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Fahrradmechatroniker: Peter Dreischmeier erklärt Schüler Mario Raabe, was alles zu diesem Beruf gehört. - © Wolfgang Rudolf
Fahrradmechatroniker: Peter Dreischmeier erklärt Schüler Mario Raabe, was alles zu diesem Beruf gehört. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Nach Handwerkslehre in Bielefeld ist eine Übernahme so gut wie sicher

Die Berufsaussichten sind bestens und die Löhne können sich sehen lassen

Sebastian Kaiser
12.10.2019 | Stand 12.10.2019, 14:59 Uhr

Bielefeld. Sich nach der Schule um eine Lehrstelle in einem Handwerksbetrieb zu bewerben - Mario Raabe kann sich das durchaus vorstellen. Praktisch zu arbeiten und "stolz zu sein, wenn man etwas fertig hat", ist sein Ding. Beim ersten Handwerkertag in der Altstadt haben er und 35 weitere junge Leute aus 8. und 9. Klassen am Donnerstag in Handwerksbetriebe hineingeschnuppert. Für die Schüler eine Gelegenheit sich zu informieren, für die Betriebe eine Chance, um Nachwuchs zu werben. Denn die meisten Handwerker suchen händeringend nach Azubis. So wie Gerd Stallmann, einer der Geschäftsführer von "Elektro-Licht Janzen & Stallmann". "Vor Jahren haben sich jedes Jahr noch zehn bis zwölf junge Leute beworben, inzwischen sind es höchsten sechs bis sieben", erzählt er. Er freut sich, dass Schüler wie David Dobrunz und Anas Sfili aus dem 9. Jahrgang der Luisenschule Interesse am Elektrohandwerk zeigen. Wissen die beiden schon, was später machen wollen? "Eher noch nicht", sagt David. Kommt das Handwerk in Frage? "Vielleicht." 3.500 Euro brutto im Monat sind möglich Chance hätte sie allemal. Die Auftragsbücher von "Janzen & Stallmann" sind voll - von der Ausstattung von Industriehallen bis zur Weihnachtsbeleuchtung in der Altstadt reicht das Spektrum. Wer hier die Lehre macht, wird so gut wie sicher übernommen. 3,5 Jahre dauert die Ausbildung zum Elektroniker. Bis zu 850 Euro im Monat gibt es in der Lehre, für Gesellen sind später 3.000 bis 3.500 brutto möglich. Mario Raabe hat sich einen Bestatter, einen Friseur und eine Zweiradwerkstatt angesehen. Zumindest einen Eindruck von der Spannbreite der Handwerksbranche hat er bekommen. Bei "feine Räder" durfte er probieren, einen Reifen aufzuziehen. Und er hat erfahren, dass der Beruf des Fahrradmechatronikers nicht nur technisches Können erfordert. Umgang mit Produkten und Kunden "Hier lernt man den Umgang mit dem Produkt und den Kunden. Man steht in der Werkstatt, aber auch im Laden", so Inhaber Peter Dreischmeier. Mit 2.100 Euro Anfangsgehalt können Gesellen bei ihm starten. Mario hat sich über Geld noch keine Gedanken gemacht. Aber er sagt: "Es muss Spaß machen und auch der Lohn muss passen." Zwölf Handwerksbetriebe haben in der Altstadt ihre Werkstätten geöffnet. Darunter Hörgeräteakustiker, Fotografen, Konditoren, Uhrmacher. Organisiert hatten die Aktion die Stiftung Zukunftspreis Handwerk und der Verein "experimint", der Begeisterung für Naturwissenschaften und Technik wecken will. Die Arbeitszeiten schmecken nicht allen Handwerksbetriebe bieten derzeit beste Aussichten. So auch der Optiker Thomas Renken. Er hat noch einen Ausbildungsplatz frei, derzeit jedoch kaum Bewerber. Bei Renken haben sich unter anderem Leon Zimmermann und Simon Lex (beide 14) angeschaut, wie Brillen angefertigt werden - vom Bau des Gestells bis zum Schleifen der Gläser. "Es macht Spaß, etwas herzustellen. Ich habe immer gerne gebastelt", sagt Simon. Doch wenn es um die Berufswahl geht, schrecken die Arbeitszeiten in Betrieben, die auch ein Verkaufsgeschäft betreiben, viele ab, weiß Renken. "Arbeiten wenn die Freunde schon frei haben, das wollen viele nicht." 30.000 bis 40.000 Euro im Jahr können Augenoptiker-Gesellen bei ihm verdienen. "Und nach der Lehre kann man sich in unserer Branche derzeit aussuchen, wo man arbeiten will", sagt Renken. Auch Klimaschutz ist ein Thema Derzeit absolvieren etwa 90 Jugendliche eine handwerkliche Ausbildung in über 20 verschiedenen Berufen in der City. Insgesamt wird in Bielefeld derzeit in 75 Berufen ausgebildet. "Das Handwerk bietet auch die Möglichkeit, sich mit dem Thema Klima zu befassen. Deutschlandweit gibt es 200.000 Betriebe, die direkt oder indirekt mit Umweltschutz zu tun haben", wirbt Handwerkskammerpräsident Peter Eul. Jens Prager, Hauptgeschäftsführer der Kammer, ergänzt: „Die Altstadt ist ohne ein funktionierendes Handwerk nicht denkbar."

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