Schüler und Studenten haben gegen kurz vor 17 Uhr das Rathaus blockiert. Die Politiker mussten durch die Leute "hindurchsteigen". - © Ingo Kalischek
Schüler und Studenten haben gegen kurz vor 17 Uhr das Rathaus blockiert. Die Politiker mussten durch die Leute "hindurchsteigen". | © Ingo Kalischek

Bielefeld Demonstranten blockieren Bielefelder Rathaus - Rat beschließt "Klimanotstand"

Dennis Rother
11.07.2019 | Stand 11.07.2019, 19:36 Uhr
Ingo Kalischek

Ariane Mönikes

Bielefeld. Schüler und Studenten der Initiative Fridays for Future sind diesmal ausnahmsweise am Donnerstag auf die Straße gegangen. Sie forderten von der Politik mit Nachdruck einen radikalen Wandel in Sachen Klimaschutz. In Bielefeld trafen sich die jungen Menschen gegen 14 Uhr am Hauptbahnhof. Von dort aus zogen sie vor das Rathaus. Ab kurz nach 17 Uhr berieten dann die Mitglieder des Bielefelder Stadtrats einen Antrag der jungen Aktivisten. Sie forderten in dem Schreiben die Stadt Bielefeld auf, den Klimanotstand auszurufen. Die Politik tat und tut sich bei dem Thema schwer - und es gab ein knappes Ergebnis. nw.de hat die Demonstration im Live-Ticker begleitet. 19:04 Uhr: Die Entscheidung ist gefallen - und es sie war denkbar knapp: Mit Stimmen von SPD, Grünen, Piraten/Bürgernähe und Linken ist der "Klimanotstand" ausgerufen worden. Vorangegangen waren schafe Debatten. 17:10 Uhr: Oberbürgermeister Pit Clausen eröffnet die Ratssitzung und gibt bekannt, dass der Tagesordnungspunkt zum Klimanotstand vorgezogen wird. 17 Uhr: Als ein Großteil der Politiker den Ratssaal betritt, stürmen auch mehrere hundert Aktivisten nach unten und platzieren sich im Zuschauerbereich. Sie stimmen lautstark Lieder und Sprechchöre an. 16:50 Uhr: Die Aktivisten haben sich mehrere Minuten lang in die Eingangsbereiche des Ratssaals gelegt. Die Politiker mussten quasi durch die am Boden liegenden Menschen hindurchsteigen. Ein skurriles Bild. 16:32 Uhr: Auch Politiker haben sich auf dem Rathausplatz inzwischen eingefunden: Vincenzo Copertino etwa von der CDU, Sozialdezernent Ingo Nürnberger oder Jens Julkowski-Keppler von den Grünen. Das nehmen die Aktivisten zum Anlass, ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen: Sie legen sich demonstrativ vor die Tür und versperren den Politikern den Zugang zum Rat. 16:15 Uhr: Ebenfalls vor Ort übrigens: Cartoonist Ralph Ruthe. 16:06 Uhr: Die Aktivisten kündigen an, dass sie im Anschluss das Rathaus stürmen wollen. Die Ankündigung bringt mächtig Applaus. 15:59: Student und Aktivist Fynn Horstmannshoff sagt, dass Fridays for Future an der Uni "angekommen" sei. Innerhalb von sechs Monaten kam das Thema immer mehr auf. Er fühle sich von der Politik aber nach wie vor nicht ernst genommen: "Das Thema wird behandelt wie jedes andere. Das reicht nicht. Die Klimakrise ist keine Phase." 15:56 Uhr: Organisator Benjamin Angermann hält eine Rede: "Ich bin wütend, dass Bielefeld im Stau versinkt und zu wenig für den ÖPNV tut. Um unsere Zukunft zu retten, muss eine drastische Wende vollzogen werden. Damit beginnen wir hier in Bielefeld - und wir fordern unter anderem eine Stadtbahnlinie 5." 