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Plakatschau auf Zeit: Fünf der ausstellenden Künstler, (Thorsten Höning, Nina Schengber, Klaus Bossemeyer, Katharina Bosse und Eric Sproten, v.l.) an der Mindener Straße, In der Mitte das beschädigte Plakat von Thomas Baumgärtel. Foto: Wolfgang Rudolf - © Wolfgang Rudolf
Plakatschau auf Zeit: Fünf der ausstellenden Künstler, (Thorsten Höning, Nina Schengber, Klaus Bossemeyer, Katharina Bosse und Eric Sproten, v.l.) an der Mindener Straße, In der Mitte das beschädigte Plakat von Thomas Baumgärtel. Foto: Wolfgang Rudolf | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Kunst am „Unort“

Plakartive: 90 Werke von 24 Künstlerinnen und Künstlern sind an und um die Mindener Straße zu sehen. Bei „Elsa“ gibt’s dazu Kunst im Kleinformat

Heike Krüger
04.07.2019 | Stand 04.07.2019, 13:00 Uhr

Bielefeld. Die „Plakartive“ ist in regelmäßigen Abständen ein sommerlicher Hingucker. Zum vierten Mal werden die Randzonen der lauten und verkehrsreichen Mindener Straße, direkt unter dem OWD, mit großformatiger Plakatkunst bespielt. 90 Werke regionaler und überregionaler Künstlerinnen und Künstler werden bis zum 8. September im öffentlichen Raum präsentiert. Titel "Open Mind" verweist auf Toleranz und Offenheit Zwischen Grünzug und Radweg, vor dem Taubenhaus und mitten im prallen Leben stehen die bunten, großformatigen Werke auf den Rahmen der Werbefirma Ströer. Erneut hatte der Konzern die Flächen und auch die Rahmen kostenfrei zur Verfügung gestellt, um dem Projekt, das inzwischen als Biennale läuft, Anschub zu geben. Ohne diese großzügige Unterstützung und die weiterer Sponsoren, so Uwe Göbel, ehemaliger Professor für Visuelle Kommunikation an der Fachhochschule, sei die Plakartive gar nicht möglich. Die Schau verweist in diesem Jahr mit ihrem Titel „Open Mind“ auf Toleranz und Offenheit. Sie will ein Forum für sogenannte „Young Urban Artists“ sein. Wie immer, so Göbel, sei sie der Versuch, der Dauerberieselung mit Werbung im öffentlichen Raum eine sinnhafte Alternative entgegen zu setzen – mittels zeitgemäßer und zeitpolitischer Botschaften, dem Unterbrechen gängiger Wahrnehmungsmuster, dem Spiel mit Worten und Bedeutungen. Alltagsgegenstände in neue Zusammenhänge gestellt Auf einem Plakat kommt die Queen mit blauem Auge und dem Satz „Stay with us“ daher. Ein taubenblauer Hintergund ist bedruckt mit dem Satz „Eleganz ist auch nur ein Auffahrunfall zwischen Elend und Glanz“. Heiner Meyers Beitrag zu einem Grafikaufruf der Firma Chanel verbindet Luxus mit der Mahnung zu Naturverträglichkeit. Nina Schengber und Eric Sproten zeigen Alltagsgegenstände und stellen sie in neue, assoziative und überraschende Zusammenhänge. Für das Corporate Design der Schau sind die Studierenden Leslie Dunker, Chantal Jager und Finn Rodenberg zuständig gewesen. Die Werke sind vielfältig und regen zum Nachdenken an. Aber auch einfach nur „Selfies machen“ vor den Wänden ist laut Organisatoren eine durchaus willkommene Form der Auseinandersetzung. Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Franz lobt die Aktion, sie geben einem „Unort“, durch den man meist schnell hindurch eile, für einige Zeit ein anderes Gesicht. Almut Fortmeier aus dem Kulturdezernat der Stadt lobt den demokratischen Impuls dieser „Galerie für alle“. Gedenktafeln für Menschen im Widerstand während der NS-Zeit In diesem Jahr wird eine zweite Aktion integriert, die von der Andreas-Mohn-Stiftung verantwortet wird: Rund 20 Gedenktafeln an Menschen, die sich in der NS-Zeit widerständig verhalten haben, können im Projekt „Gedankenzeichen – Gedenken zeigen“ von Bürgern für ihre eigenen Hauswände oder Vorgärten „adoptiert“ werden. An der Elsa-Brandström-Straße 13 präsentiert außerdem Prof. Katharina Bosse im neuen Kunstraum „Elsa“ Kleinformate von PlakartiveKünstlern (geöffnet samstags 13-15 Uhr und nach Absprache), die auch erworben werden können. Zur Schau erscheinen ein 190 Seiten starkes Magazin sowie ein Flyer und ein Ausstellungsführer. INFO Exponat von Unbekannten beschädigt Schon vor der Eröffnung ist eins der auf Metallrahmen installierten Bilder beschädigt worden. Unbekannte haben in der Nacht zum Donnerstag das Bild Erdogans, dem eine Banane im Allerwertesten steckt, von einem dreigeteilten Plakat getilgt. Das Plakat des Kölners Thomas Baumgärtel zeige drei Despoten, so Uwe Göbel – Kim Jong Un, Donald Trump und den türkischen Präsidenten. Baumgärtel sei in Köln wegen seiner türkeikritischen Haltung bedroht und unter Staatsschutz gestellt worden. (krü)

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