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Ex-Arminia-Profi Thomas Helmer (hinten Mitte) mit der Jöllenbecker D2-Jugend. Foto: Bentrup - © bentrup
Ex-Arminia-Profi Thomas Helmer (hinten Mitte) mit der Jöllenbecker D2-Jugend. Foto: Bentrup | © bentrup

Bielefeld Thomas Helmer zittert noch immer mit Arminia

Der Ex-Bielefelder erzählt in Jöllenbeck Anekdoten aus seiner Zeit bei Bayern und Dortmund. Und er verrät, warum er beim DFB-Pokalfinale auf die Tribüne musste.

Nicole Bentrup
21.08.2021 | Stand 21.08.2021, 20:50 Uhr

Bielefeld. An den 23. April 1994 erinnert sich wohl niemand so gut wie Ex-Bundesliga-Profi Thomas Helmer. An jenem Samstag stand der 32. Spieltag der Bundesliga-Saison 1993/1994 an. Eine enge Saison. Bayern München, Helmers damaliges Team, spielte gegen den 1. FC Nürnberg, der gegen den Abstieg kämpfte. „Dieser Tag wird mir immer im Kopf bleiben", sagt Helmer. Am Rande eines Imagefilm-Drehs für die Bielefelder Textilfirma fast52 beim TuS Jöllenbeck blickte der ehemalige Bielefelder Armine zurück.

In der 26. Spielminute beförderte Helmer in einer undurchsichtigen Situation im Strafraum den Ball Richtung Nürnberger Tor. Er verfehlte, und der Ball rollte am linken Pfosten vorbei über die Torauslinie. Doch Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers entschied auf Tor.

Sein Linienrichter habe ihm das so signalisiert. Die Bayern gewannen das Spiel 2:1, Helmers vermeintlicher Treffer wurde zum Phantomtor. „Ich habe gemerkt, dass der Ball daneben war, aber ich habe nicht gemerkt, was zwischendurch passiert ist", erklärt der 56-Jährige.

"Das war ganz bitter für den Club"

Das größte Problem sei gewesen, dass die Aktiven damals nicht miteinander gesprochen hätten. „Das war ein Fehler von uns allen. Ich hätte dem Schiri auf jeden Fall gesagt, dass ich nicht weiß, was passiert ist." Im Nachhinein erklärte der DFB das Tor für ungültig und begründete dies mit einem Regelverstoß des Schiedsrichters. Die Partie wurde neu angesetzt, Bayern gewann 5:0, wurde Deutscher Meister und Nürnberg stieg ab. Helmer: „Das war ganz bitter für den Club."

Thomas Helmer (l.) bekommt von Jöllenbecks Jugendtrainer Olaf Schnittger einen Jürmker Hoodie. Foto: Bentrup - © Bentrup
Thomas Helmer (l.) bekommt von Jöllenbecks Jugendtrainer Olaf Schnittger einen Jürmker Hoodie. Foto: Bentrup | © Bentrup

Alle Nachrichten und Hintergrundberichte zu Arminia Bielefeld im Überblick

Thomas Helmer ist Ostwestfale. Geboren in Herford. „Aber wirklich nur geboren", betont er. Gewohnt hat er in Bad Salzuflen. Auch zu der Zeit, als er seine ersten Profijahre beim DSC Arminia machte. „Es waren ja nur 20 Kilometer, die konnte ich gut fahren."

Von 1984 bis 1986 schnürte er seine Schuhe für die Bielefelder. In 35 Spielen erzielte er fünf Tore. In der Folge wechselte er zu Borussia Dortmund. „Da habe ich dann auch gewohnt. Also in Herdecke", erzählt er lachend.

Krasser Außenseiter im Pokal-Finale

1989 holte Helmer mit Dortmund den DFB Pokal. Ein bis heute besonderes Spiel für ihn. „Mein Freund Norbert Dickel hat damals schon vor dem Spiel seine Karriere aufs Spiel gesetzt", so Helmer. Das Knie war kaputt. Egal für Dickel, er spielte trotzdem. „Wir waren damals gegen Bremen krasser Außenseiter", erinnert sich Helmer.

Die Borussia gewann – auch aufgrund zweier Tore von Dickel – deutlich mit 4:1. „Ein unvergessliches Spiel", sagt Helmer. Nach 190 Spielen war für ihn dann Schluss in Dortmund. Die Bayern riefen.

