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Bielefeld 30 muslimische Gräber geschändet

Polizei schließt Meinungsverschiedenheiten unter Glaubensbrüdern nicht aus

VON THOMAS KOPSIEKER
28.08.2011 | Stand 28.08.2011, 17:58 Uhr

Senne. Bislang unbekannte Täter haben auf dem muslimischen Teil des Sennefriedhofs zahlreiche Gräber beschädigt. Die Polizei schließt einen religiös-politischen Hintergrund nicht aus. Deshalb hat die Abteilung Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.

Entdeckt wurden die Grabschändungen am Donnerstagnachmittag gegen 14.30 Uhr von einem Friedhofsbesucher. Die Täter hatten von etwa 30 Gräbern Grabschmuck wie Engelsfiguren, Steinherzen oder Tonskulpturen abgeräumt und an zwei Stellen auf einen Haufen geworfen. Dabei wurden einige der Gegenstände beschädigt.

Typisch islamische Symbole blieben unberührt

Andere, typisch islamische Symbole wie Minarettsäulen rechts und links der Grabsteine sowie die Grabstätten selbst blieben unberührt. "Das könnte auf Meinungsverschiedenheiten unter Muslimen hindeuten", teilt Polizeisprecherin Sonja Rehmert mit. Es sei bekannt, dass Engelsfiguren und andere figürliche Darstellungen auf Gräbern unter äußerst strenggläubigen Muslimen eher auf Widerspruch stießen. "So ist nicht auszuschließen, dass es sich im vorliegenden Fall um eine Art ,Grabsäuberung handelt", so die Hauptkommissarin.

In der Tat entspreche es nicht der islamischen Kultur, Gräber mit Figuren zu schmücken, erläutert der Sprecher des "Diyanet Türkisch-Islamischen Kulturvereins", Mehmet Sabanci. Nach strenger Auslegung gehöre lediglich ein Stein auf das Grab, auf dem Name und Lebensdaten des Verstorbenen sowie eine Koransure stehen.

"Ich verurteile diese Tat auf das Schärfste"

Aber viele hier lebende türkische Familien hätten sich mittlerweile hiesigen Gepflogenheiten angepasst und schmückten die Gräber ihrer Verstorbenen liebevoll. Sabanci: "Das muss doch jeder selbst wissen, ich verurteile diese gemeine Tat jedenfalls auf das Schärfste". Die Polizei bittet um Hinweise auf die Täter unter Tel. (05 21) 54 50.

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