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Landgraf tritt an, Kleinkes dankt ab

Mitten im Bundestagswahlkampf präsentiert der Bielefelder CDU-Kreisvorsitzende seinen gewünschten Nachfolger

VON ELMAR KRAMER
16.09.2009 | Stand 15.09.2009, 20:52 Uhr
Bernd Landgraf hat Ambitionen als Parteichef.
Bernd Landgraf hat Ambitionen als Parteichef.

Bielefeld. Der gescheiterte Oberbürgermeister-Kandidat soll neuer CDU-Parteichef werden. Bernd Landgraf will Marcus Kleinkes ablösen, der gestern seinen Rückzug erklärte. Das Rumoren in der Partei geht weiter – und das in der heißen Phase des Bundestagswahlkampfs für Lena Strothmann.

Die Niederlage:
In der Analyse der Kommunalwahl, bei der die CDU das OB-Amt verlor und sich mit der Sitzmehrheit im Stadtrat trösten konnte, hatte Kreisvorsitzender Marcus Kleinkes zu seiner Position erklärt: "Da habe ich keine Angst, wir stehen alle ganz nah zusammen." Er selbst verlor den sicher geglaubten Wahlkreis Sennestadt-Nord an die SPD, rückte aber über die Reserveliste in den Rat nach.

Kandidatenkür I:
Viele Wochen stritt die CDU über den besten Kandidaten für die OB-Wahl. Eine Auswahl hatten die Mitglieder nicht: Bürgermeister Detlef Helling, von nicht wenigen favorisiert, hatte nach Querelen frustriert und verärgert aufgegeben. Im starken CDU-Verband Brackwede sprach Vize Claus Spilker 2008 von "Schamlosigkeit des Kreisvorstands", Ehrenvorsitzender Gerd Geller, Autor eines Brandbriefs pro Helling, sagte, das Procedere sei "der CDU unwürdig".

"Neue Schwerpunkte":
Gestern sagte Kleinkes, er habe sich entschlossen, beim Parteitag am 20. November nicht mehr antreten zu wollen. "Es war meine eigene, freiwillige Entscheidung – die mich geschmerzt hat", sagte er der Neuen Westfälischen. "Nachdem ich das Ratsmandat errungen hatte, musste ich über meine Schwerpunkte nachdenken." Seine Familie, sein Anwaltsberuf und die Ratsarbeit ließen sich zeitlich nicht mit dem Parteivorsitz vereinbaren. Er betonte, die schwierige Kür des OB-Kandidaten habe mit dem jetzigen Schritt "überhaupt nichts zu tun".

Die Überraschung:
CDU-Bezirkschef Elmar Brok sprach von einem "frühen Stadium der Entwicklung", begrüßte es aber, dass sich Kleinkes "nach vielen Jahren des Engagements anderen Aufgaben widmen will". Brok: "Das ist im Wesentlichen eine Entscheidung von Herrn Kleinkes." Die Wunden in der CDU scheinen seit dem großen Streit nicht verheilt. Viele führende CDU-Kräfte wussten gestern noch nichts von der Personalie. Selbst in der Vorstandssitzung am Montagabend habe Kleinkes kein Wort darüber verloren, berichten mehrere Teilnehmer. "Das sind ja tolle neue Gerüchte, da ist nichts dran", sagte Vorstandsmitglied Monika Kammeier.

Kandidatenkür II:
Noch-CDU-Chef Kleinkes schlägt Bernd Landgraf vor: "Ich habe jemanden gesucht, dem ich das Amt zutraue – eine tolle Alternative nach tollem Wahlkampf". Landgraf, in der Politik ohne Posten, will kandidieren, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. "Entscheiden werden die Mitglieder", so Landgraf gestern Abend. Die ersten äußerten sich lobend. CDU-Fraktionschef Rainer Lux, der diese Funktion behalten will, lobte die Integrationskraft Landgrafs. "Neuen Schwung für die CDU", erhofft sich ein Parteimitglied aus dem Norden der Stadt, "endlich mehr Basisarbeit" verspricht sich ein CDU-Mann aus Mitte. Der gestoppte OB-Kandidaten-Kandidat Helling war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Das nächste Problem:
Den Zeitpunkt für die Bekanntgabe des Rückzugs hat Kleinkes nach eigenem Bekunden "ganz bewusst gewählt". Lux sieht das positiv: "Das wird zu keiner Revolution in der Partei führen." Mindestens eine heikle Frage hat die CDU vor sich: Kann Bernd Landgraf als leitender städtischer Angestellter unter SPD-Oberbürgermeister Pit Clausen CDU-Chef sein?

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