Bielefeld Die Bahn wird zur Bühne

"ExtraFahrt" erstmals in Bielefeld / 20 Poetry Slammer auf vier Linien unterwegs

VON ARIANE MÖNIKES
07.11.2013 | Stand 06.11.2013, 22:41 Uhr
Poetry Slammer Jan Möbus bereitet sich in der Bahn auf seinen Auftritt vor. 2011 war er sogar Vize-Meister in Nordrhein-Westfalen. - © FOTO: ANDREAS ZOBE
Poetry Slammer Jan Möbus bereitet sich in der Bahn auf seinen Auftritt vor. 2011 war er sogar Vize-Meister in Nordrhein-Westfalen. | © FOTO: ANDREAS ZOBE

Bielefeld. Warm-up in der Stadtbahn: Gestern Abend gingen in Bielefeld die Wettbewerbe der Poetry-Slam-Meisterschaft los, am Nachmittag waren 20 Slammer in den Stadtbahn-Zügen unterwegs, um den Fahrgästen Appetit auf den Dichterwettstreit zu machen. Die Aktion "ExtraFahrt" von "Busse & Bahnen NRW" kam an, viele Fahrgäste aber hatten zunächst große Fragezeichen auf der Stirn.

Bea Wypchol (21) studiert eigentlich Theologie, ist aber als Slammerin deutschlandweit unterwegs. Als sie noch zur Schule ging, machte sie bei einer Poetry-Slam-AG mit, ein Jahr später stand sie das erste Mal auf der Bühne. "Vor 300 Leuten", sagt sie.

Information

Gemeinsame Projekte

"Busse & Bahnen NRW" ist eine Gemeinschaftskampagne des NRW-Verkehrsministeriums, der Zweckverbände, Verkehrsverbünde und Verkehrsgemeinschaften in NRW.

Mit dem Ziel, das ÖPNV-Angebot in NRW zu verbessern, setzen die Akteure gemeinsam Tarif- und Marketingprojekte um.

Das Kompetenzcenter Marketing NRW übernimmt die Vermarktung.

In Bielefeld steht sie an diesem Nachmittag in der Bahn, Linie 1. Am Hauptbahnhof geht's los in Richtung Schildesche, dann nach Senne. Das Publikum wird quasi überrascht – und ist oft irritiert. "Wir wollen aber nah an den Fahrgästen sein", sagt Nina Kradepohl vom Kompetenzcenter Marketing NRW, die das Marketing für "Busse & Bahnen NRW" macht. "In der Regel kommt das an."

In OWL ist es die erste Auflage der "ExtraFahrt", im Ruhrgebiet und Köln gab es das Unterhaltungsprogramm in der Bahn schon mehrere Male – dann aber in der Regel an Veranstaltungen wie "ExtraSchicht" gekoppelt. Patricia Günther-Grasdieck, die als Betreuerin der Künstler in den Bahnen mitfährt, vergleicht die Auftritte mit dem Vorglühen vor der Party. "In Bielefeld ist das etwas anders." Die meisten Zuhörer kommen gerade aus der Schule oder von der Arbeit. "Da wollen viele auch ihre Ruhe", sagt Jan Möbus (32), selbst Slammer und in diesen Tagen auch bei der Poetry-Slam-Meisterschaft dabei. "Aber sie nehmen das mit, was hier passiert", sagt er.

Zwar sei er bei einigen Auftritten in der Bahn schon mal angepöbelt worden, aber die meisten Fahrgäste wären offen für den Slam.

Georg Kocherscheidt (63) hat zunächst gedacht, jemand wolle seine Religion unter die Leute bringen, als er in die Bahn betrat. "Erst nach längerem Zuhören habe ich gemerkt, was hier läuft", sagt er. Er findet's gut. "Ein bisschen Kultur verträgt doch jeder."

Nora Bechauf (29) ist extra wegen der Wortakrobaten in die Bahn gestiegen. Sie hatte einen Flyer in die Hand bekommen und hat gleich eine Freundin mitgeschleppt. "Eine coole Idee", sagt sie.

Aber die Angst, nicht anzukommen, fährt bei den Slammern mit. "Es ist wesentlich anspruchsvoller hier in der Bahn als auf der Bühne", sagt Bea Wypchol. "Weil nicht alle das gut finden, was wir machen."

Wypchol hat Texte über ihr Leben geschrieben, viel "Gefühls-Zeug", wie sie sagt. Bei Jan Möbus geht es um seine Familie – aber auch ganz andere Sachen. "Man muss spontan sein", sagt er. "Und auf die Leute eingehen." Und wer nicht hinhören möchte, der höre eben weg.

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