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Die rote Linie zeigt, wo die Sperrzone der Polizei verläuft. Ab 11 Uhr ist hier kein Durchkommen mehr. Die ersten Sperrgitter werden ab 8 Uhr installiert. - © Grafik: Jürgen Schultheiß
Die rote Linie zeigt, wo die Sperrzone der Polizei verläuft. Ab 11 Uhr ist hier kein Durchkommen mehr. Die ersten Sperrgitter werden ab 8 Uhr installiert. | © Grafik: Jürgen Schultheiß

Bielefeld Das sind die Polizeisperrungen am Demo-Samstag in Bielefeld

Mehrere Hundertschaften der Polizei werden die Neonazi-Route schon ab 8 Uhr mit Sperrgittern schützen. Bahnen aus Sieker und Senne fahren nicht. Ostwestfalendamm wird zum Nadelöhr. Stadthalle und Theater bleiben frei

Jens Reichenbach
09.11.2019 | Stand 09.11.2019, 18:46 Uhr

Hier geht es zum Live-Ticker von der Nazi-Demonstration Bielefeld. Um den Demonstrationszug von 200 bis 300 Rechtsradikalen in der Bielefelder Innenstadt zu sichern, werden ab Samstagfrüh mehrere Hundertschaften der Polizei samt zahlreicher Einsatzfahrzeuge eingesetzt. Wie Polizeisprecher Knut Packmohr mitteilte, werden zudem schon ab 8 Uhr die ersten Straßensperrungen rechts und links des Marschweges eingerichtet. Wer also am Samstag in die City möchte, sollte nicht davon ausgehen, dass die Störungen erst am Mittag beginnen. WO WIRD GESPERRT? Die Polizei wird den Weg der Holocaustleugner und Neonazis zwischen Neuem Bahnhofsviertel, Adenauerplatz und Landgericht rechts und links der Straße mit Absperrgittern absperren. Diese Gitter werden dauerhaft installiert und bleiben, bis die Rechten wieder auf dem Heimweg sind. Vor allem die Bielefelder aus dem Süden und Westen sind dadurch von der Innenstadt abgeschnitten. Die ersten Absperrungen werden ab 8 Uhr aufgestellt, spätestens um 11 Uhr ist die Sperrzone geschlossen. Nicht von dauerhaften Sperrungen betroffen sind die Fußgängerzonen in der Innenstadt. Lediglich der Weg dorthin dürfte schwierig werden. STRAßENSPERRUNGEN Das erste Mal hat jetzt die Polizei auch konkrete Straßensperrungen öffentlich gemacht. Dabei wurde klar: Ein Wechsel von der Detmolder Straße in Richtung Bethel/Brackwede oder umgekehrt wird bis zum Abend weder über die Kreuzstraße noch unterhalb der Sparrenburg möglich sein. Auch aus dem Bielefelder Westen ist kein Durchkommen. Jöllenbecker und Stapenhorststraße enden am Ostwestfalendamm. OSTWESTFALENDAMM Der OWD wird während des gesamten Samstags offen bleiben. An drei Ausfahrten geht es allerdings nur teilweise weiter: Die Abfahrt zum Neuen Bahnhofsviertel wird komplett gesperrt. An der Stapenhorststraße geht es nur stadtauswärts weiter und am Johannistal wird ein Abbiegen in Richtung Innenstadt nicht möglich sein. „Man kommt lediglich aus dem Osten in die Innenstadt. Die Autofahrer müssen sich einen Weg über Ostwestfalendamm und Eckendorfer Straße sowie über die Osningstraße suchen", sagt der Polizeisprecher. EINZIGER DURCHGANG Einziger dauerhaft geöffneter Durchgang für Fußgänger zwischen Bielefelder Westen und City ist der Stolander-Tunnel. Aus Westen kommend führt ein kleiner Weg von der Stapenhorststraße rechts unter dem Ostwestfalendamm hindurch und zur Kneipe Stolander an der Alfred-Bozi-Straße. Von dort können Fußgänger unter der Neonazi-Strecke hindurch den Fußgängertunnel hin zum Klosterplatz nutzen. WEITERE ÜBERWEGE? Packmohr: „Während des Tages wird es zu verschiedenen Zeiten noch verschiedene andere Lösungen geben, die Sperrzone zu passieren." Wann und wo überquert werden dürfe, ist aber noch nicht zu sagen. „Wir haben an mehreren Stellen rechts und links der Sperrung Kommunikationsbeamte, die den Bürgern dann individuell weiterhelfen werden." STADTHALLE UND STADTTHEATER Die Premiere des Weihnachtsmärchens „Der Zauberer von Oz" um 17 Uhr im Stadttheater soll trotz der Demos von Osten aus zu erreichen sein. Besucher sollten allerdings möglichst früh anreisen. Auch die Jobmesse sowie der abendliche „Ball der Wirtschaft" in der Stadthalle sind per Auto über die Herforder Straße zu erreichen. Knut Packmohr betont: „Die Gegendemos werden die Stadthalle nicht vorhersehbar