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Der markante Bau bekommt demnächst eine neue Chefin. - © Sarah Jonek
Der markante Bau bekommt demnächst eine neue Chefin. | © Sarah Jonek

Bielefeld/Kultur Christina Végh soll die Kunsthalle in Bielefeld leiten

Die 48-jährige Kunsthistorikerin soll einen Vertrag über acht Jahre erhalten.

Stefan Brams
19.08.2019 | Stand 19.08.2019, 13:53 Uhr

Bielefeld. Der Aufsichtsrat der Kunsthalle hatte am 7. August den Medien eher verklausuliert mitgeteilt, dass sich das Gremium auf einen neuen Nachfolger für Kunsthallen-Direktor Friedrich Meschede geeinigt habe. Wie zu hören ist, hat am selben Tag auch die Gesellschafterversammlung, als das Entscheidungsgremium, das die Kunsthallen-Leitung bestimmt, bereits für die vom Aufsichtsrat empfohlene Person votiert. Man habe vereinbart, dass der Vertrag innerhalb von 14 Tagen unterschrieben werden soll – also Ende dieser Woche. Wer es ist, der oder die ab Januar 2020 das Amt übernehmen soll, ließ Aufsichtsratsvorsitzender Georg Fortmeier bisher noch offen – wegen der noch ausstehenden Unterschrift und eines noch bestehenden Arbeitsverhältnisses. Nach Recherchen der Neuen Westfälischen soll Christina Végh auf Meschede folgen und einen Vertrag über acht Jahre erhalten. Die 48-jährige, versierte Kunsthistorikerin, die in Zürich geboren wurde, leitet seit Mai 2015 die Kestnergesellschaft in Hannover. Das 1916 gegründete Ausstellungshaus für internationale zeitgenössische Kunst zählt zu den renommiertesten und größten Kunstvereinen Europas. Végh war die erste Frau, die auf den Leitungsposten berufen wurde. Nach ihrer damaligen Berufung sagte sie: „Es wird mir darum gehen, die Ausstellungen nicht als einfache Folge von Werkpräsentationen zu entwickeln, sondern das exemplarische Wechselausstellungshaus als Ort der Forschung und Wissensproduktion sichtbar zu machen und neue Wege der Vermittlung mit einzuschließen." Sie interessiere es, das Format Ausstellung oder Formen der Vermittlung in Frage zu stellen. Des Weiteren stehe der Dialog zwischen den Künstlergenerationen im Vordergrund, ließ sie damals in der HAZ über ihr Programm für Hannover verlauten. Ab 2023 steht mehrjährige Umbauphase an Zuvor war Végh Direktorin des Bonner Kunstvereins (2004-2015), „der sich unter ihrer Führung zu einem der erfolgreichsten und angesehensten Kunstvereine in Deutschland entwickelt hat", wie es damals in einer Pressemitteilung über den Wechsel hieß. Weiter war dort zu lesen: „Ihre kuratorische Arbeit zeichnet sich durch generationenübergreifende, experimentelle wie interdisziplinäre Ansätze aus, die das Entstehen von Kunst sowie das Format der Ausstellung befragen und zugleich aktuelle gesellschaftliche Themen verhandeln." In Bonn machte sie sich auch mit dem unter ihrer Leitung etablierten Kunst- und Jugendprogramm („KunstStück") einen Namen. Mit dem Projekt, das mehrfach ausgezeichnet wurde, soll der Bonner Kunstverein auch Menschen aus bildungsfernen Kreisen erreicht haben. Von 2008 bis 2014 war Végh zudem im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Kunstvereine (AdKV) tätig. Für die erfolgreiche Programmatik und Neuausrichtung des Bonner Kunstvereins, verbunden mit Fundraising und baulicher Sanierung, wurde Végh 2010 von der schweizerischen Kunstkommission des Eidgenössischen Bundesamts für Kultur mit dem Preis für Kunst- und Architekturvermittlung ausgezeichnet. Ihre Erfahrungen mit zu sanierenden Häusern dürften Végh auch in Bielefeld zugute kommen. Steht doch eine mehrjährige Sanierungs- und Umbauphase ab etwa 2023 an. Rund zwölf Millionen Euro soll die bauliche Neuaufstellung des mehr als 50 Jahre alten Baus von Philip Johnson kosten. Spannend dürfte es auch werden, wie Végh die Kunsthalle in den bis dahin verbleibenden Jahren inhaltlich neu ausrichten wird. Der Etat für Ausstellungen ist mit 170.000 Euro sehr klein bemessen. Die Rücklagen sind so gut wie aufgezerrt. Auch in Hannover musste sich Végh zuletzt mit Kürzungen herumschlagen. Laut HAZ hat die Kestnergesellschaft im Mai beschlossen, das Ausstellungsprogramm von vier auf drei Ausstellungen zu kürzen. „Wir verlangsamen uns – und wir konzentrieren uns dabei", hatte Végh laut HAZ dazu gesagt und zudem betont: „Ich hoffe, dass das Ausstellungshaus in den kommenden Jahren bei steigenden Landeszuschüssen wieder Fahrt aufnehmen kann." Das offenbar nun ohne sie.

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