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Mit Schaufel und Rechen: Vor dem Verlegen der Pflastersteine sorgen Sven Kalinowski (links) und Michael Stang für einen glatten Sand-Untergrund. - © Silke Kröger
Mit Schaufel und Rechen: Vor dem Verlegen der Pflastersteine sorgen Sven Kalinowski (links) und Michael Stang für einen glatten Sand-Untergrund. | © Silke Kröger

Bielefeld Projekt des Jahres: 140 Menschen verwandeln Bielefelder Hof

Hochbetrieb: Auf Bielefelds einzigem Landschaftspflegehof, bekannt durch Apfeltag und Ferienspiele, werden Wege, Beete und Terrassen angelegt. Viel Zeit ist nicht

Silke Kröger
05.08.2019 | Stand 04.08.2019, 14:26 Uhr

Bielefeld. Der sonst so beschaulich-stille Hof Ramsbrock, vielen Bielefeldern vom Apfeltag und Kindern von den Ferienspielen bekannt, ist nicht wiederzuerkennen: Überall rund um die Hofgebäude wird gehämmert, geklopft oder laut mit der Rüttelmaschine gewerkelt. Bagger rattern vorüber, bewegen Erde und Steine, Menschen laufen geschäftig hin und her. Von Idylle keine Spur mehr auf Bielefelds einzigem Landschaftspflegehof. Die ganze Woche lang. Saftige Wassermelonen vom Bezirksbürgermeister Gerhard Haupt, bekannt durch sein Amt als Senner Bezirksbürgermeister, verteilt saftige Wassermelonenstücke aus einer glänzenden Metallschüssel. Er ist Schatzmeister im Förderverein des Landschaftspflegehofs und mit zehn weiteren Ehrenamtlichen täglich vor Ort, kümmert sich um alles Organisatorische. "Es geht gut voran", sagt er erfreut mit einem Blick in die Runde. Um ihn herum wuseln rund 100 Gartenbauer, außerdem 40 Kinder und Jugendliche: Die Mitglieder der Bundesarbeitsgemeinschaft selbstverwalteter Gartenbaubetriebe, (BASEG) sind aus ganz Deutschland mit Familie angereist, um hier Wege, Plätze, Terrassen und Beet-Einfassungen anzulegen. Ihr diesjähriges Jahresprojekt. Hinter der ehemaligen Kornscheune, wo sonst das Rote Höhenvieh logiert, haben sie ihr Lager aufgeschlagen: 60 Zelte, 30 Wohnmobile- und wagen stehen dort, mit Blick auf den Teich. Als der ausgekoffert wurde, stießen die Bauarbeiter auf einen großen Findling, der jetzt, mit dem eingravierten Hofnamen und Logo, die Mitte des Innenhofes ziert. Ein großer Findling ziert die Hofmitte Dort ist auch ein großes Hochbeet mit Sitzbereichen entstanden. Ein breiter Weg führt mitten hindurch und verbindet Haupthaus und Scheune. Die Umfahrt wurde geschottert, sie bekommt eine Schotterrasen-Oberfläche. Darauf wird Grassamen ausgestreut, der den örtlichen Trockenverhältnissen angepasst ist. Ins Hochbeet kommt eine robuste heimische Blühmischung. Im Herbst werden weitere Gehölze gepflanzt. Wer welche übrig hat und spenden möchte - auch gern Stauden -, kann sich ans Bezirksamt, Tel. (0521) 51 55 11 (Sebastian Walkenhorst) oder Bezirksamt.Senne@bielefeld.de. Neben dem Innenhof gibt es drei weitere Teilbaustellen, erklärt Dietmar Althaus, ebenfalls im Förderverein und hier Ansprechpartner "für alles Technische". Die zweite ist das neue "Wohnzimmer" zwischen Haupthaus und ehemaligem Schweinestall. Hier entsteht allerlei Hochwertiges, was im Gartenbau so möglich ist; Wasserspiele, Trockenmauern, Treppen, Natursteineinfassungen. Der längliche Durchgang, hinten zum Garten abgegrenzt durch Eichenstämme aus dem nahen Wald und hochkant aufgestellten, 300 Jahre alte Balken vom Schulbauernhof Ummeln, werde künftig als "repräsentativer Frischluft-Seminarraum" genutzt, erläutert Althaus sichtlich stolz. Wer möchte, kann sich das alles bei einem Spaziergang anschauen und sich auch selbst inspirieren lassen – die denkmalgeschützte Hofanlage am Ramsweg 2 ist jederzeit zugänglich. Oder zu Ausstellungen Märkten, Festen und Konzerten kommen. Der Hof ist zudem Teil des Bielefelder Lämmerwegs und Startpunkt für einen naturkundlichen Lehrpfad. Auf der anderen Seite des Schweinestalls, entsteht ein Färbergarten. In den Beeten werden typische Pflanzen wie Färberkamille, Resede und Färberlein wachsen. Zunächst allerdings kommt dort Gründüngung hinein, ebenso wie in die neuen Rondellbeete im Hausgarten. "Der Boden ist stark befahren worden, das Material ist ganz pulvrig", sagt Althaus. "Im Winter passiert da erstmal nichts." Im nächsten Jahr wird auch das Gemüse gepflanzt. Neues "Wohnzimmer" zwischen Haupthaus und Schweinestall Gut vorangekommen sind die Gartenbauer auch im Hausgarten hinten, der flächenmäßig größten Baustelle des Landschaftspflegehofs, der 1556 erstmalig erwähnt wurde und zur ersten Siedlungsperiode in der Senne gehört. Auf der großen Terrasse wird das letzte Pflaster gelegt. Die Klinker habe der Förderverein von einer Familie aus Sennestadt bekommen, erzählt Althaus, der Sandstein stammt von der Einfassung eines Wehrs iim Luttertal. "Hier hat fast alles eine besondere Geschichte. Nachhaltigkeit fängt beim Material an." Ab heute beginnen hier zwei Wochen Ferienspiele Für die Gartenbauer ist das Camp auf Ramsbrocks Hof, der von der Stadt Bielefeld 1986 erworben wurde, um zentral im Bielefelder Süden Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für landschaftliche Eingriffe zu schaffen, auch so etwas wie ein großes Familientreffen. Viele sind schon seit Langem bei der BASEG, die Kinder damit groß geworden. Wie die 14-jährige Hannah Fuchs, die gerade hinten die fertigen Terrassenbereiche mit dem Besen vom Sand befreit. Für gute Stimmung sorgt die flexible Arbeitseinteilung - jeder kann sich die Baustelle aussuchen, wo er mithelfen will, auch die Arbeitszeiten sind fließend. Fest stehen nur die Mahlzeiten. Für Entspannung sorgt Yoga, eine Schwitzhütte im Wald, Klangschalen-Meditation. Und kurze Kaffeepausen. Am Freitagabend steigt ein großes Abschiedsfest, am Wochenende ist Abreise. Dann bleibt den Ehrenamtlichen nur noch, den Hof, bei dem die Außenanlage das letzte einer ganzen Reihe von Sanierungsprojekten war, kindersicher zu machen. Denn am Montag wird die Idylle schon wieder gestört: Dann gibt's zwei Wochen Ferienspiele. Neue Funktion für Hof Ramsbrock Ramsbrocks Hof hat Vorrang Mehr als 50 Stände beim Bielefelder Apfeltag Ferienspielkinder weihen das renovierte Bauernhaus in Senne ein

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