Bald sollen am Kesselbrink die Abbruchbagger anrollen, das alte Parkhaus samt Ladenzeile kommt weg. Ist der Neubau ein "Bauvorhaben von besonderer Bedeutung" für die Stadt?
© Mike-Dennis Mller / www.mdm.photo

Stadtgestaltung Stadt überrumpelt: Das hässlichste Gebäude des Kesselbrinks wird abgerissen

Das Parkhaus neben dem H1-Hochhaus kommt weg, ein Neubau hin. Ob der Beirat für Stadtgestaltung, Politik und Bürger ein Mitspracherecht haben werden, hängt jetzt von zwei Faktoren ab. Und braucht der Kesselbrink überhaupt noch ein Parkhaus?

Christine Panhorst

2022-08-08 09:26:56

Bielefeld. Dass das Parkhaus neben dem H1-Hochhaus am Kesselbrink bald abgerissen wird, kommt auch für ein wichtiges Expertengremium der Stadt überraschend. Der Beirat für Stadtgestaltung schaut Bauherren und Architekten bei bedeutenden Großprojekten in zentraler Lage auf die Finger und berät die Politik – so war es bisher auch beim H1 samt benachbartem Parkhaus.

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Doch die jüngsten Pläne zu einem Neubau am Kesselbrink seien im Expertenkreis nicht auf den Tisch gekommen, sagt Ursula Pasch vom Büro bhp-Architekten. Und es ist offen, ob das noch passiert. Ein Bauantrag liegt unterdessen laut Stadt im Bauamt bereits vor.

Seit 1986 begleitet der Bielefelder Beirat für Stadtgestaltung stadtprägende Bauprojekte. Architektin Pasch war bis vor Kurzem Beratendes Mitglied des unabhängigen Gremiums von Sachverständigen und ist zugleich Vorsitzende des Verkehrsvereins. Sie betont, ein Bauvorhaben an einer solchen Stelle sei „immer eine Sache, die durch den Beirat muss“.

Bei dessen Beratungen sei bisher immer von einer Sanierung des Parkhauses an der Ecke Friedrich-Ebert-Straße/ Kavalleriestraße ausgegangen worden. „Wir haben bereits 2019 Pläne für eine kaschierend geplante Fassadengestaltung des Parkhauses bekommen. Aber dieses Vorhaben hat sich nun komplett geändert.“

Zum Thema:Erste Bilder von 2019: So imposant war das Kesselbrink-Hochhaus geplant

"Neubau in exponierter Lage"

Die Visualisierung von 2019 zeigt einen frühen Planungsstand des H1-Hochhauses samt Parkhaus am Kesselbrink. Die hier noch braune Fassadengestaltung wurde von Goldbeck mehrfach überarbeitet. Immer hies es jedoch, das Parkhaus werde saniert. © Goldbeck

Ob das neue Vorhaben jedoch überhaupt in den politischen Gremien diskutiert und dem Beirat erneut vorgelegt wird, hänge davon ab, ob es einen rechtskräftigen Bebauungsplan für das Areal gibt, erklärt Frank Strothmann (CDU), Vorsitzender im Stadtentwicklungsausschuss. Gebe es einen solchen Bebauungsplan, kann in der Regel innerhalb der Vorgaben ohne Beteiligung der Politik gebaut werden. „Es geht beim Kesselbrink aber um einen Neubau in exponierter Lage, über den die Politik als sogenanntes ’Bauvorhaben von besonderer Bedeutung’ schon informiert werden sollte“, so Strothmanns Einschätzung.

Im Ausschuss könnten die Goldbeck-Pläne frühestens am 6. September öffentlich werden, in der ersten ordentlichen Sitzung nach der Sommerpause.

Bei der Zusammenarbeit von Beirat, Stadt und Goldbeck hatte es bei den H1-Planungen zuletzt geholpert. Erst Fenster mit blauen Akzenten am H1, dann rotbraunes Blech vor den unteren Hochhaus-Etagen und auffälliges Lochblech als Verkleidung auch für das Parkhaus (siehe Bild) – so hatten es erste Entwürfe vorgesehen. Mehrfach hatte das Bauunternehmen die Fassadengestaltung nach Vorstellungen von Politik und Beirat überarbeitet, doch nicht alle Anregungen fanden Gehör. Bei der schlussendlichen Genehmigung sorgte für Ärger, dass die Stadt kurzerhand Pläne billigte, bei denen Sachverständige und Gremien noch Bedenken geäußert hatten.

Ein Parkhaus-Neubau wäre für Goldbeck ein doppeltes Heimspiel

Wie Ende Juli bekannt wurde, hat Goldbeck jetzt einen Abbruchantrag für das Kesselbrink-Parkhaus bei der Stadt eingereicht und seinen Mietern zum 31. August gekündigt. Ein Grund für das Umschwenken von der Sanierung hin zum Abriss dürfte sein, dass die Polizei – lange als H1-Hauptmieter im Gespräch – Am Stadtholz einen Neubau beziehen wird. Für die Dienstfahrzeuge wird das alte Kesselbrink-Parkhaus nun nicht mehr gebraucht.

Wie jedoch der Kesselbrink-Neubau aussehen und ob wieder ein Parkhaus entstehen soll, dazu will sich Goldbeck trotz mehrfacher Anfrage nicht äußern. Ein neues Parkhaus wäre für das Unternehmen jedenfalls im doppelten Sinne ein Heimspiel: Im Parkhaus-Bau ist Goldbeck Spezialist und bietet drumherum diverse Serviceleistungen, E-Ladeinfrastruktur, Parkraumbewirtschaftung sowie Mobilitätsapps an. Jedes zweite oberirdische Parkhaus in Deutschland ist laut Unternehmensangaben ’made in Ummeln’.

Aber braucht der Kesselbrink weitere Stellplätze? Ein Parkhaus gibt es hier bereits unterirdisch, Eigentümer ist die ProEinzelhandel OWL GmbH des Handelsverband Ostwestfalen-Lippe. 360 Stellplätze stünden hier zur Verfügung, die zum Teil als Dauerparkplätze vermietet seien, sagt Hauptgeschäftsführer Thomas Kunz. „Wir sind mit der Auslastung recht zufrieden.“ Komplett belegt sei das Parkhaus jedoch nur selten, freie Plätze seien in der Regel verfügbar.

Der Bedarf an Parkplätzen, der durch H1-Mieter in Zukunft entstehen könnte, werde mit den vorhandenen Plätzen bei jetziger Belegung jedoch kaum abzudecken sein, glaubt Kunz.

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