15:49 Uhr: Das Mini-Konzert am Rathaus startet. 15:42 Uhr: Die Gruppe erreicht jetzt das Rathaus. Die Stimmung ist gut - und soeben gab's großen Applaus fürs Bahnfahren und für die Bahnfahrer an der Rathaus-Haltestelle. 15:31 Uhr: Am Alten Markt gibt es ein besonderes Bild: Die Teilnehmer haben sich hingesetzt und legen eine Schweigeminute ein. Sie stellen sich tot. Eine Aktion, die an alle Opfer des Klimawandels erinnern soll. 15:20 Uhr: Die Organisatoren kündigen an, dass man gleich in die Ratsstitzung gehen wolle. Die startet um 17 Uhr. "Es wäre gut, wenn viele von euch mitkommen." Die Gruppe zieht jetzt durch die Altstadt. 15:09 Uhr: Brix Tramsen von der Seebrücke hält jetzt ihre Rede. 15:06 Uhr: Die Macher hinter Fridays for Future wollen das Thema Klimawandel übrigens auch in den Sommerferien  hochhalten. Unter anderem sind Workshops und Mahnmachen geplant. Eine große Demo vorerst aber nicht. Die Bielefelder Aktivisten vernetzen sich bundesweit - einer von ihnen reist demnächst zu einem internationalen Fridays-for-Future-Kongress in die Schweiz. Der Blick über den Tellerrand sei wichtig. 14:55 Uhr: In einigen Schulen sei das Thema Klimawandel derzeit auch Unterrichtsthema, zum Beispiel in Erdkunde. Lehrer bieten ihren Schülern an, sich mit Umweltschutz so intensiver zu beschäftigen. Die Gruppe ist nun kurz vorm Jahnplatz angekommen. Miten in der City sollen gleich Reden gehalten werden. 14:51 Uhr: Auch ältere Menschen machen mit - aber nicht genug, finden die Seniorinnen Adelheid und Barbara, die sich unter die vielen Jugendlichen gemischt haben. Sie sind etwas enttäuscht von ihrer Generation. 14:45 Uhr: Der Protestzug passiert den Kesselbrink. 14:43 Uhr: Johannes (16) von der Georg-Müller-Schule ist einer der Aktivisten. Er kenne einige Mitschüler, die mitmachen, obwohl ihre Eltern das nicht wollen. Seine Familie nehme Klimaschutz ernst - fliege seit Jahren bewusst nicht in den Urlaub, halte zuhause Hühner und verzichte auf Plastik. "Das Thema Klimawandel ist ja nicht neu", sagt er. "Es wurde nur lange Zeit nicht wahrgenommen." 14:33 Uhr: Laut Polizei machen rund 400 Menschen bei der Demo mit. Die Veranstalter sind von der Anzahl und Lautstärke der Demonstranten "begeistert". 14:30 Uhr: Die Gruppe nähert sich jetzt dem Jahnplatz. Im Dauerregen. 14:25 Uhr: "Rund 60 Prozent der Teilnehmer meinen es wirklich ernst", schätzen Schülerinnen. Andere seien dabei, weil sie schlicht nicht zur Schule gehen wollten. 14:23 Uhr: Einige Schülerinnen sagen, dass beim letzten Mal mehr ihrer Mitschüler mitgemacht haben. In der Schule gebe es etliche kritische Stimmen - wer mitmache, gelte zum Teil als uncool. Lehrer stünden den Protesten indes größtenteils positiv gegenüber. "Die finden das gut; dürfen aber öffentlich natürlich nicht dazu auffordern, die Schule zu schwänzen." Andere Lehrer wiederum würden bei Eltern zuhause anrufen, wenn ihre Kinder im Unterricht fehlen. 