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BIELEFELD "Die Nachbarstädte schlafen nicht"

INTERVIEW: Immobilienkaufmann Hans Mensendiek

20.12.2010 | Stand 19.12.2010, 21:21 Uhr
Hans Mensendiek mahnt eine Weiterentwicklung der Einkaufs-City, besonders im Bereich Bahnhofstraße/Stresemannstraße, an. - © FOTOS: ANDREAS ZOBE
Hans Mensendiek mahnt eine Weiterentwicklung der Einkaufs-City, besonders im Bereich Bahnhofstraße/Stresemannstraße, an. | © FOTOS: ANDREAS ZOBE

Bielefeld. Zu viele Coffeeshops, zu viele Mobilfunkanbieter: In der Innenstadt geht die Vielfalt verloren, kritisiert Hans Mensendiek. Der Immobilienkaufmann hat jüngst das MoBiel-Haus am Niederwall modernisiert. Wie Bielefeld auch für Kunden aus dem Umland wieder attraktiver werden könnte, erläutert Mensendiek im Gespräch mit NW-Redakteurin Heidi Hagen-Pekdemir.

Herr Mensendiek, was ist los? Ihnen gehört, überspitzt formuliert, fast der halbe Jahnplatz; außerdem nennen Sie eine Reihe gar nicht so kleiner Immobilien in der Stadt Ihr Eigentum. Und trotzdem sind sie unzufrieden.
HANS MENSENDIEK: Ich mache mir so meine Gedanken. Es gibt hier viele Einzelkämpfer, aber das Gesamtbild passt nicht. Diejenigen, die noch in der Stadt etwas bewegen könnten, sollten mal Geld in die Hand nehmen.

Beispiel?
MENSENDIEK: Ganz einfach. Von den 99 Gewerbetreibenden in der Bahnhofstraße sind lediglich 15 Mitglied der Werbegemeinschaft. Alle anderen sind nicht bereit, ihren Beitrag dafür zu zahlen.

Mehr Mitglieder – und schon ist alles besser?
MENSENDIEK: Das wäre zumindest ein Zeichen für Geschlossenheit. Bielefeld muss aufpassen, dass es den Anschluss nicht verpasst. Die Nachbarstädte schlafen nicht. Ich denke an Detmold, Gütersloh, Paderborn und auch Herford. Die ziehen reichlich Kundschaft aus dem Umland an.

Wo würden Sie in Bielefeld ansetzen?
MENSENDIEK: Im Bereich Bahnhofstraße/Stresemannstraße müsste etwas passieren, damit Bielefeld als Metropole attraktiv wird.

Was genau bitte?
MENSENDIEK: Da, wo Karstadt jetzt steht, sollte eine Shoppingmall entstehen – mit allen Großanbietern, eben auch Karstadt, die schon in der Stadt präsent sind. Damit könnte sich die Innenstadt als Oberzentrum angemessen darstellen.
Auch der Standort der ehemaligen Dresdner Bank könnte interessant werden, wenn die Commerzbank, und davon ist auszugehen, ihre Mitarbeiter in ihrer eigenen Immobilie am Jahnplatz zusammenführt.

Noch ein Einkaufszentrum mit Marken, die es überall schon zu kaufen gibt?
MENSENDIEK: Es ist doch so, dass Kunden ein bestimmtes Angebot bekannter Marken erwarten, wenn sie sich in eine Stadt begeben. Ich wiederhole: Aus dem Umland mehr Kundschaft zu gewinnen, muss oberste Bedeutung haben.
Dabei sollten diese Einkaufszentren, so wie ich sie mir vorstelle, nicht zu gigantisch sein, eher überschaubar und der Region angemessen.

An inhabergeführte Geschäfte denken Sie wohl gar nicht?
MENSENDIEK: Täuschen Sie sich mal nicht. Auch die kleineren Anbieter sind wichtig für eine Stadt. Branchenmix ist gefragt. Aber wie sieht es denn in Bielefeld aus? In der Altstadt reiht sich Coffeeshop an Coffeeshop, dazwischen sehe ich Schuhgeschäfte und Mobilfunkanbieter. So etwas fördert nicht gerade die individuelle Anmutung – von ein paar Ausnahmen wie Gehrenberg und Neustädter Viertel abgesehen. Bedauerlich: Mit jedem Wechsel in der Alstadt geht das Niveau leicht zurück.

Wer könnte überhaupt was tun, um die Vielfalt zu fördern? Man kann doch die Händler nicht zwingen, sich an bestimmten Plätzen niederzulassen.
MENSENDIEK: Aber ermutigen schon. Der Einzelhandelsverband und die Stadt könnten Anstrengungen unternehmen und die Händler unterstützen. Und es wäre auch gut, wenn die wenigen privaten Immobilienbesitzer sich mal Gedanken machen, an wen sie das Geschäft vermieten. Die leben ja alle gut davon.

Und Sie, was tun Sie für die Vielfalt in der Innenstadt?
MENSENDIEK (lacht): Wenn man mir die richtige Immobilie anbieten würde, wäre ich sehr interessiert daran, gemeinsam mit dem Einzelhandelsverband etwas aufzulegen, das den Branchenmix wieder attraktiv macht.

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