Jörg Heikhaus, der sich als Künstler Alex Diamond nennt, stellt als erster in der neuen Galerie "Herr Beinlich" seine Werke aus. - © FOTO: KRISTIN DETERS
Jörg Heikhaus, der sich als Künstler Alex Diamond nennt, stellt als erster in der neuen Galerie "Herr Beinlich" seine Werke aus. | © FOTO: KRISTIN DETERS

Bielefeld Alex Diamond zeigt seine Phantasiewelten in der Galerie "Herr Beinlich"

Spannende Kombination aus Holzschnitt und Malerei

VON KRISTIN DETERS

Bielefeld. Etwas zu zeigen, das beim Betrachter ein "Seh’ ich so zum ersten Mal" hervorruft, ist für einen Künstler heute nicht leicht. Jörg Heikhaus ist es gelungen, er hat eine ganz eigene Motivwelt und Technik entwickelt, die einlädt, seine Werke eingehend zu betrachten. Als Alex Diamond zeigt er in der neuen Galerie "Herr Beinlich" eine spannende Kombination aus Holzschnitt (der meist nicht als Druckmedium genutzt, sondern selbst zum Kunstwerk wird) und Malerei. Entstanden sind so recht grafische Werke, die Geschichten erzählen.

"Nobody runs from a fight like an old fighter" steht in durchscheinend weißen Lettern auf wolkig-blauem Grund. Darauf finden sich organisch anmutende Formen, die durch das Bild wachsen, oben wurzelig, unten wellig, links und rechts scheinen Flammen zu züngeln. Im Kontrast zu diesen gewundenen Formen stehen die klaren Linien eines Schiffes im Zentrum des Bildes, gesäumt von zwei schwarzen, gesichtslosen Phantasiegestalten mit extrem langen, verschlungenen Gummiarmen. "Im Idealfall reimt man sich daraus eine Geschichte zusammen", sagt Heikhaus. Der Bildtitel kann dabei weiterhelfen, muss er aber nicht.

Die Linien im Bild sind in das Holz geritzt und anschließend teilweise mit deckender Farbe gefüllt. Flächen, die sie einschließen, sind meist mit lasierend aufgetragener Farbe gefüllt und geben so den Blick auf unterliegende Schichten frei. Ganz schön viel Motiv und Technik für ein Bild. Trotzdem funktionieren seine Werke, wirken nicht überladen, was sie vor allem einer gemäßigten Farbgebung, oft mit viel Blau, sowie einem klaren, oftmals sogar symmetrischen Bildaufbau verdanken.

Heikhaus fertigt filigrane Schnitzerei

Der Technik des Holzschnitts gewinnt der Künstler ganz eigene Seiten ab: Keineswegs grob und derb wirken seine Schnitte, Heikhaus fertigt filigrane Schnitzerei. "Das braucht Zeit und ist nicht einfach", sagt er, zwei bis fünf Wochen schnitzt und malt er an einer Platte, "aber Kunst schaffen ist ja auch keine Arbeit, wo man denkt, ein Glück, ich bin fertig".

Neben den schwarzen Gestalten tauchen auch Wellen und Autos immer wieder auf. Die Wellen entstanden unverkennbar aus seiner Beschäftigung mit japanischen Holzschnitten, als Hamburger fühlt sich Heikhaus dem Wasser aber auch quasi von Natur aus verbunden. Die Autos sind Ami-Schlitten-Ikonen, mit denen sich etwas sagen lässt – wenn sich ein Ford Thunderbird durch die Wellen kämpft hat das eben eine andere Wirkung als bei einem Ford Ka.

Auch wenn die Wagen mit ihrem Retro-Pop-Charme durchaus in den Verdacht geraten können, einfach nur dem pseudohippen Kunstbetrachter gefallen zu wollen, die Erläuterungen von Heikhaus lassen sie authentisch wirken. "Miles" heißt seine Reihe mit Amischlitten auf dem Meer, der Künstler zieht Bezüge zu sich selbst. "Ich hab eben auch schon eine gute Strecke zurückgelegt", sagt der Fünfundvierzigjährige. Zwar bewegt, aber nicht allzu beschwerlich scheint diese gewesen zu sein, wenn man ihn aus seinem Leben erzählen hört. "Ich bin ein extrem neugieriger Mensch, deshalb habe ich auch nichts gelernt, ich konnte mich für so vieles schnell begeistern". Fotografie, Design, Journalismus, er hat vieles erfolgreich probiert, mehr und mehr zog es ihn aber zur Kunst.

2003 eröffnete er in Hamburg seine Galerie "heliumcowboy", auch die lief gut, allerdings fühlte sich Kunst selber schaffen für Heikhaus besser an. Das Pseudonym "Alex Diamond" sollte zunächst nicht mit seiner wahren Identität in Verbindung gebracht werden, er hatte unter diesem Namen Erfolg und Ausstellungen in Miami, New York, Barcelona und Hamburg. Galerist Bero Beinlich jedenfalls wusste, an welche Tür er klopfen musste, mit Diamond als ersten ausstellenden Künstler in seiner Galerie hat er einen Auftakt gefunden, der Lust auf mehr macht.

  • Die Ausstellung "the daily mood of Alex Diamond" in der Galerie "Herr Beinlich", Brandenburger Straße 10, ist bis zum 29. August jeden Donnerstag von 17-20 Uhr (oder nach Absprache) zu sehen.

     

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