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Bielefeld Bielefelder Petros schafft die Olympianorm im Marathon

Leichtathletik: In Valencia erfüllt der Bielefelder sich einen Traum und läuft bei seinem Debüt eine tolle Zeit

Claus-Werner Kreft
02.12.2019 | Stand 02.12.2019, 15:40 Uhr

Bielefeld. Ein Bielefelder hat als erster deutscher Leichtathlet in Laufwettbewerben die Olympia-Norm für Tokio 2020 erfüllt: Amanal Petros, seit Januar für den TV Wattenscheid aktiv, aber weiterhin seinem Hauptwohnsitz am Teuto eng verbunden, überraschte gestern als Marathon-Debütant im spanischen Valencia mit erstklassigen 2:10:28 Stunden und blieb etwas mehr als eine Minute unter der vom Weltverband IAAF gesetzten Norm (2:11:30). Seine Zeit bedeutet zugleich neuen Westfalenrekord, die bisherige Bestmarke von 2:10:59 Std. hatte Michael Fietz (LG Ratio Münster) vor 22 Jahren in Frankfurt aufgestellt. Mit dem renommierten Lauf in Valencia, wo die Weltklasse erneut zahlreich vertreten war und Top-Bedingungen vorfand, hatte Petros die richtige Wahl für seinen Marathon-Einstand getroffen. "Ich bin überglücklich", erklärte er nach dem Rennen, "von Beginn an habe ich mich supergut gefühlt, blieb aber diszipliniert genug, mich nicht aus meiner Zehnergruppe zu lösen. Und von unserem kenianischen Pacemaker, der kürzlich auch mein Trainingspartner in den Bergen seiner Heimat war." Noch nie habe er so viel Geduld aufgebracht - und das sei am Ende belohnt worden, freute sich Petros. Schon am 3. Januar wird Petros wieder zum Training nach Kenia fliegen Dass er noch genügend Reserven hatte, um die letzten fünf Kilometer in 14:58 Minuten zu absolvieren, beeindruckte auch seinen Brackweder Co-Trainer Thomas Heidbreder. Er verfolgte das Rennen im Internet, schon während des Höhentrainingslagers in Kenia hatte er ständig mit Petros kommuniziert. Der sicherte sich als Neunzehnter eine respektable Platzierung im Elitefeld von Valencia, wo der Wahl-Türke Kaan Kigen Özbilen mit 2:04:16 Std. den Europarekord der britischen Lauflegende Mo Farah löschte - als Zweiter hinter dem Äthiopier Atanaw Alayew (2:03:50). Und im Rahmenprogramm trumpfte mit neuem 10-km-Weltrekord (26:38 Min.) der Bahnweltmeister Joshua Cheptegei aus Uganda auf. Nach seinem Böckstiegellauf-Sieg 2012 hatte der 17-jährige Amanal Petros ein Ziel formuliert, das damals fast utopisch anmutete: "Ich möchte einmal an Olympischen Spielen teilnehmen." Jetzt, mit 24 Jahren, hat er die Weichen Richtung Tokio gestellt. Die Marathon-Norm im Rücken, kann er sich ganz der Vorbereitung auf Olympia widmen. Schon am 3. Januar wird er wieder zum Training nach Kenia fliegen, zunächst aber für einige Zeit nach Bielefeld kommen und sportlich eine Regenerationsphase einschalten. Man darf gespannt sein, ob er in der Bahnsaison noch versucht, auch eine der anspruchsvollen Tokio-Normen für 5.000 (13:13,50) oder 10.000 Meter (27:28,00 Min.) anzugreifen. Im Marathon jedenfalls hat er auf Anhieb den Sprung in die Top Ten der ewigen gesamtdeutschen Bestenliste geschafft. Nur acht Läufer rangieren vor ihm, vier von ihnen vertraten bis 1990 Klubs der damaligen DDR. Seit dem Millenniumsjahr 2000 aber lief nur der deutsche Rekordler Arne gabius (2:08,33 Std) schneller als Petros bei seinem Debüt.

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