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Festnahme: Der halbnackte Täter tobte noch lange nach der Messerattacke. Er stand unter dem Einfluss von Alkohol und Kokain, als er seine Ex-Partnerin lebensgefährlich verletzte. - © privat
Festnahme: Der halbnackte Täter tobte noch lange nach der Messerattacke. Er stand unter dem Einfluss von Alkohol und Kokain, als er seine Ex-Partnerin lebensgefährlich verletzte. | © privat

Bielefeld Junge Bielefelderin nach Messerattacke in Lebensgefahr - Ex-Freund angeklagt

Versuchter Totschlag: 27-Jähriger soll 25-Jähriger regelrecht aufgelauert haben

Jens Reichenbach
13.08.2019 | Stand 13.08.2019, 16:21 Uhr

Bielefeld. Die Schreie der 25-jährigen Frau machten am Morgen des 4. Mai mehrere Anwohner der Straße Löllmannshof auf die lebensbedrohliche Situation vor ihrer Haustür aufmerksam. Ein Mann stach damals mit einem Messer mehrfach auf die Frau ein. Ein tiefer Stich in ihre Seite verletzte Organe im Bauchraum - sie schwebte in akuter Lebensgefahr. Zum Glück konnten zwei Anwohner den Angreifer überwältigen und so ihrer Nachbarin das Leben retten. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den mutmaßlichen Täter erhoben. Nach Angaben von Staatsanwalt Veit Walter muss sich der 27-jährige Ex-Freund des Opfers wegen versuchten Totschlags vor der 10. Großen Strafkammer des Landgerichts Bielefeld verantworten. Wie Gerichtssprecher Guiskard Eisenberg mitteilte, habe der Bielefelder laut Anklageschrift an jenem Morgen der Frau regelrecht aufgelauert. "Er versteckte sich hinter einem Auto", bis sie gegen 8.30 Uhr in Begleitung ihrer Mutter vor dem Haus erschien. Wie die sechsköpfige "Mordkommission Lölle" der Kripo Bielefeld später ermittelte, soll der 27-Jährige die Bielefelderin nach zwei gescheiterten Kontaktaufnahmen am Morgen dann aus dem Versteck heraus angesprochen haben. Drohungen und Gewalttätigkeiten in der Vergangenheit Schnell eskalierte sie Situation. Nach diversen Drohungen gegen sich und ihre Familienmitglieder sowie wiederholten Gewalttätigkeiten in den vorangegangenen Monaten hatte die 25-Jährige bereits ein gerichtliches Annäherungsverbot gegen den Ex-Partner erwirkt. Als der aggressive Ex-Partner nun unvermittelt vor ihrer Tür auftauchte, zog sie umgehend ihr Handy, um die Polizei zu rufen. Der Mann im Alkohol- und Kokainrausch ging daraufhin zum Angriff über. Nach Ansicht der Ermittler schlug der 27-Jährige der Frau zunächst das Handy aus der Hand, schlug dann mit der Faust in ihr Gesicht und riss sie an den Haaren zu Boden. Anschließend zückte er ein mitgebrachtes, kurzes Messer und stach mehrfach auf Gesicht und Oberkörper ein. Anwohner drücken den Angreifer gegen eine Garagenwand Laut Eisenberg erlitt die 25-Jährige dabei durch Schnitte mehrere Gesichtsverletzungen sowie einen zehn Zentimeter tiefen Schnitt in die linke Flanke, wodurch in ihrem Bauchraum innere Organe verletzt wurden. Eisenberg: "Zwischenzeitlich schwebte das Opfer in Lebensgefahr." In diesem Moment gelang es zur Hilfe geeilten Nachbarn, dem Angreifer das Messer zu entreißen, den tobenden Mann von seinem Opfer zu trennen und gegen eine Wand einer Garage zu drücken. Ihnen gelingt es, den Bielefelder mit griechischer und italienischer Staatsangehörigkeit so lange festzuhalten, bis ihn die alarmierte Polizei schließlich abführen kann. Die 25-Jährige überlebte und konnte durch die schnelle Hilfe - auch von Notärzten und Klinikpersonal - nach wenigen Tagen die Intensivstation wieder verlassen. Ob die brutale Attacke für das Opfer bleibende Schäden nach sich ziehen wird, wird eine wichtige Frage des anstehenden Gerichtsverfahrens sein. Ein Termin für die Verhandlung steht noch nicht fest.

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