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Verkäuferin Alexandra Fuhrmann von Ulbrich Natur berät die 12-jährige Alma Twelmeier, was sie braucht, um sich selbst ein Duschgel herzustellen. - © Anastasia von Fugler
Verkäuferin Alexandra Fuhrmann von Ulbrich Natur berät die 12-jährige Alma Twelmeier, was sie braucht, um sich selbst ein Duschgel herzustellen. | © Anastasia von Fugler

Bielefeld Immer mehr Bielefelder putzen mit weniger Chemie

Umweltschutz: Das Bewusstsein für die Klimaproblematik steigt. Die Stadt gibt zehn Prozent mehr Geld für Reinigungsmittel aus.

Anastasia von Fugler
07.09.2019 | Stand 07.09.2019, 19:56 Uhr

Bielefeld. Sie machen vor wie es geht: Die fünfköpfige Familie Twelmeier lebt bewusst umweltfreundlich. Die drei Kinder lernen gerade, wie sie ihr Duschgel selbst zusammenstellen können. Eine von ihnen ist Alma Twelmeier. Sie kauft sich Betain, ein Tensid, das zur Herstellung nötig ist. „Es ist zum Einen gut für die Haut und zum Anderen ökologisch abbaubar", sagt die Zwölfjährige. Zu Hause achte die Familie darauf, nur das Minimum an Chemie zu verwenden. So auch bei den Reinigungsmitteln. Auch die Stadt Bielefeld versucht seit 2018 umweltfreundlicher zu putzen. Dazu lief im Vorfeld eine Ausschreibung. Alle angebotenen Reinigungsmittel, die das EU-Gütesiegel (Eco Label) tragen, wurden ein Jahr lang getestet. Um dieses Siegel zu bekommen, unterliegen vor allem Allzweck- und Sanitärreiniger strengen Kriterien. Unter anderem, ob das Reinigungsmittel nachhaltig hergestellt und gefährliche, umweltschädliche Stoffe vermieden wurden. Ziel der Testung war es, mit möglichst wenigen und umweltfreundlichen Mitteln eine gute Reinigungsleistung zu erreichen. Es gibt einen neuen Lieferanten Die Entscheidung fiel auf drei Produkte der Firma tana-Chemie GmbH: Allzweckreiniger (Tanet SR15), Fußbodenreiniger (Tanet Karacho) und Sanitärreiniger (Sanetzitrotan). "Ausschlaggebend war, dass die Produkte neben dem Eco-Label auch Behälter haben, die zum Großteil aus recyceltem Material sind”, sagt Ralf Sieksmeier vom Immobilienservicebetrieb. Zweimal im Jahr würde die Firma Tana eine Lkw-Ladung mit den Produkten liefern. Dabei nehme der Lieferant die Leerverpackungen zurück, um diese wieder in den Kreislauf zu führen. Um die 50.000 Euro gab die Stadt 2016 noch für die Eigenreinigung aus. „Jetzt kommen wir auf etwa zehn Prozent mehr", sagt Sieksmeier. Die Marktentwicklung habe er aber nicht mit einberechnet. „Die preisliche Steigerung müssen wir in Kauf nehmen, solange es noch keine günstigeren Alternativen gibt." Durch den Einsatz der Reinigungschemie der Firma tana konnten 2018 2.418 Kilogramm Rohöl, 876 Kilogramm Kunststoff und 7.594 Kilogramm Kohlendioxid eingespart werden, heißt es in der Informationsvorlage der Verwaltung. Reinigungsmittel zum Selbermachen So genannte Baukastensysteme für Wasch- und Reinigungsmittel bietet Ulbrich Natur in der Mercatorstraße an. "Die Kunden kommen mit ihren Behältern zu uns und wir befüllen diese dann wieder”, sagt Verkäuferin Erika Vornbäumen. Auch bereits abgefüllte biologisch abbaubaren Waschpulver oder Allzweckreiniger gibt es direkt vor Ort. Oder die Kunden bringen ihre eigenen Rezepte mit und kaufen sich die Zutaten zusammen. Doch dann kann die Verkäuferin für nichts garantieren: "Es gibt so viele schlechte Rezepte im Internet. Viele davon funktionieren nicht”, so Vornbäumen. Einen Universal-Haushaltsreiniger, den die Verkäuferin empfehlen kann, ist das Orangenkraft-Konzentrat. Es wird sparsam angewendet und kann gegen Fett-oder Ölflecken und auch verdünnt als Putzwasser für Küche, Bad und Toilette verwendet werden. Tipps von der Verbraucherzentrale Backofen-und Grillreiniger enthalten häufig ätzende Chemikalien und Lösemittel, die die Atemwege reizen können. Alternativ dazu rät die Verbraucherzentrale, die Verkrustungen nicht einbrennen zu lassen, besser gleich einweichen und mit einem Edelstahlschwamm entfernen. Ähnlich ätzend sind oft Abfluss- und Rohrreiniger. Sie belasten zudem noch unnötig das Abwasser. Die chemiefreie Variante wäre hier Abflusssiebe zu verwenden. Falls es trotzdem zu Verstopfungen kommt, sind Gummisauger und Abflussspiralen zu empfehlen. Auch WC-Steine belasten das Abwasser mit ihren Duftstoffen und Chemikalien. Besser sei Zitronensäure, sie entferne Kalk und Urinstein. Chlorreiniger belasten die Umwelt. Wenn sie in Kombination mit sauren Badreinigern verwendet werden, entsteht ein giftiges, stechend riechendes Chlorgas, das schwere Schäden an den Atemwegen verursachen kann. Stattdessen lieber Allzweckreiniger verwenden, empfiehlt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

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