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Bielefeld Traumrolle Königin

13 Studenten im ersten Semester an der Bielefelder Schauspielschule

Von Heidi Hagen-Pekdemir
10.10.2013 | Stand 09.10.2013, 22:25 Uhr
Thomas Modzel hält bei dieser Warnung intensiven Blickkontakt zu Janne Zimmermann. Anabelle Block (l.) schaut dem Lehrer und seiner Schülerin zu. - © FOTO: Wolfgang Rudolf
Thomas Modzel hält bei dieser Warnung intensiven Blickkontakt zu Janne Zimmermann. Anabelle Block (l.) schaut dem Lehrer und seiner Schülerin zu. | © FOTO: Wolfgang Rudolf

Bielefeld. Die Bewerbungen liegen auf dem Tisch vor Thomas Modzel. Jeden Tag kommen neue hinzu: Zuschriften von Bewerbern, die an der ersten Schauspielschule in Ostwestfalen studieren wollen. Seit einer Woche wird dort unterrichtet.

"Lass das!" Scharf hallt der Befehl aus unterschiedlichen Kehlen durch den hohen Raum. "Lasst eure Emotionen raus", ruft Thomas Modzel seinen Studenten zu. Leger drehen die jungen Männer und Frauen ihre Runden, schlendern aufeinander zu, stoppen und schleudern es sich wieder entgegen, Angesicht zu Angesicht: "Lass das."

"Schön, schön gespielt", lobt Modzel eine schmale Blonde mit Zahnspange. Der Dozent mit roter Hose und rotem Schal behält jeden im Blick, lobt und korrigiert und stellt immer neue Aufgaben. Modzel, selbst Schauspieler, führt dabei seinen Schülern auch vor, welche unterschiedlichen Bedeutungen ein Wort beziehungsweise ein Satz haben kann und wie sich entsprechend Gestik und Mimik verändern.

In der ersten Unterrichtsstunde dieses Tages steht Improvisation auf dem Stundenplan. Die meisten Teilnehmer haben sich bereits eine halbe Stunde vorher eingefunden. Locker plaudern die angehenden Mimen über ihre Zukunftspläne. Evelyn Hamann etwa. Die Studentin aus Halle ist mit ihrer berühmten Namensvetterin zwar nicht verwandt, doch mit der inzwischen gestorbenen Darstellerin aus vielen Loriot-Produktionen hat sie eins gemeinsam: die Liebe zur Schauspielerei. Nach dem Abitur entschloss sich die 20-Jährige für das siebensemestrige Studium an der Musikalischen Schauspielschule (MuSS) am Klosterplatz.

Anabelle Block (19) hat bereits in ihrem Heimatort Bad Oeynhausen bei unterschiedlichen Theaterprojekten mitgemacht. Ihre Traumrolle: "Irgendetwas in Richtung Königin." Wenn sie dieses Ziel nicht auf Anhieb erreiche, sei das nicht weiter schlimm. "Hauptsache spielen", betont die junge Frau mit der Mütze und dem Grobstrickschal.

In Musicals wie "König der Löwen" hat Kevin Risthaus (23) bereits mitgespielt und dabei seinen "Hang zum Künstlerischen" entdeckt. Seine Erwartung an die Schauspielerausbildung? "Ich möchte vor Menschen auf der Bühne stehen und zeigen, was ich kann."

Dreieinhalb Jahre werden Kevin und seine Kommilitonen am Klosterplatz lernen und 390 Euro Studiengebühr pro Monat bezahlen. Ihre Dozenten – Juristen, Komponisten, Schauspieler, Tänzer, ein Betriebswirt und eine Physiotherapeutin. Der Nachwuchs soll nicht nur in seinen Rollen überzeugen. Auch bei Vertragsverhandlungen soll er sicher auftreten, außerdem über Körpersprache und -funktionen Bescheid wissen.

Vor allem aber steht die Bewerbung und das persönliche Gespräch. Nach welchen Kriterien wählt Modzel die Bewerber aus? Unter anderem an der Art, wie der Kandidat seinen Text vorträgt. "Auswendig lernen kann jeder", sagt der Schauspiel-Lehrer. Vielmehr achte er auf die Art der Interpretation. Neulich habe eine Bewerberin den Text der MuSS-Website aufgesagt. Langweilig und bar jeder Emotion sei das gewesen. Den Aufnahmetest hat sie damit nicht bestanden.

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