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Auch auf vier Autobahnen sind die Beamten des Hauptzollamtes regelmäßig im Einsatz. - © Symbolfoto: picture alliance / dpa
Auch auf vier Autobahnen sind die Beamten des Hauptzollamtes regelmäßig im Einsatz. | © Symbolfoto: picture alliance / dpa

Bielefeld Hauptzollamt treibt jährlich 16 Milliarden Euro ein: Die spektakulärsten Fälle

Die Beamten gehen gegen Geldwäsche und den Handel mit geschützten Tieren vor. Dass die 100 Jahre alte Behörde eine der einnahmestärksten Deutschlands ist, liegt an einer besonderen Nebenstelle.

Sebastian Kaiser
01.04.2021 | Stand 31.03.2021, 20:52 Uhr

Bielefeld. Sie bekämpfen Schmuggel und Schwarzarbeit, verhindern Verstöße gegen das Betäubungsmittel-, Waffen- oder Mindestlohngesetz, gehen gegen Geldwäsche und illegale Mülltransporte vor. Und es geht um Postverzollung, Ausfuhrdokumentationen, Einfuhrabgaben und Kfz-Steuern. Die rund 700 Mitarbeiter des Bielefelder Hauptzollamtes haben alle Hände voll zu tun. Das bringt dem Staat jede Menge Geld ein. Rund 16 Milliarden Euro an Steuern und Zollgebühren im Jahr treiben die Beamten ein.

Das alte Hauptzollamt an der Lohbreite. - © Zoll
Das alte Hauptzollamt an der Lohbreite. | © Zoll

„Während wir heute auch für fairen Wettbewerb, gerechte Arbeitsbedingungen oder die Einhaltung des Artenschutzabkommens sorgen, war die Geldeinnahme der ursprüngliche Zweck der Behörde", sagt Zollamtssprecher Sascha Gawenda.

Steuern als Geldquelle

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Nach dem Ersten Weltkrieg lasteten gewaltige Schulden auf der jungen Weimarer Republik. Um die tilgen zu können, benötigte die Reichsregierung Zugriff auf die ertragreichsten Steuern. Mit dem Ausbau der Reichsfinanzverwaltung bestimmte das Reichsfinanzministerium im April 1919 den aufstrebenden Industrieort Bielefeld zum Standort für ein neues Hauptzollamt. „Das sollte die dringend benötigten Mittel in die Reichskasse spülen", so Gawenda.

Vor 100 Jahren gegründet

Am 1. April 1921 nahm das Hauptzollamt Bielefeld seine Arbeit auf. Als Vorsteher wurde Oberzollinspektor Ahrens berufen. Er legte vor genau 100 Jahren den Grundstein für das heutige Hauptzollamt Bielefeld, das zu den personalstärksten Zolldienststellen Nordrhein-Westfalens gehört. In den Anfängen erstreckte sich ihr Bezirk lediglich über die Stadt Bielefeld sowie die Kreise Bielefeld, Halle und Wiedenbrück.

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Abgaben auf Mineralwasser und Spielkarten

Dort war die Behörde in erster Linie für Ein- und Ausfuhrzölle sowie Verbrauchsteuern auf Tabakwaren, Branntwein, Zucker, Salz, Schaumwein, Bier, Spielkarten, Leuchtmittel, Zündwaren, Kohlen, Wein und Mineralwasser zuständig.

Heute umfasst der Zuständigkeitsbereich neben ganz OWL auch Teile des Sauerlandes und damit auch Abschnitte der Autobahnen 2, 30, 33 und 44. Zollämter in Arnsberg, Lübbecke, Paderborn gehören dazu.

Schon 1922 wurde eine neue Dienststelle in der Turnerstraße 49 bezogen. Der ansteigende Warenverkehr mit dem Ausland sorgte für eine gute Auslastung des jungen Zollamtes.

Behörde wuchs unaufhörlich

Als in den 50er Jahren das Wirtschaftswunder begann, boomte auch der Im- und Export, wodurch Aufgabenbereiche und Arbeitsumfang des Hauptzollamtes Bielefeld erheblich wuchsen. Mehr Personal war notwendig und damit mehr Platz. An der Lohbreite wurde ein neues Hauptzollamtsgebäude errichtet, das 1969 fertig wurde.

Der Aufbau der EU brachte erneut neue Aufgaben. Nationales Zollrecht wurde durch internationales europäisches Recht ersetzt und der Umfang der Vorschriften vervielfachte sich.

Mit dem Schengener Abkommen fielen im Jahre 1993 die Binnengrenzen und der Aufgabenbereich des Hauptzollamtes erweiterte sich erneut. Nun gehören etwa auch die Bekämpfung illegaler Beschäftigung oder die Zwangsvollstreckung für gesetzliche Krankenkassen und Arbeitsämter dazu. Heißt: Der Zoll steht bei säumigen Beitragszahlern auf der Matte.

