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Auf der Suche nach dem Gleichgewicht: Ulla (v. l.) und Tchekpo Dan Agbetou sowie die israelische Choreografin Galit Liss und die Tanzpädagogin und Body-Mind-Centering(BMC)-Dozentin Lambrini Konstantinou. - © Wolfgang Rudolf
Auf der Suche nach dem Gleichgewicht: Ulla (v. l.) und Tchekpo Dan Agbetou sowie die israelische Choreografin Galit Liss und die Tanzpädagogin und Body-Mind-Centering(BMC)-Dozentin Lambrini Konstantinou. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Erfolg für DansArt: Besonderes Tanzprojekt bekommt Bundesförderung

Das Ehepaar Agbetou bietet mit „Balance 2021“ Workshops, Performances und eine Filmpremiere an - noch bis zum 5. Dezember.

Heike Krüger
03.11.2021 , 02:00 Uhr

Bielefeld. Mit Tanz die Balance wiederfinden. Mit diesem Konzept liefen DansArt-Tanznetworks offene Türen ein – beim Fonds Darstellende Künste, das nach dem Corona-Lockdown Projekte unter dem Label der Bundesförderung „Neustart Kultur" finanziell anschiebt. „Balance 2021" haben die DansArt-Leiter, Ulla und Tchekpo Dan Agbetou, ein Bündel aus Workshops, Performances, Podiumsgesprächen und die Verfilmung eines Tanzstücks vielsagend betitelt – und einen fünfstelligen Eurobetrag für die Umsetzung erhalten.

„Vieles ist aus der Balance geraten, während der Pandemie", sagt Ulla Agbetou und ergänzt: „Aber auch sonst im Leben geht es darum, für die geistige, physische und seelische Gesundheit ein Gleichgewicht zu finden." Aber auch um die Balance zwischen Stadt und Land, Natur und Technik, Alt und Jung geht es den Urhebern des Projekts.

Darüber hinaus wollten die Agbetous den Fokus auf Bewegung und Tanz im Zuge des Älterwerdens des Menschen richten. Sie haben dazu zwei namhafte Dozentinnen verpflichten können, die aktuelle Workshops speziell für ältere Frauen in der DansArt-Tanzschule Am Bach 11 anbieten.

"Der alternde Körper hat seine eigene Tanz-Ästhetik"

Mit der Israelin Galit Liss, die eine Tanzschule in Tel Aviv betreibt, sei es gelungen, eine in Israel und darüber hinaus sehr renommierte Choreografin, Tänzerin und Tanzpädagogin nach Bielefeld zu holen. Sie sei bekannt für ihre sensible, außergewöhnliche Arbeit mit älteren Frauen und bietet aktuell einen Workshop für die Altersgruppe 60+ an.

„Körperliche Gesundheit ist Bewegung. Ich bin immer neugierig auf die tänzerischen Möglichkeiten im Alter, auf seine Ästhetik und die Überwindung von Rollenklischees, wie etwa: kleine Mädchen träumen davon, Ballerinas zu werden, kleine Jungs werden Helden", schildert die Israelin im Gespräch.

Sie arbeite in ihrer Heimat im Nahen Osten gleichwohl politisch, wenn sie den zionistischen Begriff vom „kollektiven Körper" kritisch hinterfrage, schildert sie. Den Teilnehmerinnen des Workshops macht sie Mut: „Ihr könnt euren Körper in jedem Alter weiterentwickeln."

Ergebnisse dieses Kurses waren am Sonntag, 31. Oktober, im DansArt-Theater zu sehen. Ebenso wie die Erträge des zweiten, aktuell laufenden Workshops für Männer und Frauen ab 40 Jahren: Die Therapeutin und Tanzpädagogin Lambrini Konstantinou, seit Jahren mit Kursen zum Body Mind Centering beim Bielefelder Tanzfestival vertreten, legt den Fokus bei „Balance 2021" auch auf die Arbeit mit älteren Frauen; sie greift jedoch den Aspekt der Versorgung eines Körpers und seiner Zellen mit dem Liquor des zentralen Nervensystems auf.
„Jede Form der Begrenzung des Körpers und seiner Funktionen hemmt
Bewegung und nimmt Balance und somit Gesundheit", ist sie überzeugt.

Die gefährlichen Seiten des Wassers thematisiert

Am 5. Dezember folgt der Abschluss des Projekts, das sich nach Vorstellung der Agbetous verstetigen lassen könnte, mit der Uraufführung des Tanzfilms „MMiri Mizu Water". Ihm liegt eine Aufzeichnung des von Tchekpo Dan Agbetou vor Jahren entwickelten Stücks zugrunde, in dem es um die extrem unterschiedliche Bedeutung des Wassers weltweit geht: Mangel und Dürre einerseits, Überflutung und Zerstörung andererseits, wie gerade in diesem Sommer auch in Deutschland verlustreich erlebt: Auch hier wird ein aus der Balance geratenes System thematisiert.

Die Agbetous legen hinsichtlich ihres Theaters wert auf die Feststellung, dass alle ihre Veranstaltungen unter strengen Corona-Hygienebedingungen ablaufen und dass sie im Sommer eine zertifizierte „pandemiegerechte" Lüftungsanlage nachgerüstet haben.

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