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Auf dem IHK Jahresempfang in Bielefeld zeigte sich die neue IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke mit Vorgänger Thomas Niehoff (l.) und IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven, der die Findungskommission geleitet hatte. - © Barbara Franke
Auf dem IHK Jahresempfang in Bielefeld zeigte sich die neue IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke mit Vorgänger Thomas Niehoff (l.) und IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven, der die Findungskommission geleitet hatte. | © Barbara Franke

Eine Frau rückt an die Spitze der IHK in Bielefeld

Erstmals in der Geschichte der IHK Ostwestfalen rückt eine Frau an die Spitze der Verwaltung. Petra Pigerl-Radtke löst Thomas Niehoff ab. Und IHK-Präsident Meier-Scheuven hat Wünsche an die Politik

Martin Krause
02.12.2019 | Stand 03.12.2019, 04:35 Uhr

Bielefeld. Erstmals in der Geschichte der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen rückt eine Frau an die Spitze der Verwaltung: Petra Pigerl-Radtke wird neue Hauptgeschäftsführerin der Bielefelder IHK, wenn der seit 2001 amtierende Thomas Niehoff (63) Ende August 2020 in den Ruhestand geht. „Frau Pigerl-Radke kennt sich mit der Kammerorganisation aus und mit Themen wie Berufliche Bildung und Innovationen, sie beherrscht Führung und Kommunikation – sie ist einfach eine Top-Managerin", lobt IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven die gebürtige Düsseldorferin. Pigerl-Radtke ist von einer Findungskommission der Kammer unter Leitung von IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven ausgesucht und jetzt von der Vollversammlung der Kammer bestätigt worden. Zur Kommission gehörten auch Markus Miele und Maresa Harting-Hertz. Die Unternehmensberatung Kienbaum hatte bei der Suche geholfen. "Ich komme mit großer Freude nach Ostwestfalen" Meier-Scheuven stellte Pigerl-Radtke nach der Vollversammlung beim Jahresempfang der Kammer öffentlich vor. „Ich komme mit großer Freude", sagte die 53-Jährige. Ostwestfalen sei eine „Region der klugen Köpfe" voller „Unternehmer, die verantwortungsvoll handeln". Die Rheinländerin, die in Aachen wohnt, ist derzeit stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der IHK Mittlerer Niederrhein in Krefeld und leitet die Geschäftsstelle in Mönchengladbach. Sie verantwortet die Bereiche Bildung, Fachkräfte, Innovation, Digitales und Wachstum. Davor leitete sie 15 Jahre lang den Bildungs- und Personalentwicklungsbereich der AOK Rheinland/Hamburg (8.000 Mitarbeiter). Zehn Jahre lang wirkte sie zudem bei Handwerks- und IHK-Organisationen. IHK-Präsident musste in eigener Firma "beherzt handeln" Nach Meier-Scheuvens Einschätzung kommt der personelle Wechsel an der Kammerspitze mitten in eine Zeit der Veränderung: „Und wir brauchen einen klaren Kompass und beherztes Handeln, um mit Veränderungen klar zu kommen und sie als Chance wahrzunehmen." Er selbst habe in der eigenen Firma – Boge Kompressoren – beherzt handeln müssen, weil im Unternehmen „nicht alles rund lief und ich gezwungen war, das Ruder wieder selbst in die Hand zu nehmen". Er habe energisch gegensteuern müssen. Der Abend in der Kammer sei aber nun der positive Abschluss eines stressigen Jahres: „Meinem Unternehmen geht’s gut. Der Kammer geht’s gut." Nicht so gut sieht Meier-Scheuven es um die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Bundesregierung bestellt. Der Wirtschaft wird von vielen mit Misstrauen begegnet Angesichts von Globalisierung und Handelskriegen, demographischem und digitalem Wandel, Energie- und Klimapolitik seien die Zeiten „lange nicht so herausfordernd für den Mittelstand gewesen". Abwarten und Aussitzen seien da keine Lösung. Doch der Wirtschaft werde von vielen mit Misstrauen begegnet. Und beim Blick auf Berlin habe er „den Eindruck, dass die Große Koalition keine Antworten auf die großen Fragen hat, die Unternehmer beschäftigen". Um den Wohlstand in Ostwestfalen („fast eine Insel der Glückseligen") zu behaupten, seien wichtige Aufgaben anzupacken. Meier-Scheuven hob etwa den flächendeckenden Ausbau des 5-G-Mobilfunknetzes und den Neubau von Hochspannungsleitungen hervor – nur mit einem verbesserten Stromnetz könne die Integration von 65 Prozent Strom aus Erneuerbaren Energien gelingen. Passend zur Weihnachtszeit ließ er eine lange Wunschliste anklingen: „Stellen Sie sich vor, die Bundesregierung beschließt eine Unternehmenssteuerreform zur Sicherung unserer Wettbewerbsfähigkeit. . ."

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