Das Hauptzollamt an der Werner-Bock-Straße. - © Zoll
Das Hauptzollamt an der Werner-Bock-Straße. | © Zoll

Zum 1. Januar 2000 verschmolzen die Hauptzollämter Bielefeld und Paderborn. In den folgenden Jahren wuchsen die Aufgaben weiter, so dass erneut ein neues Amtsgebäude her musste.

Im Mai 2005 zog das Hauptzollamt in die Werner-Bock-Straße 29. Dort befindet sich heute die zentrale Zolldienststelle für ein Gebiet mit einer Größe von mehr als 10.600 Quadratkilometern mit rund drei Millionen Einwohnern.

Eines der einträglichsten Ämter

„Das Hauptzollamt Bielefeld gehört zu den einnahmestärksten in Deutschland", sagt Sascha Gawenda. „Das jährlichen Zoll- und Verbrauchsteueraufkommen liegt bei rund 16 Milliarden Euro." Denn zu der Bielefelder Behörde gehört auch die Bundeszentralstelle für Tabaksteuern in Bünde. Und die verzeichnet allein ein jährliches Steueraufkommen von gut 14 Milliarden Euro.

Zwar arbeiten nicht alle der 700 Beschäftigten an der Werner-Bock-Straße, doch auch dieses Gebäude ist schon wieder zu eng geworden. Der Zoll ist daher auf der Suche nach einem weiteren Standort.

Waffenkammer notwendig

Das erste Hauptzollamt an der Turnerstraße. - © Zoll
Das erste Hauptzollamt an der Turnerstraße. | © Zoll

Geprüft wird, ob er auf das Gelände der Catterick-Kaserne ziehen kann. Nach Angaben der Stadtverwaltung geht es um eine Nutzfläche von circa 2.500 Quadratmetern, auf denen rund 120 Arbeitsplätze der Einheit „Finanzkontrolle Schwarzarbeit" untergebracht werden sollen. Es seien etliche Räume mit spezieller Funktion erforderlich. Dazu zählten Waffenkammern oder spezielle Lagerflächen. Außerdem seien rund 50 Stellplätze für Kfz notwendig.

Weiterer Standort auf Kasernengelände

Die Stadt und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, haben vereinbart, dass Nutzungen von Behörden wie Zoll und Bundespolizei nach Möglichkeit auf die ehemalige Catterick-Kaserne konzentriert werden. Im Gegenzug soll die frühere Rochdale-Kaserne für städtische Entwicklungsziele freigehalten werden. „Eine Nutzung der Rochdale-Kaserne für Bundeseinrichtungen würde dieser Vereinbarung widersprechen", heißt es von der Stadt.

Spektakuläre Fälle des Zolls

März 2021: Die „Finanzkontrolle Schwarzarbeit" schlägt überraschend auf der Baustelle der neuen Kinderklinik in Bethel auf. Mit einem Großaufgebot von Mitarbeitern wird nach Schwarzarbeitern und Mindestlohnverstößen gefahndet. Ergebnis: alles in Ordnung.

Februar 2019: Der Zoll entdeckt gestohlene Endoskopie-Geräte aus dem Klinikum Rosenhöhe am Frankfurter Flughafen.

März 2019: Das Hauptzollamt Bielefeld durchsucht zusammen mit Polizei und Steuerfahndung 50 Wohnungen und Geschäftsräume in Bielefeld und Hamm. Es geht um organisierte Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung. Gefunden werden bei der Aktion auch Waffen.

Dezember 2019: Zollfahnder finden in einem Lagerraum in Bielefeld rund eine halbe Million wahrscheinlich geschmuggelte Zigaretten.

Juni 2020: Zollbeamte stoppen ein Auto aus dem Niederlanden auf der A2. Im Kofferraum finden sie versteckt zwischen Picknick-Utensilien Kokain (124 Gramm), Ecstasy (14 Gramm) und Amphetamin (5,1 Kilo).

Januar 2019: Auf der A30 beschlagnahmen Zollbeamte in einem Auto 8 Kilogramm Marihuana.

Mai 2020: Der Zoll stoppt auf der A2 einen Mann aus Rotterdam. Im Kofferraum seines Wagens liegen gut 5 Kilo Amphetamine und 104 Gramm Kokain.

März 2021: Die „Kontrolleinheit Verkehrswege" lotst einen polnischen Pkw auf den A2- Rastplatz Obergassel. Hinter den Vordersitzen finden die Beamten Plastikbeutel mit 3,4 Kilo Heroin und 1,6 Kilo Koks.

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