Die Catterick-Kaserne: Zwischen Lipper Hellweg und Detmolder Straße könnte auf dem Areal ein neues Stadtviertel entstehen. - © Detlef Wittig
Die Catterick-Kaserne: Zwischen Lipper Hellweg und Detmolder Straße könnte auf dem Areal ein neues Stadtviertel entstehen. | © Detlef Wittig

Bielefeld 4.000 neue Wohnungen an der Bielefelder Catterick-Kaserne?

Die Catterick-Kaserne als neues Stadtviertel mit Wohnungen über und unter der Erde: Zukunftsvision. Die riesige Immobilie als Streitobjekt zwischen Stadt und Bund - längst Realität

Sebastian Kaiser
13.06.2019 | Stand 13.06.2019, 08:25 Uhr

Bielefeld. Ende des Jahres werden die letzten Britischen Armee-Angehörigen Bielefeld verlassen. Unter anderem die Catterick-Kaserne, bisher Hauptquartier der Rheinarmee, wird dann leer stehen. 34 Hektar Fläche und zahlreiche Gebäude aus den 1930 Jahren bieten Platz für neue Entwicklungen. Bevor es dazu kommen kann, stehen der Stadt schwierige Verhandlungen mit dem Bund bevor. Auch Gerichtsverfahren sind dabei nicht ausgeschlossen. Was auf dem Gelände denkbar ist, damit hat sich jetzt der Runde Tisch Konversion befasst. Dort sitzen zahlreiche gesellschaftliche Gruppen, die Ideen und Wünsche für eine künftige Entwicklung einbringen. Ihnen hat jetzt Marcel Cardinali vom Urban-Lab der Technischen Hochschule OWL vorgestellt, wie sich Studenten die Zukunft des Geländes vorstellen. 4.000 neue Wohnungen Bei einem Ideenwettbewerb haben angehende Architekten und Stadtplaner eine Reihe von Entwürfen gemacht. Die Spannbreite reicht von Gewächshäusern auf den Hausdächern und großen Gemeinschaftsplätzen über Hochhäuser am Rand des Gebietes bis zum Vorschlag, Wohneinrichtungen komplett unter der Erde verschwinden zu lassen. Die Entwürfe gehen aus von 3.000 bis 4.000 neuen Wohneinheiten, von verdichtetem Bauen und von unterschiedlichen sozialen Gruppen als Bewohnern des neuen Stadtviertels. Zwar handele es sich um "Impulse", nicht um "machbare Pläne", so Cardinali, doch er leitet daraus eine Reihe von Erkenntnissen ab. So gehe es jungen Menschen darum, möglichst viele Nutzungsarten, nicht möglichst viele Gebäude zu verwirklichen. Eigentum spiele eine untergeordnete Rolle, Gebrauchen gehe vor Besitzen. Mobilitätssysteme sind gefragt Gemeinschaftseinrichtungen seien gefragt. Ebenso Mobilitätssysteme - Nahverkehr, Carsharing, E-Bike - mit denen sich Wege möglichst schnell und unkompliziert zurücklegen ließen. Die Arbeiten sollen auch einem professionellen Büro an die Hand gegeben werden, dass sich mit dem Potential der Kaserne befasst, kündigte Sven Dodenhoff vom Bauamt an. Die Mitglieder des Runden Tisches sehen die Ideen der Studenten durchaus positiv, haben aber auch Bedenken. Entspringe der Wunsch nach verdichteter Bebauung möglicherweise nur der Lage auf dem Wohnungsmarkt? Wollten viele Menschen nicht doch lieber ein Eigenheim bauen? Umfrage: Die meisten Menschen wollen auf dem Land leben Eine Umfrage der Bundesstiftung Baukultur, die Marcel Cardinali ebenfalls präsentierte, geht zumindest in diese Richtung. Danach wollen 45 Prozent der Menschen am liebsten in einer Landgemeinde leben, nur 21 Prozent in einer Großstadt. "Bei der Planung muss man entscheiden, wie konservativ man sein muss und wie mutig man sein will", sagt der Wissenschaftler vom Urban-Lab. Bis das erste neue Gebäude steht, kann es allerdings Jahre dauern. Denn die Konversion, die Umwandlung alter Militärstandorte zu ziviler Nutzung, ist ein schwieriges Geschäft. Das zeigt sich aktuell an der Sperberstraße. Dort geht es um 48 Wohnhäuser, die nicht mehr von britischen Soldaten bewohnt werden. Seit zwei Jahren stehen sie leer. Stadt streitet mit dem Bund Die Stadt will ihr Vorkaufsrecht ausüben und einen Bebauungsplan aufstellen, damit neue dort neue Häuser entstehen können. Doch aktuell streitet sie mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) um den Wert der Immobilien und die Schwere der Schadstoffbelastung. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Ein kompliziertes und langwieriges Verfahren droht auch mit Blick auf die Catterick-Kaserne. Ob und zu welchem Preis die Stadt oder Investoren das Gelände kaufen können, muss geklärt werden. Zudem will sie vom Bund Entschädigungsleistungen verlangen und notfalls juristisch eintreiben. Die stehen ihr nach einem sogenannten Garnisionsvertrag für den Fall zu, dass die militärische Nutzung aufgegeben wird. Auch das wird dauern. Darüber hinaus müssen Pläne für die künftige Nutzung des Areals aufgestellt werden. Dazu will die Stadt in Kürze einen städtebaulichen Wettbewerb veranstalten. Ergebnisse sollen Anfang 2020 vorliegen. Allerdings: Alle drei Verfahren - Kaufverhandlungen, Entschädigungsforderungen, städtebauliche Planungen - laufen parallel zueinander.

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