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In den Seilen: Larissa klettert über die gespannten Netze der Spielanlage zur nächsten Kletterwand. - © Andreas Zobe
In den Seilen: Larissa klettert über die gespannten Netze der Spielanlage zur nächsten Kletterwand. | © Andreas Zobe

Bielefeld Endlich geöffnet: Bielefelds neue Kesselbrink-Sportanlage im großen Test

Magnus Horn
11.09.2019 | Stand 11.09.2019, 10:40 Uhr
Larissa Kirchhoff

Bielefeld. Und jetzt? Das fragen wir uns, als wir über den grünen elastischen Boden gehen. Vor uns steht eine Art Klettergerüst, das durch die vielen gespannten Seile den Eindruck eines riesigen Spinnennetzes erweckt. Nur wenige Meter daneben ein Stangenparcours und ein kleines Basketballfeld, auf dem drei junge Männer eifrig auf Körbe werfen. Dann wollen wir mal testen, wie die neue Spiel- und Calisthenics-Anlage auf dem Kesselbrink funktioniert. Aber wo sollen wir anfangen? Schilder und Anleitungen gibt es nicht. Also auf eigene Faust. Los geht es am Barren, der noch viel zu präsent aus dem eigenen Turnunterricht ist. Ein paar Schwünge hin und her, dann der Absprung. Eine Note gibt es dafür zum Glück nicht. Während Magnus sich in 2,50 Meter Höhe durch die Luft hangelt, trainiert Larissa auf den Bänken, die an dem Stangengerüst befestigt sind, ihre Bauchmuskeln. Ganz schön anstrengend. Klimmzug, Turnübung, Handstand Als wir so überlegen, welche Fitnessübung wir noch machen könnten, sagt einer der jungen Basketballer: „Da kann man 100 Übungen machen." Er und seine Kumpel sind froh über die neue Sportanlage neben dem Bike- und Skatepark am Kesselbrink. Es sei ein super Angebot, das das Image des Platzes verbessern soll. Voraussetzung: ein pfleglicher und respektvoller Umgang. Klimmzüge, Turnübungen, Handstand – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Als Laien ist es uns zunächst gar nicht so leicht gefallen. Niemand ist da, um Übungen anzuleiten. Mit einem alt bekannten Trick kann man sich helfen: abgucken."Das ist echt ultrageil hier" Wir beobachten einen jungen Mann beim Training. Gyula ist 24 und weiß genau, wie man mit dem vermeintlichen Stangenwirrwarr umgeht. „Das ist echt ultrageil hier. Es kommt auf das eigene Level an, wie man das hier zum trainieren nutzt." Er erklärt uns, dass man vor allem Übungen mit dem eigenen Körpergewicht machen kann – bis zu 100. Die schaffen wir heute nicht. Besonders gut findet der junge Sportler die Chance, Kontakte zu knüpfen. „Die Leute kommen hier hin und können zusammen trainieren. Auch Menschen, die sich sonst keine Mitgliedschaften in Fitnessstudios oder Vereinen leisten können – ist doch super." Keine Anleitung, keine Schilder Die Menschen um uns herum freuen sich über die neue Anlage. Je nach eigenem Bedarf kann man hier trainieren. Sei es mit Übungen, die wir aus dem Studio kennen, mit Basketball oder mit Übungen, die wir uns von den hiesigen Profis abgucken. Kostenfrei und vielfältig – uns gefällt’s. Waren die bisherigen Geräte für Erwachsene bestimmt, geht es nun mit dem Klettergerüst für Kinder weiter. Auch hier: Keine Anleitung, keine Schilder. Also einfach anfangen. Magnus startet mit der schwarzen Kletterwand, die auf das Netz in etwa zwei Metern Höhe führt. Larissa würde gern die freie schwarze Fläche neben den Kletterhilfen herunterrutschen – die ist aber leider sehr dreckig. Abkürzung zum Schaukel-Test Also geht es weiter aufs Netz. Schade, Drücken war wohl nicht. Auf dem Netz hat man die Chance, über ein kleines anderes Netz nach unten zu gelangen oder weiter zu klettern. Magnus zieht durch. Er klettert bis zum Ende. Larissa nimmt die Abkürzung und testet die Schaukeln, die aussehen wie die Sitze einer Seilbahn. Der Sinn dahinter erschließt sich uns nicht. Doch wir gehören auch nicht in die Zielgruppe. Wir beide sind der Meinung, dass es für Kinder aufregend sein wird. Wir sehen eine junge Mutter, die hinter ihrem aufgeregten Kind hinterher klettert. Mama Alwina hat eigentlich einen Termin in der Stadt. Sohn Dante freut sich aber zu sehr über die neue Attraktion. „Ich bekomme ihn hier nicht mehr weg. Es ist ja wie im Kletterpark", sagt sie. Sie freut sich, dass es endlich eine Spielmöglichkeit für Kinder gibt, die übersichtlich ist. Man könne sein Kind durch die Netze die ganze Zeit beobachten. Bereicherung für die City Wir sind uns einig, dass die neuen Attraktionen eine Bereicherung für den Kesselbrink sind. Sport treiben, Klettern, Leute treffen – alles vereint an einem Platz im Herzen der Stadt. Uns packt jedenfalls die Lust, das ganze noch einmal abends zu probieren. Ein Spiel auf dem beleuchteten Basketballfeld oder Klimmzüge mit der untergehenden Sonne im Rücken – hat doch alles irgendwie Charme.

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