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Bielefeld Ermittler werten Video von der Schießerei in Bielefeld aus

Schütze traf seinen eigenen Begleiter / Anwalt spricht von Notwehr und legt Haftbeschwerde ein / Insider: "Es gab keine Erpressung"

28.08.2013 | Stand 28.08.2013, 07:25 Uhr |

Bielefeld. Vier Tage nach der Schießerei mitten in der Bielefelder Innenstadt, laufen die Ermittlungen der "Mordkommission Imbiss" auf Hochtouren. Alle Beteiligten werden derzeit ein zweites Mal vernommen, 25 Zeugen werden befragt und seit gestern wird ein Überwachungsvideo des Döner-Restaurants ausgewertet, vor dem die Schüsse fielen. Gleichzeitig bezichtigen die Rechtsanwälte beider Seiten die anderen, massive Bedrohungen ausgesprochen zu haben. Laut Polizeisprecher Friedhelm Burchard haben sich nach dem jüngsten Aufruf fünf neue Zeugen gemeldet. Doch die Gäste, die zwischen den Tischen der Kontrahenten gesessen hatten und dringend von der Kripo gesucht werden, sind noch immer unbekannt. "Die wichtigste Aufgabe der Mordkommission ist derzeit die Rekonstruktion des Tatgeschehens. Diese Zeugen müssen den Streit direkt mitbekommen haben. Trotz des Schrecks, den sie erfahren haben, ist ihre Aussage immens wichtig." Seit gestern werten Kriminalhauptkommissar Jürgen Heinz und seine MK ein Überwachungsvideo aus, wie Polizeisprecherin Sonja Rehmert bestätigte. Das Video zeige allerdings nur den Gaststätten-Innenraum und einen kleinen Teil vor der Tür. Vieles in der juristischen Bewertung hängt offenbar vom Ablauf des blutigen Streits ab. Hat Besar Nimani zuerst und von hinten die Cola-Flasche über den Kopf des Türken geschlagen? Oder kam der Schlag von vorne und erst nachdem der 44-Jährige schon die Waffe aus seiner Bauchtasche gezogen hatte? Die Walther PPK wird übrigens derzeit beim LKA untersucht, falls sie bereits bei anderen Straftaten eingesetzt wurde. Rainer Pielsticker, Rechtsanwalt des Pistolenschützen, hat derweil Haftbeschwerde eingereicht. "Er hat aus Notwehr gehandelt." Pielsticker zufolge sei es nicht zu verstehen, dass der Angegriffene in U-Haft sitzt und die Angreifer nicht. Wie berichtet, war 2004 auf den Türken geschossen worden. Nun soll es vor dem Gerichtsverfahren wegen Körperverletzung gegen Nimani ernstzunehmende Bedrohungen gegen den Türken gegeben haben, der bei der Schlägerei im Jahnplatz-Tunnel Zeuge war. "Mein Mandant befürchtete, dass erneut auf ihn geschossen werde. Das ist der Grund, warum er bewaffnet war." Laut Polizeisprecher Burchard wertete die Kripo tatsächlich einige der fünf Schüsse als Notwehr. Doch auf den Profi-Boxer habe der 44-Jährige gezielt angelegt. Eine Kugel streifte sein rechtes Knie. Als sich der Sportler seitlich wegdrehte und flüchtete, durchschlug eine zweite Kugel seinen Oberschenkel, die im Gesäß stecken blieb. Wie erst gestern bekannt wurde, schoss der Türke übrigens seinem 33-jährigen Begleiter versehentlich in den Fuß. Für Nimanis Rechtsanwalt Georg Schulze ist es Beweis genug, dass das Notwehr-Argument absurd sei: "Der hat offensichtlich ohne Rücksicht auf Verluste geschossen." Wie berichtet, sollen Nimani und sein Bruder vor dem anstehenden Gerichtsverfahren von der Gegenseite ihrerseits massiv bedroht worden sein. Ein Insider, der beide Seiten gut kennt, bezeichnete die Fehde zwischen den Kontrahenten als "eine lange Geschichte". Vorläufiger Höhepunkt sei die Prügelei im Jahnplatz-Tunnel gewesen. Dort soll es nach Angaben der Nimani-Brüder auch um Schutzgeld gegangen sein. "Es gab keine Erpressung", betont der Insider. Auch die Ermittlungen der Kripo liefen diesbezüglich ins Leere. Vielmehr scheint das bevorstehende Gerichtsverfahren gegen Nimani große Beunruhigung ausgelöst zu haben. Es war die Rede von Zeugenbeeinflussungen und Todesdrohungen. Warum dieses Verfahren dann am Samstag so viel Gewalt auslöste, bleibt bisher völlig unklar.

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