14:19 Uhr: Jetzt soll es gleich losgehen, die Bahnhofstraße hinunter. Laut den Organisatoren sind mindestens 300 Menschen vor Ort. "Lasst das Glotzen sein, reiht euch in die Demo ein", rufen sie und machen sich trommelnd auf den Weg. 14:14 Uhr: Die Gruppe am Hauptbahnhof ist gemischt: Schüler, Studenten, Erwachsene. Zuletzt wurde wegen schwindender Teilnehmerzahlen "nur" alle zwei bis drei wochen gestreikt. 3.000 Teilnehmer Ende März waren Rekord. 14:10 Uhr: Unter anderem dabei: Aylin (14), Julia (14) und Elin (13) vom Max-Planck-Gymnasium. Sie machen das zweite Mal mit - und schwänzen gerade den Chemie-Unterricht. Die unentschuldigten Fehlstunden nehmen sie in Kauf. Seit der Fridays-for-Future-Initiative würden sie mehr auf regionale Produkte Wert legen, weniger Plastik benutzen und möglichst Müll vermeiden. "Und wir kaufen seit kurzem nicht mehr bei Primark." Und wie es ist mit Flugzeug-Trips in den Urlaub? Solch ein Komplettverzicht sei dann doch etwas zu viel, berichten sie. 14:00 Uhr: Es wird voller hier. Die ersten Lieder stimmen an: "Klimanotstand in den Rat, schreitet endlich mal zur Tat." 13:59 Uhr: Die Seebrücke um Brix Tramsen erwartet etwa 80 Teilnehmer. Für sie ist heute auch ein wichtiger Tag. Der Rat soll entscheiden, ob Bielefeld dem Städtebündnis "Sichere Häfen" beitritt. Da sind bis jetzt zwölf Städte drin, unter anderem Detmold. Die Seebrücke hat Hoffnung, dass der Rat das heute beschließt. Dieses Bündnis will sich für das konkrete Aufnehmen von Flüchtlingen in Seenot einsetzen. 13:53 Uhr: Heute gehen unter anderem mit: Seebrücke, Mitglieder vom Radentscheid, Mitglieder der Initiative "Mut zur Verkehrswende" um Godehard Franzen, Teile von "parents for future". Wie viele und welche Schulen sich beteiligen, wissen die Veranstalter nicht genau. Ihr Mail-Verteiler umfasst rund zehn Schulen. Laborschule, Helmholtz-Gymnasium, Oberstufen-Kolleg und Gesamtschule Werther seien regelmäßig dabei. 13:39 Uhr: Das Orga-Team besteht aus knapp 70 Leuten. Soziologiestudent Benjamin Angermann (22, in Rot) gehört dazu. Diese Gruppe hält alle zwei bis drei Wochen eine Vollversammlung an der Uni ab. Darunter sind einige Studenten, überwiegend aber Schüler. Bei den Treffen beraten sie ihr weiteres Vorgehen. Sie haben zudem eine eigene Hochschulgruppe gegründet, um sich breiter zu streuen. Genau das ist ausdrücklich ihr Ziel: mehr netzwerken, breiter stehen, mehr Kooperationen mit anderen Gruppen. Auch Eltern seien ausdrücklich eingeladen, sich anzuschließen. Es geht ihnen um die Sache und sonst nichts, sagen Benjamin und seine Kollegen. 13:31 Uhr: Aktuell warten die Demonstranten am Bahnhof auf Teilnehmer anderer Städte. Angeschrieben wurden 20 Ortsgruppen aus dem Umkreis, zum Beispiel Gütersloh und Herford. Die Veranstalter rechnen damit, dass vier bis fünf Gruppen aus anderen Städten kommen. 13.15 Uhr: Angemeldet sind 400 Demonstranten. Die Veranstalter hoffen auf 300 bis 500 Teilnehmer. Die Route: Nach dem Treffen um 14 Uhr am Hauptbahnhof: Bahnhofstraße, Kundgebung am Jahnplatz, dann bei trockenem Wetter zum Kesselbrink, Alter Markt, Rathaus.

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