„Als ich in München ankam, war das erstmal ein Kulturschock", berichtet Helmer. „Ich kam ja schließlich aus dem Ruhrpott. Das war in München schon etwas ganz anderes." Doch Helmer lebte sich ein und entwickelte sich mehr und mehr zu einem gestandenen Profi. Neben dem Phantomtor denkt Helmer auch noch an das Jahr 1999 zurück. Ein bitteres für die Bayern. Unter Trainer Ottmar Hitzfeld erreichten die Münchener das Champions-League-Finale.

Zwischen den Spielerfrauen auf der Tribüne

In der Nachspielzeit verloren sie gegen Manchester United. „Ich war zwar nur auf der Bank, aber es war ja mein Team. Meine Jungs haben mir leid getan. Wir waren die bessere Mannschaft." Und damit nicht genug. Nur eine Woche später unterlagen die Bayern auch noch Werder Bremen im DFB-Pokalfinale. Im Elfmeterschießen.

Thomas Helmer erlebte dieses Spiel auf der Tribüne im Berliner Olympiastadion. „Ich saß mitten zwischen den Spielerfrauen und habe mitgezittert." Zwischen den Spielerfrauen? Auf der Tribüne? „Ich war von Hitzfeld für das Pokalfinale suspendiert worden, weil ich nach dem Champions-League-Finale die falsche Geste in Richtung Tribüne gemacht habe." Was Helmer nicht wusste: Auf der Tribüne saß auch die Presse.

„Ottmar Hitzfeld sagte mir dann, und das war richtig bitter, dass er mich eigentlich im Pokalfinale spielen lassen wollte, mich nun aber suspendieren müsse." Helmer zeigte Hitzfeld gegenüber Verständnis für dessen Entscheidung. 1996 wurde Thomas Helmer mit der Nationalmannschaft Europameister. „Ein Titel, der den aktuellen deutschen Profis fehlt", sagt er. Die Europameister von 96 treffen sich bis heute regelmäßig. Demnächst wieder. „Darauf freue ich mich schon", sagt Helmer.

Im Aufsichtsrat bei Arminia

Seine aktive Karriere beendete er im Jahr 2000. Danach wandte er sich der TV-Sportberichterstattung zu. „Das hatte ich nicht geplant, das ist so passiert." Von 2011 bis 2015 war er zudem Aufsichtsratmitglied bei Arminia Bielefeld. „Das Problem war, dass die Sitzung immer montags war, da hatte ich aber Sendung bei Sport1."

Nach dem Engagement beim DSC entschied sich Helmer gegen weitere Vereinsarbeit. „Ich habe bis heute guten Kontakt zur Arminia. Viele meiner Freunde gehen – sofern es erlaubt ist – regelmäßig auf die Alm. Ich zittere auch mit Arminia mit. Mein Herz schlägt immer eher für die kleineren Vereine."

Hoeneß ruft im Doppelpass an

2015 übernahm Helmer die Moderation des „Doppelpass" auf Sport1. Seit mittlerweile fast 20 Jahren wohnt er in Hamburg. „Ich bin quasi jeden Samstag um 13.15 Uhr von Hamburg nach München geflogen und sonntags nach der Sendung zurück." Im Doppelpass erlebte Helmer einige Anekdoten.

„Wir hatten noch zwei Minuten Werbung, da sagt mir plötzlich die Regie aufs Ohr: ’Der Uli ruft gleich an.’" Auf Helmers Nachfrage, welcher Uli, sagte man ihm Uli Hoeneß. „Ich hab dann gefragt, was er denn wolle", sagt Helmer grinsend. Die Antwort seiner Regie: Keine Ahnung, irgendwas mit Brazzo. „Und dann ging es auch schon los mit dem Gepolter", lacht Helmer.

Zwischendurch habe Hoeneß ihn auch mal montags angerufen, um seinen Unmut über die Sendung auszudrücken. „Und immer wenn ich dann etwas sagen wollte, dann hieß es nur ’Tschüss, bis bald."

Nachdem Thomas Helmer die Moderation des Doppelpasses nun an Florian König übergeben hat, geht er mit einem Bühnenprogramm auf Tour. Der mobile Doppelpass quasi. „Da hatten wir jetzt zwei Probeshows, die wirklich gelungen waren. Am 5. September ist Helmer damit zu Gast in Bielefeld. „Die Location weiß ich noch gar nicht, aber ich würde mich freuen, wenn viele Leute kommen." Da bleibt nur – in bester Uli-Hoeneß-Manier – zu sagen: Tschüss Thomas, bis bald.

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