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Neonazi Sascha Krolzig bei einer Demo vor der JVA Brackwede (Archivfoto). - © Andreas Zobe
Neonazi Sascha Krolzig bei einer Demo vor der JVA Brackwede (Archivfoto). | © Andreas Zobe

Bielefeld Volksverhetzung: Neonazi Sascha Krolzig scheitert mit Berufung

Es bleibt bei sechs Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung wegen Volksverhetzung und Beleidigung. Krolzig kann aber Revision einlegen

Peter Johnsen
10.10.2019 | Stand 11.10.2019, 08:39 Uhr

Bielefeld. Der 32-jährige Neonazi Sascha Krolzig ist mit seiner Berufung gegen ein Urteil des Bielefelder Amtsgerichts gescheitert. Am Mittwoch verwarf die 11. Strafkammer des Landgerichts nach mehrstündiger Verhandlung das Rechtsmittel. Damit bleibt es bei der erstinstanzlichen Entscheidung vom 22. Februar 2018: sechs Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung wegen Volksverhetzung und Beleidigung. Krolzig kann gegen dieses Urteil noch Revision beim Oberlandesgericht Hamm einlegen. Wie berichtet, hatte der Angeklagte im August 2016 einen Beitrag für die Homepage der rechtsextremen Partei „Die Rechte" verfasst und eingestellt, deren OWL-Vorsitzender er ist. Darin hatte er den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Herford/Detmold, Matitjahu Kellig (70), als „frechen Judenfunktionär" bezeichnet. Der Geschädigte wurde als Zeuge gehört Hintergrund des Artikels mit dem Titel „Staatsfunk, Linke und Jüdische Gemeinde hetzen gegen Verleger" war ein Interview, das Kellig dem WDR am 17. August 2016 gegeben hatte. Der emeritierte Professor der Musikhochschule Detmold hatte kritisiert, dass die Stadt Preußisch Oldendorf ihr Gemeindeblatt von einem Verlag drucken ließ, der auch rechtsextreme Schriften verbreitete. Die Berufungsverhandlung fand vor voll besetzten Zuhörerbänken unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt. Der Geschädigte wurde als Zeuge gehört. Für Verteidiger Björn Clemens ist das beanstandete Zitat durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt, er forderte Freispruch. "Äußerung ist geeignet, Hass zu entfachen" Staatsanwalt Benjamin Scheffler beantragte Verwerfung der Berufung.Der Angeklagte habe sich damals in einer Weise geäußert, die geeignet sei, „Hass zu entfachen", stellte Vorsitzender Richter Florian Schwartz in der Urteilsbegründung fest. Er habe Kellig den Status zugedacht, den ein Jude im Nationalsozialismus hatte. Krolzig ist bereits mehrfach vorbestraft. Zuletzt musste er sich wegen einer Auseinandersetzung in einer Kneipe vor Gericht verantworten.

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