Was unter der Mütze ist

Eine Spurensuche: Die Burschenschaft Normannia-Nibelungen und die Vorwürfe, rückständig und rechtsradikal zu sein

VON ANSGAR MÖNTER
Information

Die Historie

  • 1905: Gründung des Fechtclubs Normannia in Riesa;
  • 1935: Auflösung durch die Nazis;
  • 1946: Gründung der Christlichen Burschenschaft Nibelungen am Polytechnikum Lage/Lippe;
  • 1953: Fusion der Burschenschaft Normannia und der Christlichen Burschenschaft Nibelungen zur "Christlichen Burschenschaft Normannia-Nibelungen";
  • 1959: Verlegung des Sitzes nach Bielefeld an die neugegründete staatliche Ingenieursschule;
  • 1972: Eröffnung des Burschaftshauses an der Beckhausstraße;
  • 1989: Umzug ins neu erworbene Burschenschaftshaus an der Schloßhofstraße.

Im Burschenschaftshaus:
Wir sprechen über Rechtsextremismus. "Wir bekennen uns zu den Zielen der Burschenschaft von 1815: Rede- und Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit und Pflege der deutschen Kultur", sagt Präside Brinkmann. Damals seien diese Werte links gewesen. Extremismus jeder Form findet er "völlig inakzeptabel". Dagegen müsse man sich sofort erwehren. Dann zählt er berühmte Burschenschaftler auf: Heinrich Heine, Ferdinand Lassalle, Gustav Stresemann. Grundlage einer Mitgliedschaft bei Normannia-Nibelungen sei nicht die politische Ausrichtung, sondern die zehn christlichen Gebote.

Das sagt der Experte:
Dass sich eine Burschenschaft auf christliche Werte berufe, sei "nicht üblich", erklärt Dr. Dietrich Heither. "Das habe ich noch nie gehört." Der Historiker hat über deutsche Burschenschaften ein wenig schmeichelhaftes Buch geschrieben. Trotz christlichem Bezug zweifelt er an der christlichen Tugendhaftigkeit der Korporation. Allerdings, so Heither, kenne er die Bielefelder Burschenschaft nicht speziell. Was die Nennung berühmter Burschenschaftler betrifft, ist er ebenfalls skeptisch. "Vielleicht waren die Verbindungen anfangs progressiv. Doch bald zeigten sie antifranzösische und antisemitische Tendenzen. Sie haben Bücher verbrannt. Deshalb ist unter anderem Heine ausgetreten."

Jörg Brinkmann (46) repräsentiert die Burschenschaft nach innen und außen. Hier sitzt er auf dem Chef-Thron im Versammlungsraum der Verbindung. - © ZOBE
Jörg Brinkmann (46) repräsentiert die Burschenschaft nach innen und außen. Hier sitzt er auf dem Chef-Thron im Versammlungsraum der Verbindung. | © ZOBE

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