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Nur unweit des Media-Marktes in Schildesche sind nur noch Baumstümpfe übrig. - © Sylvia Tetmeyer
Nur unweit des Media-Marktes in Schildesche sind nur noch Baumstümpfe übrig. | © Sylvia Tetmeyer

Bielefeld Unmut über gefällte Bäume

Anwohner sammeln Unterschriften. Umweltamt bestätigt, dass einige Bäume Im Bracksiek auf städtischem Grundstück standen.

Sylvia Tetmeyer
06.02.2022 | Stand 08.02.2022, 15:46 Uhr

Bielefeld. „Die Bäume wurden ohne Notwendigkeit gefällt“, betont Petra Isringhausen. Gemeinsam mit weiteren Anwohnern ist die Schildescherin zur jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung gekommen, um ihrem Ärger Luft zu machen. Wie berichtet, hatte der neue Grundstückseigentümer Im Bracksiek 6 fast alle Bäume und Sträucher fällen lassen. Er plant ein Mehrfamilienhaus an dieser Stelle. Auch die Politiker zeigen sich irritiert. Bereits 2021 hatten sie den Wunsch geäußert, möglichst viele Bäume zu erhalten.

Mahnwache abgehalten

Gemeinsam mit Mitgliedern von BUND und Nabu hatten die Anwohner im Januar eine Mahnwache abgehalten. Ihre Vermutung: Die Bäume seien möglicherweise nur gefällt worden, „um einer künftig wieder in Geltung tretenden Baumschutzssatzung zuvorzukommen.“ Angesichts der Umwelt- und Klimasituation sei dies ein „unverantwortliches Vorgehen.“

Um ihren Protest und ihr Unverständnis deutlich zu machen, haben die Anwohner Unterschriften gesammelt. In einer Anfrage an die Verwaltung wollen Grüne, SPD und Linke wissen, warum das Umweltamt der Fällung zugestimmt hat und wie in Zukunft verhindert werden kann, dass Baumfällungen ohne vorhergehende Beratung ausgeführt werden.

Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage

In einer ausführlichen Antwort nimmt das Umweltamt Stellung. Demzufolge sei für das betreffende Grundstück ein Antrag für ein Wohnbauvorhaben mit Tiefgarage gestellt. Auf dem Grundstück würden sich drei erhaltenswerte Bäume befinden, die inzwischen „deutlich über das Baufenster“ ragen würden. Die übrigen Bäume seien nicht geschützt. Die Unterlagen zum Bauvorbescheid hätten den Eindruck vermittelt, dass die Bäume an der Straße Im Bracksiek weitgehend auf dem privaten Baugrundstück stehen würden.

„Eine zwischenzeitlich erfolgte Vermessung ergab aber, dass die Bäume bis auf den Grenzbaum alle auf dem städtischen Grundstück standen“, räumt Umweltamtsleiterin Tanja Möller ein. Hier habe es jedoch angesichts des bestehenden Baurechts „keine hinreichende Rechtfertigung“ für die Verweigerung einer Fällung gegeben.

„Das städtische Grundstück wurde im Dezember 2021 vom Immobilienservicebetrieb an den Antragsteller zur Sicherstellung der Erschließung verkauft“, heißt es in der Mitteilung an die Bezirksvertreter. Für das Fällen von nicht geschützten Bäumen sei nach derzeitiger Rechtslage keine Zustimmung durch das Umweltamt erforderlich.

Zurzeit werde jedoch eine Baumschutzsatzung erarbeitet: „Das Fällen von Bäumen, die nach ihrer Art und Größe unter diese Satzung fallen, wäre dann ohne Zustimmung der Stadt nicht möglich.“

Die Anwohner machen sich ebenfalls Sorgen über die vom Investor geplante Tiefgarage. Sie befürchten, dass die Straße dann ausgebaut und zu einer Rennstrecke werden könnte: Der Media-Markt befindet sich in direkter Nachbarschaft.

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