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Bielefeld Kaffeefahrt mit Feuer und Wasser

Begeisterte Fahrgäste bei Sonderfahrten der restaurierten Dampflok 01 150

VON JOACHIM UTHMANN
12.08.2013 | Stand 11.08.2013, 20:47 Uhr
Manfred Welzel steuert die 01 150 vorsichtig aufs kurze Gleis. Mehr als 200 Eisenbahnfans vor dem Ringlokschuppen schauen begeistert zu, als der schwarze 173-Tonnen-Koloss mit den roten Rädern für die zweite Sonderfahrt gedreht wird. - © FOTOS: ANDREAS FRÜCHT
Manfred Welzel steuert die 01 150 vorsichtig aufs kurze Gleis. Mehr als 200 Eisenbahnfans vor dem Ringlokschuppen schauen begeistert zu, als der schwarze 173-Tonnen-Koloss mit den roten Rädern für die zweite Sonderfahrt gedreht wird. | © FOTOS: ANDREAS FRÜCHT

Bielefeld. "Das ist eine fahrende Bombe", sagt Heizer Jochen Pook im Führerhaus der alten 01 150. Hinter der Feuerluke lodert es 800 Grad heiß. Im schwarzen Kessel heizt der Dampf auf über 250 Grad. Doch Lokführer Manfred Welzel zieht ganz ruhig am Gashebel. Die restaurierte Dampflok schiebt sich sanft Richtung Drehscheibe am Ringlokschuppen an der Stadtheider Straße. Erst gedreht kann die Lok zur zweiten Sonderfahrt mit 400 Eisenbahnfans starten.

Für die, die mitfahren oder nur einen Blick auf das schwarze Dampfross werfen wollen, ist es eine Geduldsprobe. Felix (5) wartet schon seit einer Stunde aufgeregt mit seinen Großeltern am Gleis 6 des Hauptbahnhofs auf die große Fahrt. Denn der Sonderzug hat 70 Minuten Verspätung, was Olaf Teubert, der mit seinem Engagement maßgeblich zur Restaurierung der Lok beitrug, ärgert: "Das Zeitpolster war einfach zu kurz."

Zwei Minuten pro Halt in Bielefeld, Gütersloh, Neubeckum, Hamm, Soest, Lippstadt, Geseke, Paderborn und Hövelhof hatte das Fahrplanbüro gewährt – doch auf den Bahnsteigen drängen sich die Besucher und Fahrgäste, die zusteigen und gucken wollen. "Mich als Eisenbahner ärgerts, wenn der Zug zu spät kommt", sagt Teubert. Doch die meisten Schwellenfans tragen es mit Fassung, wie Melanie Kleine (37), die schon als Kind von ihren Eltern mit zu Dampfmaschinentreffen geschleppt wurde und deren Faszination an der Technik "geerbt hat".

Als endlich die Durchsage den Sonderzug ankündigt und das grelle Pfeifen zu hören ist, richten sich Augen und viele Kameras auf die historische Lok, die nach einem Brand für rund eine Million Euro wieder restauriert wurde. Die Hälfte hat Teubert an Spenden gesammelt. Und er ist sichtlich stolz, dass die alte Lok nach 25 Jahren erstmals wieder in Bielefeld einfährt.

Nach dem Ausstieg der ersten Tour rollt der Zug Richtung Ringlokschuppen. "Erscht drehen", ruft Lokführer Manfred Welzel im Heilbronner Dialekt Heizer Matthias Polz zu, die die 01 150 für die zweite Fahrt übernehmen. Polz kann beruhigt sein. "Dampf wie bescheuert", sagt sein Kollege Matthias Behler bei der Übergabe: "Die Maschine läuft wie geschmiert. Nur hinter Hamm geht es 15 Kilometer etwas bergauf. Sonst ist es wie eine Kaffeefahrt."

Denn wenns bergauf geht, muss der Heizer schüppen. Zehn Tonnen Kohle lagern im Tender – auf 100 Kilometer muss gut eine Tonne davon in den Feuerschlund. Schweißtreibend. Daneben muss der Heizer ein scharfes Auge auf die Signale haben. "Wasser muss immer zu sehen sein", sagt Pook, ein alter Eisenbahnerfreund von Teubert, beim Blick auf die dünne Säule vor dem großen Dampfkessel. Denn wenn der Druck nicht stimmt, wirds brenzlig.

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