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Mit einer Gala-Premiere präsentierten der Zirkus des Horrors seine neue Show im Gleisdreieck. - © Barbara Franke
Mit einer Gala-Premiere präsentierten der Zirkus des Horrors seine neue Show im Gleisdreieck. | © Barbara Franke

Bielefeld Der abscheulichste Zirkus Deutschlands gastiert in Bielefeld

Der Zirkus der ganz besonderen Art ist gruselig, einige Nummern verschrecken die Besucher

Jürgen Mahncke
07.09.2019 | Stand 07.09.2019, 17:46 Uhr |

Bielefeld. Die Stadt scheint empfänglich für den Zirkus des Horrors. Zur Premiere am Freitagabend hat sich eine lange Schlange vor dem Zelt am Gleisdreieck in Brackwede aufgebaut. Wer endlich die Pforte zur rollenden Irrenanstalt "Asylum" durchschritten hat, muss sich orientieren. Gelber, undurchdringlicher Nebel wabert im Eingangsbereich. Krankenschwestern in blutverschmiertem Outfit weisen den Weg in die Nervenheilanstalt, die in den kommenden zwei Stunden viel Nerven kosten wird. Zwei Stunden, die viele Nerven kosten Der italienische "Psycho-Forscher" Professore Salvatore dei Morti gibt einen kleinen Einblick in seine einzigartigen Heilmethoden. Und unvermittelt fällt einem das Wirken von Frankenstein ein. Er wollte bekannterweise an der berühmten Universität Ingolstadt einen künstlichen Menschen erschaffen Also: Frankenstein lässt grüßen. Die Zirkusvorstellung erinnert generell an Schauerromane und Horrorfilme, die sich mit aus allen Fugen geratenen psychiatrischen Verwahranstalten beschäftigen. Artisten oder Patienten, Wärter und Krankenschwestern in der Manege agieren auf Geheiß von Professor Dei Morti. Teilweise geraten sie ihm komplett außer Kontrolle. Er operiert sie, setzt ihnen Spritzen oder malträtiert sie mit Stromstößen, die sie dann zu spektakulären Leistungen befähigen. Die akrobatischen Leistungen sind sehenswert, wie zum Beispiel die Jongleure, die mit ihren Keulen die Schwerkraft zu überwinden scheinen. So weit, so gut. Und wo bleibt der Horror und Schrecken? Es wird mucksmäuschenstill Mucksmäuschen still wird es, wenn ein Mitglied der großen Zirkusfamilie sich den drehenden Bohrmeißel eines überdimensionalen Schlagbohrers fast 20 Zentimeter weit in den Rachen schiebt. Blut scheint in Strömen zu fließen, wenn ein Patient des "Asylum" sich mit einem großen Brotmesser einen tiefen Schnitt in den Oberarm verpasst und die Zuschauer rätseln, ob es Fiktion oder Realität ist. Es sind schon beeindruckende Leistungen, die den Anschein von Gewalt, Qual und Schmerzen haben. Das Publikum ist begeistert und johlt und wird wieder ganz still, fast panisch, wenn sich ein Patient der rollenden Irrenanstalt einen Fleischerhaken in die Zunge schlägt und damit ein kleines Wägelchen, besetzt mit zwei Zuschauern, durch die Manege zieht - schon sehr makaber. Gut, dass es einen Publikumsliebling in der Manege gibt, der den Pulsschlag des Publikums immer wieder in den Normalbereich bringt. Es ist der Gruselclown Milano Kaiser, der unter Einbeziehung einzelner Zuschauer - Vorsicht in der ersten Reihe - für den nötigen Humor sorgt, der bei allem Horror entlastet. Noch bis zum 22. September kann sich auf dem Festplatz Gleisdreieck Südring gegruselt werden. Showzeiten sind montags bis freitags um 19.30 Uhr, samstags um 15.30 Uhr und 19.30 Uhr, sonntags um 18 Uhr. Von Montag, 9.9. bis Donnerstag, 12.9. finden keine Shows statt. Karten gibt es bei Erwin-Event.

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