0

Bielefeld Stoff für nette Menschen

Nicole Sievert fertigt aus recyceltem Material ungewöhnliche Geschenkartikel

VON HEIDI HAGEN-PEKDEMIR
04.07.2013 | Stand 04.07.2013, 17:29 Uhr
Nicole Sievert bedruckt ihre handgefertigten Arbeiten mit freundlichen Slogans. Links ein Ständer mit Postkarten, die sie mit Stoff beklebt hat. Ihr komplettes Sortiment vermarktet sie auf Messen, wie in Frankfurt, auf Märkten und online. - © FOTO: SARAH JONEK
Nicole Sievert bedruckt ihre handgefertigten Arbeiten mit freundlichen Slogans. Links ein Ständer mit Postkarten, die sie mit Stoff beklebt hat. Ihr komplettes Sortiment vermarktet sie auf Messen, wie in Frankfurt, auf Märkten und online. | © FOTO: SARAH JONEK

Bielefeld. Künstlerin wollte Nicole Sievert ursprünglich werden. Dass sie heute Geschenkartikel in Handarbeit fertigt und erfolgreich verkauft, hatte sie nicht geplant. Ein verbranntes Körnerkissen brachte ihrem Leben die Wende.

"Muttisglück" ist auf das karierte pastellfarbene Kissen gedruckt. "Heldin des Alltags" steht auf dem Geschirrtuch. Und ein Topflappen trägt den Rat "Tu alles mit Liebe". All diese Gegenstände vermitteln die Philosophie der Kunsthandwerkerin Sievert: Ihre liebevoll gestalteten Unikate sollen die Empfänger positiv stimmen.

Zum vierten Mal ist sie dieser tage nach Bielefeld zurückgekehrt. Nach dem Abschluss des Westfalen-Kollegs fühlte sich die heute 42-Jährige von Großstädten angezogen. In Hamburg und Berlin hat sie studiert und gelebt. Und zwischendurch immer wieder in Bielefeld. Kürzlich ist sie wieder zurückgekommen. Dieses Mal dauerhaft, versichert Sievert. An ihrer früheren Adresse im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg fühlte sie sich zuletzt nicht mehr wohl. Der geliebte Kiez von früher wich modernen und teuren Wohnanlagen. "Zuletzt habe ich meine Bielefelder Freunde öfter gesehen als die Berliner."

Allein der Name "Nikkes.Berlin"erinnert noch an die Hauptstadt. Ihr neues Atelier hat Sievert im Haus Stapenhorststraße 90 bezogen. Dort hat sie in Regalen Stoffe geschichtet, aus denen sie Geschenke zum Glücklichmachen fertigt. Das Material: alte Kittel und Schlafanzüge aus den 60er Jahren, Schürzen, wie Oma sie einst trug, Bettwäsche mit Blümchenmuster – alles, was auf rührende Art altmodisch anmutet. Von Flohmärkten und Second-Hand-Läden stammt ein Großteil dieses Materials.

Sievert schneidet daraus Hüllen für Kissen und Kladden zu, stichelt die Stofflappen aneinander, näht Knöpfe an und bedruckt sie mit unterschiedlichen Liebes- und Freundschaftsbeteuerungen. "Die Slogans fliegen mir einfach so zu."

An der Wand über ihrem zwei mal vier Meter großen Arbeitstisch hängt Kitsch vom Allerfeinsten, Kunstdrucke in vergoldeten Rahmen. Berggipfel im rosa Schein der untergehenden Sonne – ein ebenso verbreitetes Motiv wie der See, über den leichter Nebel wabert. Sievert nimmt diesem Schwulst die Schwere, indem sie Cowboys zu Pferd oder zu Fuß und mit gezückter Pistole in die Motive einfügt. Bilder-Upcycling nennt sie die Wiederverwertung. Nach diesem Prinzip arbeiten auch Künstler anderer Labels, die sie in ihrem Atelier vermarktet.

Information
Neues aus dem Westen

Bliebe noch das Erlebnis mit dem Körnerkissen zu erzählen, das Sievert auf ihre Geschäftsidee brachte. Gut zehn Jahre ist es her, als sie sich in der Wohnung von Freunden mit einem Körnerkissen die Füße wärmen wollte. Doch das Teil verbrannte aus bis heute ungeklärter Ursache in der Mikrowelle. Sievert, damals noch als Wandmalerin tätig, wollte Ersatz beschaffen, suchte nach einem gediegenen Stöffchen und nähte daraus eine Kissenhülle. Hunderte hat sie davon bis heute gefertigt, mit Getreide gefüllt und verkauft.

  

   Etro statt Retro

Mit "Puddingtown" gehörte Friederike von Müller vor zehn Jahren zu den Trendsettern. Die Modedesignerin schneiderte damals Kleidung ausschließlich aus Stoffen der 50er, 60er und 70er Jahre. Das Erkennungsmerkmal des Labels: die Prilblume. Dieses Muster schmückt auch den legendären Regenmantel von "Puddingtown". Mittlerweile hat sich von Müller weiterentwickelt. Kreationen aus alten Stoffen gehören nach wie vor zu ihrem Programm. ("Sie sind die künstlerischen Projekte meiner Kollektion.") Doch "Puddingtown" bietet zunehmend Teile aus modern gemusterten Stoffen an, wie die des italienischen Labels Etro. (ha)

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group