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Stauteich 1: Der Umweltbetrieb hat den Schlamm auf einen großen Haufen aufschütten lassen, damit er trocknet und sich Schadstoffe abbauen. Das klappt nur zum Teil. - © Wolfgang Rudolf
Stauteich 1: Der Umweltbetrieb hat den Schlamm auf einen großen Haufen aufschütten lassen, damit er trocknet und sich Schadstoffe abbauen. Das klappt nur zum Teil. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Hochgiftiger Schlamm in Bielefelder Stauteich - Umweltbetrieb reagiert

Schadstoffwerte noch zu hoch. Menge hat sich dank der Trockenheit deutlich reduziert. Ende September wieder voll Wasser?

Joachim Uthmann
16.08.2019 | Stand 16.08.2019, 02:23 Uhr

Bielefeld. Kaum Wasser und abgesperrt mit Bauzaun - so trostlos sieht der Stauteich I im Lutter-Grünzug seit dem Frühjahr aus. Auffällig ist ein riesiger Schlammhaufen. Bürger, die dort spazieren gehen oder sich erholen, fragen sich, wann die Baustelle endlich vorbei ist. Wenn es gut läuft, Ende September. Der Grund für den ungeliebten Eingriff ist das alte Problem der Verschlammung. Alle drei Stauteiche im Osten, durch die die Weser-Lutter fließt, füllen sich nach und nach mit Sedimenten. Aus Tausenden Einleitern werden Sand, Erde und Schmutz in die Teiche gespült und setzen sich ab. Wenn lange nicht ausgebaggert wird, bilden sich teils kleine Inseln. Im Sommer teils Gestank Der Umweltbetrieb hat sich 2019 den Stauteich I zwischen Walkenmühle und Rußheide vorgenommen. Rund 3.500 Kubikmeter Schlamm hatten sich hier gesammelt. Im Sommer führte das teils zu Gestank. Um ihn zu entfernen musste zunächst das Wasser abgelassen werden. Doch dann konnte der Schlamm nicht sofort abtransportiert werden - weil er mit Schadstoffen wie Schwermetallen und Kohlenwasserstoffen belastet ist. Bei der Menge hätte der UWB hohe Kosten für die Deponierung bezahlen müssen. Also ließ er den Schlamm zusammenschieben, damit er trockener wurde. Weniger Masse, weil es wenig geregnet hat Und damit an Masse verliert. "Das hat gut geklappt, zumal es in diesem Jahr wenig geregnet hat", sagt Henning Freitag vom Umweltbetrieb. Die Menge sei mittlerweile auf 1.500 Tonnen "ausgeblutet". Doch der zweite Effekt, den sich die Experten erhofften, ist nicht so eingetreten wie erhofft: Die Konzentration an aromatisierten Kohlenwasserstoffen hat sich nicht so stark gesenkt, dass der Boden in der Landschaft eingebaut werden könnte. Hier war an das Rückhaltebecken nahe der Kläranlage am Wellbach in Heepen gedacht worden. Kosten steigen auf 400.000 Euro "Wir müssen die 1.500 Kubikmeter doch als belasteten Boden entsorgen", sagt Freitag. Das kostet einen sechsstelligen Betrag. Abtransport und Deponierung würden jetzt ausgeschrieben. Insgesamt erhöhen sich die Gesamtkosten auf rund 400.000 Euro, ein Betrag, der allerdings schon kalkuliert war. Freitag: "Damit kommen wir aus." Erneuern lassen hat die Stadt auch den Schieber an der Stauanlage. Ende September, so rechnet der UWB, könne der große Haufen abtransportiert werden: "Wir sind noch im Zeitplan." Dann werde das Stauwerk geschlossen und der Teich kann wieder vollaufen. Freitag: "Das dauert nur ein, zwei Tage." Schlamm setzt sich wieder ab Das Grundproblem bleibt allerdings, so lange die Lutter durch die Teiche fließt: Weil es keine Klärbecken vor den Einleitungen gibt, setzt sich schnell wieder Schlamm ab. Freitag: "Die Teiche sind eine Art Ersatz-Klärbecken." Das heißt, in wenigen Jahren muss die Stadt erneut entschlammen. Es sei denn, der Grünzug wird so neu gestaltet, dass die Lutter vorbeifließt. Dafür gibt es Pläne und ein Konzept. Aber bis es umgesetzt wird, dürfte es noch dauern.

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