0

BIELEFELD Kleiner Stein und große Kreise

Gestern Abend: Christina Rau sprach über die Kindernothilfe

VON THOMAS GÜNTTER
21.06.2012
Christina Rau in der Zionskirche. Rechts davon die beiden Organisatorinnen, Schwester Anke Frickmann aus Sarepta, und Pastorin Melanie Drucks aus dem Haus der Stille. - © FOTO: SARAH JONEK
Christina Rau in der Zionskirche. Rechts davon die beiden Organisatorinnen, Schwester Anke Frickmann aus Sarepta, und Pastorin Melanie Drucks aus dem Haus der Stille. | © FOTO: SARAH JONEK

Bielefeld. Es war ein großes Thema: "Diakonie und Weltverantwortung am Beispiel der Kindernothilfe." Christina Rau, Witwe des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau: "Da wirft man einen kleinen Stein ins Wasser und sieht, wie er große Kreise zieht." Rund 80 Zuhörer waren gestern zum Salonabend in die Zionskirche in Bethel gekommen.

Christina Rau ist seit 1999 Mitglied im Stiftungsrat der Kindernothilfe und engagiert sich seit vielen Jahren weltweit in zahlreichen Hilfsprojekten für Kinder in Not. Der Vorsitzende des Stiftungsrates ist der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm. Seit 2006 ist die geborene Bielefelderin auch Mitglied im Verwaltungsrat der von Bodelschwingschen Stiftungen Bethel.

Information

Die Witwe von Johannes Rau


Die gebürtige Bielefelderin Christina Rau (55) ist die Witwe des ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau (1931 bis 2006).

Ihr Vater war der Bielefelder Textil-Fabrikant Eduard Delius, ihre Mutter Christa Delius war die Tochter des früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann und dessen Frau Hilda.

Christina Raustudierte Politikwissenschaft, Volkswirtschaft und Geschichte in London und Wales.

1982 heiratete sie Johannes Rau. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Anna Christina, Philip und Laura.

Gegründet wurde die Kindernothilfe 1959 in Duisburg mit dem Ziel, notleidenden Kindern in Indien zu helfen. Christina Rau: "Nach dem Krieg bekamen die Deutschen Care-Pakete aus Amerika und lernten, was Hilfe ist. Die Menschen aus Duisburg wollten etwas zurückgeben." Die Anfänge waren bescheiden. Eine Familie unterstützte am Anfang ein Kind in Indien. Mit 30 D-Mark im Monat. Damals viel Geld.

1999 wurde die Kindernothilfe-Stiftung ins Leben gerufen. Heute werden rund 780.000 Kinder in 30 Ländern gefördert. Die Kinder sollen ernährt werden, Zugang zu sauberem Trinkwasser erhalten, medizinisch versorgt werden und eine ordentliche Schulbildung bekommen. "Bildung ist der Schlüssel zu allem", sagt Christina Rau.

Das erste Patenkind aus Indien hatte ihr Mann. Heute hat sie sechs Patenkinder aus unterschiedlichen Ländern.

Die Kindernothilfe unterstützt und leitet zahlreiche soziale Projekte in Europa, Asien, Afrika, Lateinamerika und der Karibik. So engagierte sich die Organisation gegen Kinderarbeit in Indonesien und Genital-Verstümmelungen in Afrika, kümmert sich in Russland um die Kinder in staatlichen Kinderheimen und fördert nach dem schweren Erdbeben in Haiti mit Wiederaufbau und verschiedenen Entwicklungsprojekten Kinder und ihre Familien.

Mitte Mai diesen Jahres war sie mit ihren eigenen drei erwachsenen Kindern in St. Petersburg und besichtigte dort das Projekt "Perspektivy". Vor zehn Jahren war sie – damals ohne ihre Kinder – zum ersten Mal dort. Damals vegetierten rund 600 behinderte russische Kinder im Alter von 4 bis 18 Jahren vor sich hin. Niemand kümmerte sich um sie. Die Kindernothilfe engagierte sich. Christina Rau: "Die Veränderungen sind spürbar." In dem Heim leben noch 220 Kinder und und die Pflegekräfte kümmern sich um sie. Christina Rau: "So etwas ist beeindruckend und macht Mut."