BIELEFELD Hitler-Samples im Gangsta-Rap

Razzia: Nazi-Rapper hat in der Szene einen Namen

Bielefeld (jr/raho). Die Nachricht von einer Staatsschutz-Razzia unter anderem bei einem Bielefelder Nazi-Rapper namens "King Bock" sowie seinem Gütersloher Geistesgenossen "Makss Damage" (alias Julian Fritsch) Ende voriger Woche kam für viele überraschend (NW von gestern). Soll doch die rechtsextreme Szene zumindest in Bielefeld nahezu bedeutungslos sein.

Nazi-Rap ist Mitte der 2000er Jahre modernes Mittel der neuen Rechtsextremen geworden: Felix Hansen vom antifaschistischen Pressearchiv in Berlin: "Die Szene übernimmt Lifestyle-Elemente von linken Jugendkulturen. Rap ist ein Teil dieser Modernisierung."

Der Bielefelder King Bock ist einer der bekanntesten Rechts-Rapper. Mit seinem aggressiven Sprechgesang unterscheidet er sich kaum vom handelsüblichen Gangsta-Rap. Nur greift er immer wieder Themen auf, die eindeutig extrem rechts besetzt sind. Dabei geht der Bielefelder nicht zimperlich vor: Extremer Patriotismus, Verehrung der Wehrmacht und Stimmen-Samples von Adolf Hitler sind eindeutige Hinweise auf seine Gesinnung, auch wenn er oft betont hat, kein Nazi zu sein.

Bereits sein im Februar 2009 erschienenes Album kam auf den Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Kurz darauf wurde er wegen Volksverhetzung für ein halbes Jahr auf Bewährung verurteilt.

Bei der jüngsten Wohnungsdurchsuchung geht es wieder um Volksverhetzung. Laut Staatsanwaltssprecher Christoph Mackel stünde diesmal konkret ein frei im Internet abrufbares Video im Mittelpunkt ("Die Faust geht zum Kopf"), das King Bock zusammen mit dem fremdenfeindlichen, antisemitischen Rapper Julian Fritsch produziert haben soll. Wer daran welchen Anteil hatte, soll jetzt die Auswertung des Materials ergeben, so Mackel.

Während die Homepage von King Bock vorübergehend nicht erreichbar ist, verhöhnt sein Gütersloher Kollege trotz Sicherstellung von Computern, Daten und Aufnahmetechnik die Ermittler des Bielefelder Staatsschutzes: Unter dem Schlagwort "Hausdurchsuchungs-EP" ("EP" steht für ein Mini-Album) stellte er gestern fünf bereits fertiggestellte Titel – rassistischen, fremdenfeindlichen und abstoßend pornografischen Inhalts – zum Download bereit. Die Ermittlungen dauern an.

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group