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Bielefeld Kreativ fürs Freibad

Aktionstheater und Spontan-Protest in Mitte und Gadderbaum

VON LINUS BUSCH
18.02.2013 | Stand 17.02.2013, 20:27 Uhr
Hannelore Pfaff, Christina Osei, Angelika Warstat, Vera Höxter, Birgit Böcker und Christof Burghardt (v. l.) wehren sich gegen die drohende Schließung. - © FOTO: LINUS BUSCH
Hannelore Pfaff, Christina Osei, Angelika Warstat, Vera Höxter, Birgit Böcker und Christof Burghardt (v. l.) wehren sich gegen die drohende Schließung. | © FOTO: LINUS BUSCH

Bielefeld. Trotz Regen und Kälte verwandelte sich der Jahnplatz am Samstagmittag in eine Badelandschaft. Menschen mit Schwimmflügeln und Blumenketten mischten sich zu Sommermusik unter die Menge, sammelten Unterschriften und setzten sich damit für das von der Schließung bedrohte Freibad Gadderbaum ein. Dort, im Stadtbezirk, gibt es derweil neue, kreative Protestformen. Der ehemalige Fördervereinsvorsitzende Harald Hampel inszeniert sich im Protest an wechselnden Orten.

Gadderbaum ist das Eine, die gesamte Stadt das Andere: "Jetzt gehen wir aus Gadderbaum heraus, um über den Stadtteil hinaus Öffentlichkeit herzustellen", sagt Vera Höxter vom Freibad-Förderverein. 7.000 Unterschriften hat der Verein schon gesammelt, auf dem Jahnplatz kommen 1.300 neue hinzu. "Wir hoffen darauf, der Politik klarzumachen, dass viele Menschen in ganz Bielefeld sich den Erhalt wünschen", sagt Höxter.

An einem bunt geschmückten Stand informieren sich die Passanten, ein dreidimensionales Modell des Freibades zeigt auch allen Nicht-Gadderbaumern im Kleinen, worum es geht. Wer mehr als nur unterschreiben möchte, kann sich auf dem Sockel eines "ICH-Denkmals" ablichten lassen. "Auf diesem Denkmal haben wir unter anderem schon Kindergartenkinder und Schüler aus Gadderbaum fotografiert", sagt Höxter. "Die Fotos werden in Gadderbaumer Geschäften ausgestellt."

Stelzenläufer Andreas Bentrup und seine Truppe vom Augenblick-Theater Herford runden das Sommerfeeling ab. In bunten Badesachen spielen sie mit einem großen Wasserball und springen mit Transparenten durch die Menge von Passanten. "Wir sind selbst alle Hobbyschwimmer und engagieren uns deshalb gerne für dieses schöne Freibad", sagt Bentrup.

Auch Matthi Bolte, Landtagsabgeordneter der Grünen, ist unter den Protestierenden. Er freut sich über den "unglaublich tollen Einsatz" des Fördervereins. "Mir geht es darum, dass das Bad nicht sofort abgerissen wird, sondern dass erst einmal Transparenz hergestellt wird", so Bolte. "Es muss Zeit bleiben, um Alternativen prüfen zu können."

Mit der Resonanz sind die Gadderbaumer zufrieden. Und obwohl der Regen im Laufe der Zeit immer stärker wird und die Kugelschreiber aufgrund der Kälte streiken, sammeln die durchnässten Klemmbrett-Träger weiter Unterschriften. Ihren Optimismus verdeutlicht nicht zuletzt der Posaunenchor Bethel, der seinen abschließenden Auftritt mit Beethovens "Ode an die Freude" beginnt. Vera Höxter: "Wir sind bunt, optimistisch, aber nicht unpolitisch."

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