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Ein 51-Jähriger muss sich vor dem Landgericht Bielefeld wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes verantworten. - © Symbolbild: Pixabay
Ein 51-Jähriger muss sich vor dem Landgericht Bielefeld wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes verantworten. | © Symbolbild: Pixabay

Bielefeld 24-Jährige zeigt ihren Onkel aus Bielefeld wegen sexuellen Missbrauchs an

Lange schwieg das mutmaßliche Opfer. Erst als Erwachsene traute sie sich zur Polizei

Nils Middelhauve
23.10.2019 | Stand 23.10.2019, 17:52 Uhr

Bielefeld. Die Taten liegen schon eine ganze Weile zurück, die Folgen spürt eine heute 24 Jahre alte Frau noch heute: Über mehrere Jahre hinweg war sie – folgt man der Anklage – in ihrer Kindheit Opfer von sexuellen Übergriffen ihres Onkels geworden. Der mutmaßliche Täter, der 51 Jahre alte Ibish V. (Namen aller Betroffenen geändert), muss sich nun wegen des Vorwurfs des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kinds vor dem hiesigen Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft geht von folgendem Geschehen aus: Die Tatenserie begann im Frühjahr 2000. Zu jener Zeit trennte sich die Mutter der damals noch vier Jahre alten Gladiola B. von ihrem Ehemann. Vorübergehend zogen Mutter und Tochter nach Bielefeld in das Haus des Angeklagten. Bei dessen damaliger Ehefrau handelt es sich um die Schwester von Gladiolas Mutter. Unbeobachtete Momente ausgenutzt Bei zahlreichen Gelegenheiten wurde Ibish V. in der Folgezeit dem Mädchen gegenüber übergriffig, wenn er sich von den erwachsenen Frauen unbeobachtet fühlte. Die Taten rissen auch nicht ab, als Gladiola und ihre Mutter in eine eigene Wohnung gezogen waren. Bei etlichen weiteren Gelegenheiten soll Ibish V. seine Nichte bis zum Juni 2007 missbraucht haben, wenn er sie und ihre Mutter in deren Wohnung besuchte. Während der gesamten Zeit trichterte er dem Kind immer wieder ein, auf gar keinem Fall mit irgendeiner Person über das Geschehen zu reden – ihr werde ohnehin niemand glauben. Darüber hinaus mache sie damit die Familie kaputt. Nachts aus dem Schlaf geschreckt Lange Jahre hielt sich Gladiola B. an die Vorgaben ihres Onkels. Dies änderte sich erst 2017. Mittlerweile hatte B. geheiratet und war schwanger. Doch immer wieder erschrak sie nachts fürchterlich, wenn ihr Ehemann nach ihr ins Bett ging und sich zu ihr legte – die alten Erinnerungen kamen wieder hoch. „Sie war dann stets wie in Schockstarre", berichtete der 24-jährige Mann von Gladiola B. vor Gericht. Als dies wieder einmal passiert sei, habe er seine Frau schließlich davon überzeugt, sich an die Polizei zu wenden. „Ich wusste bis dahin nur, dass es irgendwelche Vorfälle gegeben hatte – das gesamte Ausmaß war mir auch nicht bekannt", sagte der Mann. Das Ehepaar erstattete Anzeige, das Verfahren kam in Gang. Zum Prozessauftakt vor der XXI. Großen Strafkammer des Landgerichts erklärte Verteidiger Ralf Kaiser namens seines Mandanten, dass dieser zu den Vorwürfen schweigen werde. Der Prozess wird am 24. Oktober fortgesetzt.

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