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BIELEFELD Graue Schönheit

BIELEFELDS SCHÖNSTE BAUWERKE (14): Das "Schieferhaus"

VON ALEXANDRA BUCK
23.08.2011 | Stand 21.09.2011, 10:37 Uhr
Möller-Archivar Dieter Besserer weiß alles über die Geschichte des Schieferhauses. Zum Beispiel, dass dessen betuchte Bewohner hier nicht eben im Luxus gelebt haben. - © FOTOS: ANDREAS FRÜCHT
Möller-Archivar Dieter Besserer weiß alles über die Geschichte des Schieferhauses. Zum Beispiel, dass dessen betuchte Bewohner hier nicht eben im Luxus gelebt haben. | © FOTOS: ANDREAS FRÜCHT

Bielefeld. Das Schieferhaus der Familie Möller im Kupferhammer-Park ist ein kleiner Palast – wie das angemessen war für eine Industriellenfamilie des 18. und 19. Jahrhunderts. Mansarddach, feiner Schiefermantel und Park drumherum. Wenn Gestank und Lärm nicht gewesen wären, hätte es sich dort sicher hübsch wohnen lassen.

Familie Möller ertrug die rustikalen Düfte, die von der angrenzenden Gerberei herüberwehten. Ebenso ließ man sich vom weithin dröhnenden Klopfen des Kupferhammers nicht vertreiben. 1772/73 hatte Abraham Nottebohm, Schwiegersohn von Firmengründer Johann Theodor Möller, das Schieferhaus erbaut und leitete von hier seine weitläufigen Handelsgeschäfte und den Kupferhammerbetrieb in Gemeinschaft mit seiner Schwiegermutter Eleonore Möller.

1861 verarbeiteten hier 14 Beschäftigte 150 Tonnen Kupfer im Wert von 120.000 preußischen Talern (entspricht einem heutigen Wert von ca. 1,6 Mio. Euro). Ab den 1860er Jahren wurde der Kupferhammer modernisiert und erweitert.

Mit dem Schieferhaus brachte Johann Theodor Möller die Baukultur des Bergischen Landes, wo die Familie ihre Wurzeln hat, nach Brackwede.

Der Bau ist zweigeschossig – ein langgestrecktes Traufenhaus von neun Achsen. Die Fachwerkfassaden sind mit Schiefer in Zierform verkleidet. Ein kleiner Glockenturm ziert das Dach. Das geschmackvolle Äußere setzt sich innen fort: Alte Holzdielen, große Zimmer mit Blick in den ausladenden Kupferhammer-Park auf der einen Seite – und die Arbeiter auf der anderen.

"Ein luxuriöses Leben ist das hier sicher nicht gewesen", erklärt Möller-Archivar Dieter Besserer. Der an der Ems-Lutter liegende Kupferhammer, den Johann Theodor Möller 1762 erwarb, ist der Überlieferung nach bis in die Stadt zu hören gewesen. Er gilt als Keimzelle der Industrialisierung in Brackwede, Keimzelle der heutigen Möller-Group. "Auch die Gerüche der gegerbten Tierhaut sind sicher keine Wohltat gewesen", sagt Besserer. "Aber für die Industriellenfamilien dieser Zeit gehörten Lärm und Gestank dazu." Da der Hammer nun nicht mehr klopft und die Gerberei 2005 geschlossen wurde, hat sich die Situation entspannt. Tatsächlich ist das Gebäude bis heute von Mitgliedern der Familie Möller bewohnt.
Das Schieferhaus ist Teil einer Anlage, zu der etwa der 1818 angelegte Familienfriedhof gehört, auf dem bis heute Familienmitglieder bestattet werden. Prunkstück aber ist der fortlaufend erweiterte Kupferhammer-Park, in dem sich der aus dem 16. Jahrhundert stammende Große Teich befindet, der als Wasserspeicher für den Kupferhammer diente. Den Park hat die Familie eigens anlegen lassen – wo vorher nur Heidekraut über den Hügeln lag: Mit weitläufigen Rasenflächen, Pflanzungen von teils höchst seltenen Baumarten, Büschen aus Flieder, Goldregen, Rotdorn und Jasmin. Eine Pracht, die allerdings nur selten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Etwa beim Tag des offenen Denkmals.

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