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Familie der Getöteten will Rache an Kindern

Totschlag in Bad Camberg: Sorgerechtsstreit eskaliert

VON JENS REICHENBACH
01.10.2009

Bielefeld/Kastoria. Die Erdrosselung der 34-jährigen Ehefrau in einer Ferienwohnung im hessischen Bad Camberg hat bereits für Entsetzen gesorgt. Wie gestern berichtet hat die Staatsanwaltschaft jetzt Anklage wegen Totschlags gegen den 40-jährigen Ehemann Pannagiotis F. erhoben. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Tat zudem noch einen erbitterten Sorgerechtsstreit um die drei Kinder des Ehepaares ausgelöst hat – zwischen der Opfer- und der Täter-Familie. Mehrere Droh-SMS aus Griechenland sollen beweisen, dass es der Familie der Getöteten um Blutrache und nicht um das Wohl der unschuldigen Kinder geht.

"Das Gesetz ist auf unserer Seite. Die Kinder gehören uns." – "Wie auch mit unserer Schwester, so werden die Kinder mit ihrem eigenen Blut im Austausch für ihre Mutter bezahlen." Was sich wie Zitate aus einem schlechten Horrorfilm lesen, ist eine reale Morddrohung gegen die Kinder F.s. Per Handy versendet von den in Griechenland lebenden Geschwistern der getöteten Ehefrau und Mutter. Adressiert an eine Freundin der Familie F., die sich seit der tödlichen Eskalation des Ehestreits zwischen Pannagiotis F. und seiner Frau in Bielefeld um die drei Kinder (vier und ein Jahr, sowie fünf Monate alt) kümmert.

Anlass dieser Droh-Mitteilungen war ein erster Erfolg der Familie, die aus einem kleinen Ort in der Nähe der westmakedonischen Stadt Kastoria stammt. Laut Rechtsanwalt Rainer Pielsticker soll das Bielefelder Familiengericht den Antragstellern in dem laufenden Sorgerechtsverfahren ein erstes Umgangsrecht mit den drei Kindern zugebilligt haben. Die Argumentation der Familie vor Gericht ("Es geht uns um das Wohl der Kinder") und die Formulierung der Kurzmitteilungen sprechen zwei völlig unterschiedliche Sprachen.

Deshalb hat der Jurist Pielsticker, der nicht nur F. in dem Totschlagsprozess, sondern auch dessen Eltern in der Familiensache in Bielefeld vertritt, alle Handy-Mitteilungen einer gerichtlich anerkannten Übersetzerin vorgelegt. "Die Texte dieser und weiterer Mitteilungen lassen die Motivation um das Sorgerecht der Opfer-Familie in einem ganz anderen Licht erscheinen." Pielsticker will deshalb die SMS-Texte nun dem Bielefelder Familiengericht vorlegen. Zudem hat er mit Hilfe eines Juristen in Griechenland ein Verfahren gegen die Rechtsanwältin der Familie angestrengt. "Sie hält sich hier in Deutschland an keine Vorschriften und vorgeschriebenen Abläufe." So habe sie Prozessakten schon vor der Vernehmung ihrer Mandanten an sich genommen. "Das ist nicht korrekt." Außerdem versuche sie in ihrer Heimat über politische Kontakte Druck auf die Gerichtsentscheidung in Bielefeld auszuüben.

Das Familiengericht in Bielefeld steht in diesem Sorgerechtsverfahren somit vor einer wirklich schweren Entscheidung. Einerseits hat das Jugendamt die älteste Tochter von F. schon einmal aus der Obhut der Großeltern, die seit 40 Jahren in Bielefeld leben, genommen. Die Drohungen der Opfer-Familie lassen aber große Zweifel aufkommen, ob in ihren Händen die drei Kinder besser aufgehoben sind.
    

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