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Ein Bielefelder Kita-Erzieher steht unter dem Verdacht, ein Kind sexuell missbraucht zu haben. - © BARBARA FRANKE
Ein Bielefelder Kita-Erzieher steht unter dem Verdacht, ein Kind sexuell missbraucht zu haben. | © BARBARA FRANKE

Bielefeld Sexueller Missbrauch: Kita-Erzieher in Bielefeld unter Verdacht

Kripo und Staatsanwaltschaft ermitteln nach Anzeige durch den kirchlichen Träger

Jens Reichenbach
13.08.2019 | Stand 13.08.2019, 14:16 Uhr

Bielefeld. Es wäre der größte vorstellbare Vertrauensbruch, den Eltern von Kita-Kindern sich vorstellen können. Wie nun bekannt wurde, soll ein Erzieher einer Bielefelder Kita eines der Kinder, die er tagtäglich zu betreuen hatte, sexuell missbraucht haben. Eine entsprechende Strafanzeige wegen sexuellen Missbrauchs ist nach Angaben von Moritz Kutkuhn, Sprecher der Staatsanwaltschaft, Ende Juli bei der Strafverfolgungsbehörde eingegangen. Aktuell dauern die Ermittlungen der Kripo in den Fall noch an. Deshalb seien Aussagen über die konkreten Tatvorwürfe noch nicht möglich, so Kutkuhn. Der Straftatbestand des "sexuellen Missbrauchs von Kindern" ist in zahlreichen Abstufungen erfüllt. Das fängt bereits bei Handlungen ohne körperlichen Kontakt an. Welcher Art dieser Missbrauchsverdacht ist, sei derzeit noch nicht abschließend bewertet. Elternabend soll am Dienstag für Klarheit sorgen Angezeigt wurde der Erzieher nach genauer Prüfung von seinem eigenen Arbeitgeber - dem Kirchenkreis Gütersloh, dessen Trägergemeinschaft für alle evangelischen Kitas im Bielefelder Süden zuständig ist. In einem Infobrief an alle Eltern der Einrichtung schreibt Superintendent Frank Schneider von einer "sehr unerfreulichen und auch belastenden Mitteilung", da "gegen ein Mitglied des Mitarbeitendenteams der Kita der Verdacht eines übergriffigen Verhaltens gegenüber einem Kind vorliegt". Wie Kirchenkreis-Sprecherin Frauke Brauns bestätigte, wurden nach Bekanntwerden der Anschuldigungen zum Schutz der Kinder "personelle Maßnahmen und Veränderungen" eingeleitet. Das heißt, der beschuldigte Erzieher darf die Kita bis zur Aufklärung des Vorgangs nicht mehr betreten. Zudem wurde die Bielefelder "Ärztliche Beratungsstelle gegen Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern" eingeschaltet, die das betroffene Kind und seine Familie seitdem betreut. Der Kirchenkreis setzte umgehend ein Krisenteam ein. Eine Befragung der eigenen Kinder könne die Aufklärung des Vorfalls gefährden Weil die Nachricht zu "großer Unruhe und Besorgnis" geführt habe, will der Kirchenkreis die Eltern am Dienstag bei einem Elternabend "über das informieren, was wir wissen", sagt Brauns. "Wir bemühen uns dabei um größtmögliche Transparenz." Auch die Psychotherapeutinnen der Ärztlichen Beratungsstelle werden dem Elternabend beiwohnen. Und diese haben eine große Bitte an die Eltern: "Bitte befragen Sie Ihr Kind nicht zu dem Thema." Natürlich könne man den Impuls nachvollziehen, die eigenen Kinder zu befragen, heißt es in dem Elternbrief. "Gezielte Fragen verunsichern die Kinder aber in einem großen Ausmaß und tragen nicht zur Aufklärung bei", heißt es weiter. Zumal man dabei Gefahr laufe, den Kindern etwas in den Mund zu legen. Eine solche (meist unterbewusste) Beeinflussung stehe einer gründlichen Aufklärung im Wege oder mache sie gar unmöglich. Fragen an Fachleute oder den Träger stellen Wichtig für die Eltern sei aber, ein offenes Ohr und offene Augen für die Kinder zu haben. Bei auftauchenden Fragen solle man sich an Fachleute oder an das Krisenteam des Kirchenkreises wenden. Die "Ärztliche Beratungsstelle gegen Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern" ist zu erreichen unter Tel. (05 21) 13 08 13 oder per Mail unter aerztl.berat.bielefeld@t-online.de

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