einschränken. Grundsätzlich sollen die Nahariyastraße und das Parkhaus an der Stadthalle frei bleiben. Trotzdem kann es kurzzeitig zu Sperrungen kommen." Es sei also mit Verkehrsbehinderungen und Staus zu rechnen. Besuchern wird zumindest tagsüber die Anreise per Stadtbahn empfohlen. Laut Bielefeld Marketing sei davon auszugehen, dass die Sperrungen rund um die Stadthalle ab 17 Uhr aufgehoben sein werden. STADTBAHN Doch die fahren ab 11 Uhr auch nicht überall - der Fahrplan muss deshalb außer Kraft gesetzt werden. Die Linie 1 verkehrt dann nicht mehr zwischen Senne und Rathaus, die Linie 2 fährt nicht zwischen Sieker und Rathaus. Die Linie 3 kann zwischen Jahnplatz und Oststraße keine Fahrgäste bedienen, der Schienenersatzverkehr endet am Kesselbrink. Die Linie 4 vom Lohmannshof endet am Hauptbahnhof. MoBiel rät Fahrgästen aus dem Bielefelder Süden, mit den Bus-Linien 87, 95 sowie 135 aus Sennestadt und Senne zum Brackweder Bahnhof zu fahren. Dort sei ein Umstieg in die Züge der NordWestBahn und der Eurobahn zum Hauptbahnhof möglich. MoBiel-Abonnenten dürften die Regionalbahnen mit ihren Tickets nutzen. Diese Regelung gelte allerdings nicht für Nutzer des Clip-Tickets und der Handytickets der MoBiel-App. BUSSE Die Busse aus dem Osten enden alle am Kesselbrink. Wer normalerweise nach dem Bus in Sieker und Senne in die Stadtbahn umsteigt, kommt an diesem Tag dort nicht weiter. GEGENPROTEST Immer mehr Bürger und Gruppen rufen – wie auch Oberbürgermeister Pit Clausen – zur Teilnahme am breiten Gegenprotest auf. Einen Aufruf des Bündnisses gegen Rechts haben diesmal alle Parteien des Stadtrats unterzeichnet. Das Bündnis hat zahlreiche Aktionen angemeldet – zum Teil wird es stilles Gedenken geben, zum Teil lauten Widerspruch gegen rechte Hetze und Holocaustleugnung. Das Bündnis gegen Rechts ruft zu einem friedlichen und lauten Protest auf. Die Verantwortlichen hoffen, dass außerdem möglichst viele Anwohner an der Marschstrecke der Neonazi-Demo Plakate, Banner oder bemalte Bettlaken mit Protestnoten aus ihren Fenstern hängen, damit die von auswärts anreisenden Rechten sehen, was Bielefeld von rechten Hetzern hält. DIE EINZELNEN AKTIONEN 11.45 Uhr: Fahrradkorso vom Landgericht zum Willy-Brandt-Platz und zurück. 12 Uhr: Start der Kundgebung am Mahnmal zum Gedenken an die von Nazis deportierten Juden am Bahnhofsvorplatz. 12 Uhr: Demo vom Stadtwerke-Hochhaus zum Boulevard. Wenn die Rechten durchgezogen sind, geht es durch den Hauptbahnhof weiter. 13 Uhr: Demo vom Siegfriedplatz zur Jöllenbecker Straße. Wenn die Rechten dort weitergezogen sind, geht es durch die Fußgängerzone zum Jahnplatz. 13.30 Uhr: Menschenkette um das Landgericht. Start an der Ecke Detmolder / Spiegelstraße. 14 Uhr: Demo vom Hauptbahnhof zum Landgericht. Auf dem Weg kommen die beiden anderen Demozüge dazu. 14 Uhr: Schutz zweier Stolperstein-Standorte auf der Neonazi-Route. Maximal 15 Teilnehmer werden von der Polizei von der Spiegelstraße sowie von der Albrecht-Delius-Straße in den Sperrbereich geführt. 14 Uhr: „Stärken gegen Rechts", Verpflegungsstation am Klosterplatz. 14.30 Uhr: Große Kundgebung Landgericht, Höhe Rohrteichstraße. 15.30 Uhr: Mahnwache vor der Synagoge, Detmolder Straße 107. Ab 16.30 Uhr ziehen die Teilnehmer auch zum Landgericht. 16 Uhr: „Mit scharfen Borsten gegen stumpfe Gesinnung". Bürgersteig soll mit Besen und Bürsten gereinigt werden, Rohrteichstraße. 17.30 Uhr: Offizielle Gedenkveranstaltung zu den Novemberpogromen, Turnerstraße 5. Später endet die Gedenkveranstaltung im Ratssaal des Neuen Rathauses. INFOS AM DEMO-SAMSTAG MoBiel hat eine Infoseite eingerichtet, um zeitnah auf Störungen im Stadtbahn- und Busverkehr hinzuweisen und natürlich das Ende der Sperrungen schnell mitteilen zu können unter: www.mobiel.de/demo. Die Polizei hat ein Bürgertelefon eingerichtet. Diese Hotline ist bis zum Ende der demonstrativen Veranstaltungen am Samstag erreichbar: Tel. (05 21) 545 22 22. Die Bielefelder Lokalredaktion der Neuen Westfälischen wird einen Liveticker vom Geschehen vor Ort anbieten.

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