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"Hope for Jane" - unter diesem Motto hat Jessica Dubkevics eine Spendenaktion für die Ex-Frau ihres Mannes, Christiane "Jane" Schulcz, gestartet. Deren Vater Arweds Puke hofft, dass sie so gemeinsam seiner schwerkranken Tochter helfen können. Für das Foto hat er kurz seine Maske abgenommen. 
- © Birgit Guhlke

"Hope for Jane" - unter diesem Motto hat Jessica Dubkevics eine Spendenaktion für die Ex-Frau ihres Mannes, Christiane "Jane" Schulcz, gestartet. Deren Vater Arweds Puke hofft, dass sie so gemeinsam seiner schwerkranken Tochter helfen können. Für das Foto hat er kurz seine Maske abgenommen.

| © Birgit Guhlke

Bielefeld/Leopoldshöhe Lebensretter gesucht: Bewegende Spendenaktion für schwerkranke Bielefelderin

Christiane Schulcz (44), Mutter von drei Kindern, braucht eine besondere Krebstherapie - doch die Krankenkasse wolle trotz des tödlichen Tumors nicht zahlen. Jetzt liegt die Hoffnung auf außergewöhnlicher Hilfe.

Birgit Guhlke
09.12.2020 | Stand 09.12.2020, 09:34 Uhr

Leopoldshöhe. Die Entscheidung sei irgendwann abends gefallen, erklärt Jessica Dubkevics. „Dann habe ich es einfach gemacht", sagt die 30-Jährige – und dann hat sie auf einem Internet-Spendenportal eine Sammlung für „Jane" angelegt. In der Hoffnung, das Leben der Ex-Frau ihres Lebenspartners zu retten. Oder zu verlängern. Um nichts weniger geht es.

Jane heißt eigentlich Christiane Schulcz, aber alle nennen sie nur Jane. Sie habe Anfang des Jahres auf einmal stechende Schmerzen in der Hand und im Fuß gespürt, erzählt ihr Vater Arweds Puke, der an diesem Nachmittag auch am Esstisch seines Ex-Schwiegersohnes und seiner neuen Partnerin in Leopoldshöhe sitzt.

Christiane "Jane" Schulcz mit ihrer jüngsten Tochter. - © Privat
Christiane "Jane" Schulcz mit ihrer jüngsten Tochter. | © Privat

Sie verstehen sich alle noch sehr gut, die Ehe von Björn und Jane Schulcz endete vor sechs Jahren, drei Kinder haben sie. Die Jüngste ist derzeit bei ihm zu Hause, spielt mit ihrer zweieinhalbjährigen Halbschwester. Das läuft gut. Alles andere nicht.

Unerklärliche Schmerzen in Hand und Fuß

Arweds Puke war damals sehr besorgt wegen dieser unerklärlichen Schmerzen, drängte seine Tochter und ihren Freund, ins Krankenhaus zu fahren. Dort wurde ein Gehirntumor, ein Glioblastom, bei der 44-jährigen Brackwederin entdeckt. „Der sollte so schnell wie möglich raus", sagt ihr Vater, der einen Mund-Nase-Schutz trägt. Bloß nicht auch noch Corona. Jedes Wochenende fährt er zu seiner Tochter.

Es folgten Chemo- und Strahlentherapie. Nach fünf, sechs Monaten dann die Kontrolle. Das MRT zeigte, dass die Therapie nicht angeschlagen habe. Der Tumor war wieder gewachsen. Wieder eine Operation, wieder Chemotherapie. „Sie hält sich", sagt der Vater. Und schweigt dann erst einmal, wischt sich Tränen aus dem Gesicht.

Schlaganfall während der zweiten OP

Jessica Dubkevics nickt und fasst zusammen, was Arweds Puke in diesem Moment nicht mehr sagen kann. Die Recherchen über diese aggressive Tumorart. Die Folgen für Jane nach der zweiten OP, während der sie noch einen Schlaganfall erlitten hatte. Die Lähmungen an Arm und Bein. Ihr unermüdlicher Einsatz in der Reha-Klinik, in der sie wieder laufen lernt zurzeit. „Sie ist echt stark", sagt Jessica Dubkevics.

Die Familien wissen Bescheid über die Gespräche mit den Ärzten. Über letzte Möglichkeiten, die diese dann sechste Chemotherapie noch biete. Die erst einmal verschoben werden musste, weil ihre Blutwerte es derzeit nicht zulassen. Und über ein US-amerikanisches Medikament, das wohl helfen könnte. Nicht zu heilen, aber zumindest das Leben zu verlängern, weil mit ihm das Tumorwachstum gestoppt werden könne.

Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht

Die Krankenkasse zahlt es nicht. Der Medizinische Dienst, den die Kasse in diesem Fall zurate gezogen habe, habe entschieden, „dass man es nur bekommt, wenn es lebensbedrohlich ist", sagt Jessica Dubkevics und kann, genau wie Björn Schulcz, nur den Kopf schütteln. Wenn das nicht lebensbedrohlich sei, was dann, fragen sie. Auch der Arzt könne das nicht nachvollziehen. „Es ist ein tödlicher Tumor", sagt die 30-Jährige.

Der Einspruch gegen die Entscheidung läuft, aber die Zeit auch. Deshalb die Spendensammlung, 30.000 Euro sollen möglichst zusammenkommen. Seit zwei Wochen ist sie online. Familie, Freunde, Bekannte – alle unterstützen die Aktion „Hope for Jane". Mit Spenden, mit dem Drucken von Flyern, ein Autobanner soll es auch geben. Jane Schulcz selbst war überwältigt von der Aktion, wie sie am Telefon aus der Reha-Klinik bestätigt. Viel mehr sagt sie nicht. Außer, dass es geht, „den Umständen entsprechend".

"Eine Garantie gibt es nicht"

Jessica Dubkevics musste auch feststellen, dass es für Privatleute gar nicht so einfach ist, Spendeninitiativen zu starten oder bei entsprechenden Charity-Organisationen berücksichtigt zu werden, „weil man kein Verein ist". Sei es drum, es ist alles rechtlich abgesichert, es ist alles auf dem Weg. „Eine Garantie, ob es hilft, haben wir nicht", sagt sie, „aber wir haben es dann wenigstens versucht". Und dann versagt ihr zum ersten Mal an diesem Tag die Stimme.

Es gibt auch ein Spendenkonto für diejenigen, die nicht online sind, aber auch spenden möchte. Die Kontonummer geben Jessica Dubkevics, Mail jessy11690@gmail.com, sowie Arweds Puke, Tel. (01 57) 82 52 48 16, weiter. Die Spendenaktion ist zu finden unter: Hope for Jane

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