie hier an der Osningstraße müssen nicht nur Autofahrer aufpassen. Auch Spaziergänger und Freizeitsportler sollten auf die Schilder achten und sich während einer Jagd möglichst nicht im Wald aufhalten. - © FOTO: Reimar Ott
Bei einer Treibjagd wie hier an der Osningstraße müssen nicht nur Autofahrer aufpassen. Auch Spaziergänger und Freizeitsportler sollten auf die Schilder achten und sich während einer Jagd möglichst nicht im Wald aufhalten. | © FOTO: Reimar Ott

Bielefeld Ärger um Schüsse auf Wild

Naturschützer und Förster diskutieren Jagd in Teutoburger Wald und am Obersee

Bielefeld. Die Läufe der Jagdgewehre zielen im Herbst auf Wildtiere wie Fuchs, Kaninchen, Wildschwein oder Reh. Für Jäger ist der November Hochsaison – auch im Teutoburger Wald. Doch Bielefelder Naturschützer hinterfragen, ob das Wild tatsächlich erlegt werden muss und fordern zum Protest auf.

Still sitzen die Jäger auf ihrem Hochsitz, das Gewehr in der Hand, den Finger am Abzug. Zu ihren Füßen bringen Treiber die Rehe in Bewegung, damit die Tiere in das Blickfeld der Jäger laufen. Sobald die Jäger ein weibliches Tier sehen, erlegen sie es mit einem gezielten Schuss. So in etwa läuft eine Bewegungsjagd ab, bei der heute im Teutoburger Wald weibliches Rehwild erlegt wird.

Die Jagd verhindern will die Initiative zur Rettung der Bielefelder Mufflons. Sie setzt sich nicht nur für den Erhalt des Muffelwildes im Teutoburger Wald ein, sondern auch für das Rehwild. "Wir wollen nicht, dass auf eine Art gejagt wird, bei der das Wild keinerlei Chance hat, zu entkommen", sagt Naturschützer Walther Baumann. In einer Mitteilung fordert die Initiative Spaziergänger auf, die Jagd gezielt zu stören.

Stadtförster Herbert Linnemann hingegen warnt davor, sich während der Jagd absichtlich im Wald aufzuhalten. Der Leiter des Heimat-Tierparks Olderdissen erklärt den Vorteil der Treibjagd: Der Stress für die Tiere sei bei einer einmaligen Aktion deutlich geringer als bei regelmäßigem Beschuss vom Hochsitz aus. "Es ist eine ruhige und behutsame Jagd", sagt er. Zudem betont er, dass bei der heutigen Jagd keine Mufflons erschossen werden und auch die Stadt sich für den Erhalt der Tiere einsetze.

"Die Jagd ist praktizierter Naturschutz, um die Vielfalt im Wald zu erhalten", sagt Linnemann. Der Wildbestand müsse für das Ökosystem verträglich bleiben.  Weil die Rehe gerne die Knospen junger Bäume wie Eichen oder Eschen fressen, würden zu viele Tiere die ausgeglichene Mischung der Baumarten im Wald gefährden. Damit die Population nicht zu groß werde, müssten die Jäger einige Tiere erschießen.

"Die Linie, dass Wald vor Wild geht, können wir nicht vertreten", sagt Baumann.  Aus seiner Sicht gebe es ausreichend Stellen im Wald, an denen das Jungholz gut nachwachse. "In Relation zur gesamten Waldgröße sind die Schäden, die das Wild anrichtet, minimal", sagt Baumann.

Immer wieder kritisieren Naturschützer die Jagd auf Wildtiere im Stadtgebiet. Eine lange Diskussion löste vor einiger Zeit die Entenjagd am Obersee aus. Dort nimmt die Anzahl der Wasservögel immer weiter zu, weil Spaziergänger die Tiere häufig füttern. Mit ihrem Kot verschmutzen die Vögel Wiesen und Gewässer. Die Gefahr: Der See könnte aus dem Gleichgewicht geraten und umkippen. "In irgendeiner Weise müssen wir dagegen vorgehen, um unsere Natur auch möglichst naturnah zu erhalten", sagt Anja Ritschel, Beigeordnete der Stadt.

Im Fall der Enten vom Obersee werden die Jagdpächter gemeinsam mit Experten der Stadt entscheiden, wann sie jagen und wie viele Tiere sie erlegen.

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