Bielefeld/Paderborn 600 Bielefelder demonstrieren gegen "Pro Deutschland"-Auftritt

Auch in Paderborn versammelten sich Gegendemonstranten

Bielefelder Demo gegen Auftritt von "Pro Deutschland" - © Bielefeld
Bielefelder Demo gegen Auftritt von "Pro Deutschland" | © Bielefeld

Bielefeld (nw/hko). Die rechtsextreme Kleinstpartei "Pro Deutschland" ist am Montag in Paderborn und Bielefeld mit sieben Menschen aufgetreten und dank hunderter Gegendemonstranten nicht gehört worden. In Paderborn waren es am Vormittag rund 150 Menschen, in Bielefeld später bis zu 600, die sich mit "Nazi raus"-Rufen gegen die Auftritte der Rechtsextremen wehrten.

Bereits um 12 Uhr hatten sich vor der Hicret-Moschee in Bielefeld-Brackwede die ersten Teilnehmer der Gegendemo versammelt. Gegen 12.25 Uhr traf ein Fahrzeug mit sechs Mitgliedern von "Pro Deutschland" ein. Eine weibliche Teilnehmerin war mit einer Burka bekleidet. Drei örtliche Sympathisanten kamen im Verlauf der Versammlung hinzu. Ihnen gegenüber stand mittlerweile ein breites "Bündnis gegen Rechts" - rund 350 Menschen demonstrierten gegen den ersten Auftritt der Rechtsextremen.

Die Reden der Rechten blieben dank der lautstarken "Nazi raus"-Rufe der Gegendemonstranten ungehört, sie gingen im Lärm unter. Ein vom "Bündnis gegen Rechts" gemieteter Lkw stand auf der Sichtachse der "Pro Deutschland"-Partei, so dass die Moschee für die Rechtsextremen kaum zu sehen war.

Auch Bundestagskandidaten vor Ort

Vertreter aller Parteien waren vor Ort, unter anderem auch der Bielefelder Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) sowie einige Bundestagskandidaten. Die Bezirksbürgermeisterin von Brackwede, Regina Kopp-Herr, hatte eine Rede gehalten.

Die Versammlung von "Pro Deutschland" an der Windelsbleicher Straße wurde gegen 13.45 Uhr beendet. Sperrmaßnahmen wurden anschließend aufgelöst. Das Fahrzeug machte sich mit den Teilnehmern auf den Weg zum zweiten Versammlungsort an der Heeper Straße.

Vor Versammlungsbeginn an der Heeper Straße stellte die Polizei jedoch an der Ecke Tönsplatz fest, dass Unbekannte Sperrgitter zusammengekettet und polizeieigene Schlösser beschädigt hatten, um einen Aufbau zu verzögern oder zu verhindern. Es wurde Strafanzeige wegen Sachbeschädigung und Nötigung gegen Unbekannt erstattet. Die Feuerwehr löste die Ketten, woraufhin die Sperrmaßnahmen mit den Gittern rechtzeitig vor Versammlungsbeginn gegen 13.45 Uhr erfolgen konnten.

Zwei Männer werfen sich vor den Bulli

Gegen 14.15 Uhr befanden sich bereits rund 300 Personen und später bis zu 600 Personen auf der Heeper Straße, die an einer von der IG Metall angemeldeten Versammlung teilnahmen. Als das Fahrzeug von "Pro Deutschland" gegen 14.30 Uhr an der Heeper Straße eintraf, warfen sich ein 30-jähriger und ein 55-jähriger Mann in Höhe Haus-Nummer 133 vor das Fahrzeug auf die Straße.

Mittlerweile sind 600 Menschen dem Aufruf gefolgt. Hier stehen sie vor dem AJZ an der Heeper Straße. - © FOTO: ANDREAS ZOBE
Mittlerweile sind 600 Menschen dem Aufruf gefolgt. Hier stehen sie vor dem AJZ an der Heeper Straße. | © FOTO: ANDREAS ZOBE

Der 30-Jährige lag mit einem Bein unter dem Fahrzeug und behauptete, er sei angekettet. Dies war jedoch nicht der Fall, der Mann konnte unverletzt unter dem Fahrzeug hervorgezogen werden. Beide Männer, die dem linken Spektrum zuzuordnen sind, wurden vorläufig festgenommen. Es wurde Strafanzeige wegen Nötigung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr erstattet.

Des Weiteren flogen gegen 15.15 Uhr Eier aus Hinterhöfen der Heeper Straße in Richtung der Versammlung von "Pro Deutschland". Es wurde niemand getroffen. Die Werfer konnten unerkannt flüchten.

28 Personalien festgestellt

Insgesamt wurden von der Polizei 28 Personalienfeststellungen mit anschließenden Platzverweisen durchgeführt. "Pro Deutschland" beendete gegen 16.05 Uhr die Versammlung. Ihr Fahrzeug verließ ohne weitere Zwischenfälle gegen 16.15 Uhr den Versammlungsort. Gegen 16.30 Uhr wurden die Sperrmaßnahmen der Polizei aufgehoben.

Die Polizei Bielefeld wurde von Hundertschaftskräften aus Dortmund und Gelsenkirchen unterstützt. Insgesamt waren rund 330 Beamtinnen und Beamte im Einsatz, um einen störungsfreien Verlauf der angemeldeten Versammlungen zu gewährleisten.

Am Vormittag hatten sechs mit einem Bulli angereiste "Pro Deutschland"-Aktivisten in Paderborn demonstriert. Unter dem Motto "Paderborn stellt sich quer" hatten sich hier rund 150 Gegendemonstranten versammelt. In der Nähe des Standorts der "Pro Deutschland"-Kundgebung forderten Vertreter von Parteien (darunter einige Bundestagskandidaten), Gewerkschaften, Bündnissen und Vereinen ausländischer Mitbürger Toleranz und Demokratie.

In Paderborn hatte sich "Pro Deutschland" einen Straßenbereich in einem Viertel ausgesucht, in dem auch viele Menschen mit einem Migrationshintergrund leben. Zudem hat hier der der linken Szene zugehörige Info-Laden seinen Sitz. Wie in Bielefeld blieben die Reden der Rechtsextremen auch in Paderborn ungehört - die Musik der Gegendemonstranten war einfach zu laut.

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