Bielefeld. Der Bielefelder Osten soll schöner und lebendiger werden – mit einem "Grünen Band". An sieben Stellen plant die Stadt für gut zwei Millionen Euro Freizeit-, Erholungs- und Spielattraktionen mit Titeln wie "Aufruhr im Gemüsebeet". Doch das Projekt sorgt derzeit für Aufruhr bei Kleingärtnern und im Rathaus. Korrekturen verzögerten die Umsetzung. Und Erweiterungspläne des Autozulieferers Benteler führten zu einem ersten Planungsstopp.
Der betrifft den "StadtSpielGarten", mit dem das Grün-Projekt von der Innenstadt aus zwischen Fracht- und Wilhelm-Bertelsmann-Straße beginnen soll. Doch auf das hierfür vorgesehene Areal mit Sportfläche und dem Gebäude der früheren Drogen-Anlaufstelle, das abgerissen werden soll, hat auch das benachbarte Industrieunternehmen ein Auge geworfen.
Die Geschäfte der mehr als 130 Jahre alten Firma Benteler, die in Bielefeld gegründet wurde und mittlerweile ihren Hauptsitz in Salzburg hat, laufen offenbar gut, ist zu hören. Deshalb meldete der Maschinenbauer, der mit rund 440 Beschäftigten Anlagen, Werkzeuge und optische Messsysteme in Bielefeld baut, sich bei der Stadt, als die "Grüne-Band"-Pläne konkreter wurden. Angedacht ist, das 30.000 Quadratmeter große Gelände um Fertigungskapazitäten zu erweitern. Dafür benötigt der auf engem Raum agierende Betriebsstandort zusätzliche Fläche. Konkrete Pläne gebe es aber noch nicht, so Benteler-Sprecherin Gudrun Girnus gestern.
Als die Interessenbekundung im Rathaus einging, stoppte die Verwaltungsspitze im Frühjahr die "Grüne-Band"-Pläne für diesen Abschnitt. Der ausführende Umweltbetrieb musste ihn aus der Ausschreibung streichen. Die Ämter von Baudezernent Gregor Moss (CDU), der auch Geschäftführer der Wirtschaftsförderer in der WEGE ist, prüfen derzeit die kollidierenden Pläne. Am "Grünen Band" möchte Umweltdezernentin Anja Ritschel (Grüne) weiter festhalten. Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Franz (SPD) signalisiert aber, dass man einem Industriebetrieb im Zweifel entgegenkommen müsse.
Verunsichert sind aber auch die Kleingärtner der Bahn-Landwirtschaft, durch deren Anlage zwischen Stadtholz und Wilhelm-Bertelsmann-Straße der Haupt-Band-Weg führen soll. Schon im Winter rodete der Umweltbetrieb Flächen und legte ein Muster mit Zaun, Pflaster und Beton-Sitzbank an. "Doch seitdem passiert nichts mehr", beklagen Constantin Konnerth, Erwin Schmidt, Christian Holdack und Heinz-Joachim Nickel. Nur das Grün wuchere wieder die freigelegten Flächen zu.
"Bei uns stockt alles", ärgert sich Holdack, der ein Stück Fläche abgeben muss: "Solange die Stadt nicht baut, kann ich in meinem Garten nichts machen." So ergeht es mehr als einem Dutzend der 82 Kleingärtner. Sein jährliches Fest hat der Verein schon ausfallen lassen. Bei Anrufen habe die Stadt ihn nur vertröstet, sagt Konnerth.
Projektleiter Thomas Berger vom Umweltbetrieb räumt ein, dass die Pläne fürs "Grüne Band" wegen "eines erhöhten Abstimmungsbedarfs" verzögert seien. Die Vergabe sollte schon im Juni erfolgen, jetzt sei sie am 25. September geplant. Anfang Oktober könne es dann losgehen, zunächst am Stadtholz. Berger betont aber auch, dass es schon vorher Gespräche mit Anliegern gegeben habe und er vor Baubeginn zu einer InfoVeranstaltung einladen werde.
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