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Wie viel kostet Bielefelds ÖPNV die Kunden? Das hat ein Online-Verbraucherportal untersucht. - © Mike-Dennis Müller (Archiv)
Wie viel kostet Bielefelds ÖPNV die Kunden? Das hat ein Online-Verbraucherportal untersucht. | © Mike-Dennis Müller (Archiv)

Bielefeld "Absteiger des Jahres": Bielefeld wird für hohe Bus- und Bahnpreise abgewatscht

Preisvergleich: In einer neuen Rangliste des Online-Verbraucherportals testberichte.de stürzt die OWL-Metropole regelrecht ab - während Ostdeutschland mächtig punktet.

Dennis Rother
03.12.2019 | Stand 04.12.2019, 06:59 Uhr
Ansgar Mönter

Bielefeld. Im vergangenen Jahr noch auf einem guten Platz 12 im Ranking der deutschen Städte, jetzt abgestürzt auf Platz 34: Im aktuellen Nahverkehrs-Ranking des Verbraucherportals testberichte.de ist Bielefeld der große Verlierer. "Absteiger des Jahres" betiteln die Macher der Online-Erhebung die OWL-Metropole. Als Grund wird vor allem ein „vergleichsweise kompliziertes unattraktives Angebot" für Schüler genannt. Testberichte.de nimmt sich alle größeren Städte – insgesamt 43 – in Deutschland vor und vergleicht Service und Preise von Bus und Bahn. Mit 57 Euro hat demnach Bielefeld das zweitteuerste Monatsticket für Schüler in ganz Deutschland. Nur Schüler mit mehr als 3,5 Kilometer Schulweg müssen lediglich 50,90 Euro bezahlen. "Was immer noch ziemlich teuer ist", teilt testberichte.de mit. Der Durchschnitt liege bei 35,77 Euro. FDP fordert maximal 20 Euro für Schüler-Monatsticket Dass es auch andersherum geht, zeigt Stuttgart. Die schwäbische Großstadt ist im Vergleich um 25 Plätze nach oben geklettert auf jetzt Rang 3. Sie hat aus zwei Zonen eine gemacht, was einfacher und günstiger für die Kunden sei. Ähnliche Vereinfachungen der Tarife planen demnach auch Hannover und München. Birgit Jahnke, Sprecherin der Stadtwerke als Betreiber von Bus- und Bahnverkehr über den Betrieb MoBiel, verweist auf politische Pläne hinsichtlich des Schülertickets. „Da wird was kommen", vermutet sie. Der FDP-Vorsitzende Jan Maik Schlifter sieht sich in seiner Forderung nach einem kostengünstigen Schulticket bestätigt: „Dass in Bielefeld ausgerechnet die Tickets für Kinder und Jugendliche besonders teuer sind, zeigt den dringenden Handlungsbedarf", sagt er. Die von Rot-Grün angestrebten 30 Euro pro Monat und Kind sind für die FDP noch zu teuer. „Wir fordern maximal 20 Euro und eine Geschwisterkindregelung." Bielefeld könne ja auch mal Vorbild für andere Städte sein. Es gibt sogar Städte, wo Schüler kostenlos fahren: Berlin und Rostock. Die niedrigen Preise der Oststädte sind „teilweise historisch bedingt", sagt Jahnke. Zu DDR-Zeiten hätte der öffentliche Nahverkehr fast nichts gekostet. Für die Bielefelder Stadtwerke sei aber auch immer die Finanzierbarkeit eine wichtige Frage, „vor allem, weil wir eine Stadt mit einer großen Fläche sind und jeder Kilometer Fahrstrecke Geld kostet". --- Die Verkehrswende treibt Bielefeld mittlerweile schon seit Jahren um. Der ÖPNV soll ausgebaut werden, die Zahl der Autos sinken. Dieses Credo haben indes viele Städte. Bielefeld gehört unter ihnen laut testberichte.de 2019 zu den "Flop 10", also zu den zehn von 43 Städten, in denen man am meisten Geld ausgeben muss. Und in den Kategorien Kinder und Schüler steht sogar ein Platz in den "Flop 5" zu Buche. Nur 1,80 Euro zahlt ein Erwachsener für eine Einzelfahrkarte zur Hauptverkehrszeit in Schwerin und Mannheim, gefolgt von Potsdam und Erfurt mit je 10 Cent mehr. Das geht aus der Erhebung hervor. "Am teuersten ist die einfache Fahrt in den Stadtgebieten von Hamburg und Münster mit je 3,30 Euro bzw. Lübeck und Nürnberg mit je 3,20 Euro", heißt es in einer Pressemitteilung von testberichte.de. Hamburg besonders teuer Betrachtet man die Preise für Monatskarten (ein Erwachsener mit Jahres-Abo bei gleichmäßig monatlicher Zahlweise), liegt Potsdam (34,50 Euro) vor Magdeburg (43,21 Euro) und Schwerin (44,23 Euro). Hamburg ist auch hier am teuersten (89,50 Euro), Köln und Bonn liegen mit je 85,10 Euro auf dem vorletzten Rang. Doch wo lohnt sich eine Monatskarte am ehesten im Verhältnis zum Einzelfahrschein? "Hier liegt Münster vorne, dort hat sich die Zeitkarte bereits nach 15 Fahrten amortisiert". so testberichte.de. "Nirgendwo lohnt das Abo mehr, denn die monatlichen Kosten liegen mit 49 Euro rund 37 Prozent unter der Karte ohne Vertragsbindung (78 Euro)." Kostenerstattung für Schüler Die Preise für Einzelfahrscheine für Kinder (gelten meist von 6 bis 14 Jahren, in Kassel bis 17 Jahren; in Dresden, Chemnitz und Leipzig ab Einschulung) reichen von 1,10 Euro in Schwerin bis zu 2 Euro in Saarbrücken. Bei Monatskarten haben Berlin und Rostock einen neuen Standard gesetzt und bieten diese seit August jedem Schüler kostenlos an - in Bielefeld war das Thema in den vergangenen Monaten übrigens ebenfalls virulent. "In zahlreichen anderen Städten werden die Kosten nachträglich ganz oder teilweise erstattet, wenn Schüler mindestens 2 bis 4 Kilometer von der Schule entfernt wohnen oder einen gefährlichen Schulweg haben", heißt es in der Pressemitteilung weiter. Dies geschehe in der Regel aber nicht über die Verkehrsverbünde, sondern in teilweise komplizierten Antragsverfahren über die Stadtverwaltungen oder Schulen. Weitere Informationen zur Erhebung sowie das komplette Ranking inklusive aller Einzel-Ranglisten gibt es hier. Ausgewertet wurden die Angebote des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) von 43 Städten (alle Städte über 200.000 Einwohner inklusive aller Landeshauptstädte, also auch Saarbrücken, Potsdam und Schwerin mit je unter 200.000 Einwohnern). Dabei wurden die Tarife für das jeweilige gesamte Stadtgebiet verglichen (z.B. 5000 in Frankfurt, AB in Hamburg, Preisstufe 3 in Lübeck).

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