0
Die Stadt hat Mühe, die Führungspositionen im Rathaus zu besetzen. - © Sarah Jonek
Die Stadt hat Mühe, die Führungspositionen im Rathaus zu besetzen. | © Sarah Jonek

Bielefeld Fachleute machen Bogen um Spitzen-Jobs der Stadt Bielefeld

Kaum ist die eine Stelle besetzt, gibt es schon die nächsten Vakanzen - und keine Kandidaten

Joachim Uthmann
31.07.2019 | Stand 30.07.2019, 20:41 Uhr

Bielefeld. Führungskräfte in den Ämtern zu finden, fällt der Stadt zunehmend schwer. Zuletzt setzte sie gar einen fünfstelligen Betrag ein, damit ein Headhunter gute Kandidaten für zwei wichtige Stellen im Amt für Verkehr findet. Vergeblich. Jetzt bleibt nur eine interne Lösung. Doch von der verspricht sich Dezernent Gregor Moss (CDU) viel. Neuer Leiter des Amtes für Verkehr als Nachfolger von Reinhard Thiel ist seit 15. Juli Olaf Lewald, zuletzt Referent im Stab von Moss und da vor allem mit der so wichtigen Förderung aus EU, Bund und Land für Verkehrsprojekte betraut. Und gerade die lassen sich nur mit Millionen-Zuschüssen realisieren. Stichworte: Jahnplatz und Verkehrswende. Manager der Verkehrswende Handicap von Lewald ist, dass er nicht Ingenieur ist, sondern aus der Verwaltung kommt. Doch der 55-Jährige kennt das Amt gut, sagt deshalb, er könne sich auf die Fachleute dort verlassen. Gefragt sein wird er als Führungskraft und in der Außendarstellung bei Umsetzung der Verkehrswende. Moss sagt, er schätze Lewalds Kompetenz und Kommunikationsfähigkeit: "Es muss managen, strukturieren und koordinieren. Da muss man kein Ingenieur sein." Fachlich steht ihm weiter Dirk Vahrson als Stellvertreter zur Seite, hinzu kommt als neuer Abteilungsleiter der wichtigen Verkehrsplanung und Straßenverkehrsbehörde Patrick Kühn (32). Er folgt Stephanie Dietz nach, die stark für die Mobilitätswende warb und treibende Kraft war, aber beruflich nach Köln wechselte. Profis suchten vergebens Moss drängte auf eine gute Besetzung der beiden Führungsstellen, weil Bielefeld und Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) bei der Verkehrswende äußerst ehrgeizige Ziele verfolgen. Doch erste Ausschreibungen verpufften. In der Verzweiflung entschloss man sich Anfang des Jahres, teure Headhunter-Profis suchen zu lassen. Doch die stießen auf das gleiche Problem, das die Stadt seit Jahren bei der Besetzung freiwerdender Führungsstellen hat, gerade bei technischen Berufen, wie Moss beklagt. Gute Leute würden in der Wirtschaft deutlich besser bezahlt, hätten größere Aufstiegschancen. Und das trifft Bielefeld besonders hart, weil es gerade in den Bereichen einen großen Aderlass gibt. Bauamtsleiterin geht schon wieder Vor gut einem Jahr galt es 15 Führungspositionen zu besetzen. Bei Bauamt und Immobilienservicebetrieb holte die Stadt zwei Kräfte vom Landesbetrieb Bauen, Catrin Hedwig und Reinhard Peter. Doch Hedwig dürfte bald wieder gehen - nach Berlin als Leiterin der Technischen Abteilung an der Humboldt-Universität, wie es im Rathaus heißt. Eine neue Lücke. In den anderen Eigenbetrieben und Ämtern blieb es bei internen Lösungen. Mit Margret Stücken-Virnau und Hans-Jürgen Rubel im Umweltbetrieb, Hans-Dieter Mühlenweg bei der Feuerwehr, Georgia Schönemann im Amt für Schule, Hartmuth Leisner im Personalamt, Frank Meier im abgetrennten neuen Amt für Zentrale Leistungen, IT und Organisation sowie Heike Wemhöner bei Finanzen und Wiebke Schmiedeskamp beim Konzerncontrolling hat die Stadt bewährte Kräfte aufsteigen lassen. Das kann eine Stärke sein. Wichtig sind aber auch Impulse von außen. Gerade beim Thema Verkehrswende täten Bielefeld Erfahrungen aus anderen Städten gut. Doch das Beispiel Hedwig zeigt, dass sich Externe auch schnell mal wieder verabschieden können.

realisiert durch evolver group